Die wunderbahre, doch weise Regierung der Welt.
Die Geheimnis-volle Tieffe, der ver-
borgnen Vorsehung,
Treibt ein achtsames Gemüthe, bil-
lig zur Verwunderung,
Wenn es bei dem Lauf der Welt,
ihre Ordnung im Regieren,
Jhre Güt und weise Macht, nicht kan allzeit sicht-
bar spüren.
Alles gehet durch einander, der verwirrte Lauf der
Welt
Lehret uns die klare Warheit: Es sei hier ein Jam-
mer Zelt,
Wo der Fromme öfters seufzt, wenn der Ungerech-
te lachet,
Wie ein Lorbeerbaum aufblüht, und sich hier ein
Eden machet.
Wilde Bosheit lebt und sieget, wenn die Unschuld
unterdrükt,
Unfruchtbahre Bäume wachsen, das was fruchtbar
wird erstikt;
Und ein nichtger Dornenstrauch saugt das Fette die-
ser Erden,
Da hingegen oftermahls, Rosen welk und dürre
werden.
Viele, die durch Rasereien, fast die ganze Welt be-
stürmt,
Werden als mit starken Schilden, vor Gefahr nnd
Noth beschirmt:
Dahingegen die da still, ehrlich in dem Lande woh-
nen,
Bei bestrikter Sclaverei, oft im harten Joche froh-
nen.
Der dem Tod entgegen rennet, lebet ofte frisch und
stark,
Wer hingegen vor ihm fliehet, dem verschwindt des
Lebens Mark
Und verdorret in der Blüth, und verstirbt bei sei-
ner Plage,
Bei verkürzten Lebens Ziel, in der Helfte seiner
Tage.
Wer wie eine Last der Erden, nichtes thut, als ißt
und trinkt,
Und ein hinterlaßnes Erbe, lekkerhaft in sich ver-
schlingt
Lebet und wird greis und alt, da die Eltern oft ver-
storben,
Die dem frommen Kinderchen, wenig oder nichts
erworben.
Wer dieß alles überleget, meinet daß es besser
sei,
Wenn der, der der Welt noch nüzte, vor dem frü-
hen Tode frei;
Und wenn die nur hingeraft, die die Welt ohn
viel Beschweren,
Ohne Thränen, ohne Leid, ohne Sehnsucht würd
entbehren.
Höret Menschen! die ihr meistert, der verborgnen
Vorsicht Schluß,
Und ihr strenges Schiksahl achtet, als ein hart be-
stimmtes Muß,
Wißt ihr den Zusammenhang, könnet ihr die Fol-
gen sehen,
Die wenn dies und das geschicht, nachmahls wie-
derum entstehen?
Wißt ihr, was des Höchsten Wille, der die Schik-
sahls Spheren lenkt,
Der bei allen, was begegnet, vorher weislich über-
denkt;
Und wie dieses muß geschehn: damit sein allweises
Walten,
Das auf unser Bestes sieht, könne unser Woll er-
halten?
Wenn man in den Vorsichts Gängen, alles durch-
einander sieht,
Wie in einem Jrre-Garten, so sind wir umsonst
bemüht,
Jhr weise Spur zu sehn, die von Dunkelheit be-
dekket,
Oft des blöden Geistes Augn, mit verwirrter Un-
ruh schrekket.
Es geht uns wie Wandersleuten, den Arabien nicht
bekant,
Die sehn in der grossen Wüste, nichts als einen
ebnen Sand,
Wo der Pilgrim seine Spur, da der Wind sie zu
geschlagen,
Wenn er keinen Führer hat, schwerlich wird von selbst
erfragen.
Kan er aber also schliessen: Es ist gar kein Weg,
noch Bahn,
Weil er in dem Sand der Wüste, sie verdekt nicht
finden kann?
Nein! wer diese Gegend weis, wird hier, wie auf
ebnen Meeren,
Einen bald den rechten Weg, den man wandern
muß, belehren:
So ist auch in
Spuren trift,
Unser Führer, unsre Leuchte; sein Wort, seine
heilge Schrift,
Die uns mehr als deutlich zeigt, daß der Vorsicht
ihr Geleite,
Nicht mit seiner Güt und Macht, nicht mit seiner
Weisheit streite.
Und wir Sterblichen wir wollen, daß
regieren soll,
Wie ein König auf der Erde, der der Unterthanen Wohl
Nur im Zeitlichen erhält, und dem abgemeßnen
Staaten,
Suchet zum erhabnen Flor, wie er immer kann, zu
rathen.
Gott der über alles herrschet, und der Menschen
Herze sieht,
Der uns in der Zeit regieret, und zur ewgen Woll-
fahrt zieht,
Leitet durch die Vorsehung, uns zum ewig sichren
Glükke,
Darnach richtet er auch ein, unser zeitliches Geschikke.
Seine Weisheit lenket alles zu dem wollgeornd-
ten Ziel,
Scheinet uns denn auf der Erde, dies und das ein
Trauerspiel;
Das macht unser Unverstand, von der Einbildung
betäubet
Der von der Begebenheit, anders als sie ist, oft
gläubet.
Sagt man daß des Himmels Schlüsse, die wir
warlich nicht verstehn,
In der Reihe wie sie folgen, in verwirrten Lauffe
gehn;
So ist unser Urtheil falsch, weil der Ausgang klär-
lich zeiget,
Daß sich alles zu dem Zweck, nach des Höchsten
Willen neiget;
Sieht ein Mensch von blöden Sinnen, ein recht
künstlich Uhrwerk ein,
Da die aufgespannten Räder, welzend in dem Lauf-
fe sein
Und sich selbst entgegen gehn: so deucht ihm daß
die Maschine,
Die sich so verwirret dreht, ihm nur zum Beweis-
thum diene,
Daß der Meister toll zn nennen, der das Räder-
werck gemacht,
Und ein so verwirrt Gebäude, ohngefehr herfür ge-
bracht.
Da doch der verkehrte Gang, da ein Rad das an-
dre rühret
Auf dem äusern Ziefer-Blat, richtig seinen Zeiger
führet:
So gehts euch ihr Menschen Kinder! wenn ihr mit
Verwundrung seht,
Wie der Höchste auf der Erden, das verborgne
Schiksahl dreht,
Was euch ohne Ordnung scheint, als von ohnge-
fehr entstanden,
Darin ist ein weiser Grund, warum es so ist,
vorhanden:
Was euch wie ein Babel scheinet, da Verwirrung
nur regiert,
Hat des Höchsten Rath ersonnen, wunderbarlich
ausgeführt.
Alles was euch wiederfährt, wird zum Besten stets
geleitet,
Da des Höchsten weise Güt, aus dem Bösen Guts
bereitet.
Wer dies überzeugend gläubet, der kan mit Zufrie-
denheit,
Auch ein hart Geschik ertragen, als ein bitter süsses
Leid,
Der denkt O! die Vorsehung, wird mich wunder-
bahrlich führen,
Daß ich dort in Ewigkeit, seine Güte könne spü-
ren.
Wenn der Vorhang weggerissen, der des Höchsten
Thron verhüllt,
Alsdenn sehn wir den Regenten, aller Güte Eben-
bild,
Der uns dort in jener Welt, wird den weisen
Grund erklären,
Von der Führung darob wir, uns in dieser Zeit,
beschweren.
Drükket uns ein banger Jammer, plaget uns die
schwere Noth,
Raffet uns in frühen Jahren weg ein übereilter
Tod,
Nur getrost! die Vorsicht weiß, daß es uns zum
Besten dienet,
Wie dem Palmbaum der gedrükt, desto besser wächst
und grünet.
Wenn die Völker sich verwirren; Wenn man sie-
het überall,
Wie die Thronen sich zerstossen, wie der Reiche
Stürtz und Fall,
Unsre Welt mit Schrekken droht; Nur getrost!
die Vorsicht wachet,
Die doch über alles herrscht, und die Friedens-
Puncte machet.
Wenn die Fluth gethürmmter Wellen, auf das Schiff
der Kirche stürmmt;
So wacht doch der Vorsicht Auge, das dasselbe stets
beschirmmt;
Wenn die Bosheit schreklich tobt, wird der Odem
seiner Nasen,
Sie wie eine leichte Spreu, wie den flüchtgen
Staub zerblasen;
Wenn des After-Glaubens Nebel, Licht und War-
heit überzieht;
So ist
und Schatten flieht:
Will des Menschen Raserei, alles durch einander
bringen,
O! da Zebaoth regiert, wird ihr Anschlag nie ge-
lingen.