Die Wundernswürdige Vorsorge der Thiere, für ihre Jungen.
Des Schöpfers weise Macht, ist allzeit da
zu sehn,
Wohin wir das Gemüth und unsre Au-
gen drehn:
Ein jedes Ding das zeugt, wenn man
es nur erblikket,
Daß
gedrükket
Und diese ward ich jüngst, mit grosser Lust gewahr,
An einen Vögelein. Mein
bahr,
Hast du in jede Brust, den zarten Trieb geleget,
Das es die Jungen nährt, und treulich hegt und
pfleget;
Es zeigt ja deine Macht, und weise Vorsicht an,
Die alles mittelbahr, so wohl erhalten kan;
Es ist ja deine Güt, die jeden Vogel lenket,
Daß er mit Lieb und Lust an seine Jungen denket.
Wie wunderbahr ist es, wenn man erstaunend sieht,
Daß Mann und Weibelein, mit gleichen Trieb be-
müht,
Die Kinderchen so lang mit Sorgfalt zu beschüzzen,
So lange sie entblößt, in ihren Nestern sizzen.
Wie sorgt das Weibgen nicht, wenn sie erst aus-
gehekt,
Die ihre zarte Brut, mit sanften Flügeln dekt!
Das Mänlein flieget aus, und sucht auf seiner Reise,
Die Jungen zu ernährn, bequemen Trank und Speise,
Es schlukt das Wasser ein, und nimt die Gurgel
voll,
Von einer solchen Kost, die für die Jungen soll,
Es fliegt zum Nest zurük, es giebet seinen Jungen,
Die ihren Hals aufsperrn, was in dem Kropf ver-
schlungen,
Und gleichsam erst gekocht; Es samlet Speise ein,
Die seiner zarten Brut, zum Wachsthum dienlich sein.
Wer hat ihn denn gelehrt, die Speise zu erwählen,
Die seiner Jugend nützt, und in den zarten Kehlen
Sie etwas zu verdaun? Du Schöpfer hasts gethan,
Das zeigt uns die Natur, mit ihren Trieben an,
Die stammen nur von dir; Es sind verborgne Wunder,
Die in der inren Brust, geheimen Liebes-Zunder,
Bei Thieren angefeurt, der gegen die entbrant,
Die sie als ihre Frucht, mit zarter Lust erkant.
Wie ängstlich ist die Sorg, wenn sich zu dem Ge-
büschen,
Ein solcher Räuber naht, der die sucht zu erwischen,
Die ihre Lust gehekt; sie fliegen hin und her
Von heisser Angst gejagt. Weil ihre Gegenwehr,
Und ihre Macht nichts kann; so suchen sie im Fliegen,
Den, der die Jungen sucht, mit List noch zu be-
triegen.
Sie kriechen ins Gebüsch, darin das Nest nicht stekt,
Sie brausen da heraus; der Räuber wird erwekt,
Nach solchen Busch zu gehn, dadurch wird er betro-
gen,
Und von dem rechten Ort; allwo es ist, gezogen.
Wie freudig singen sie, wenn sie den Feind entgehn,
Und ihre Kinderchen, im Neste wieder sehn,
Die bei der Ankunft schrein, und sich bald wieder
stillen,
Wenn ihre Eltern nur, die giergen Kehlen füllen.
Die Sorgfalt hört nicht auf, sie tragen immer zu,
Bis ihre Jungen gros, bis sie aus ihrer Ruh,
Ins freie Feld entfliehn das warme Nest verachten,
Und selbst mit eigner Müh, sich zu ernähren trachten.
Jhr Menschen! die ihr dies im Reich der Thiere seht,
Und dabei Andachts-voll, der Vorsicht Ruhm er-
höht,
Bedenkt die Vater-Güt, die so die Vogel nähret,
Und ihnen Wunderbahr, die Speiß, den Trank be-
scheret:
Da seine Vorsehung, das an den Thieren thut.
Warum zernagt ihr euch, durch euren Zweiffel-Muth,
Der eure Nächte stöhrt, mit Angst und Nahrungs-
Sorgen
Wovon ihr leben wolt, bei einen künfgen Morgen?
Wie thöricht ist der Mensch, der sich mit Grillen
plagt,
Wenn ein beschwertes Hertz, nach Lebens Mitteln
fragt
Und keine Vorsicht glaubt! Seht nur in Feld und
Auen,
Da könt ihr allemahl, der Vorsicht Wunder schauen.
Der Vögel Lustgesang, schallt euch in euer Ohr,
Mir deucht sie singen stets:
ein Thor,
Der sich, wenn ihm etwan die künftge Nah- rung fehlet,
In Sorgen selbst zerfrist, mit Angst und Kummer quälet,
Das Auge welches wacht, hat alles schon
bestimmt,
Das Feld bringt seine Frucht; was in dem Wasser schwimmt,
Was in den Lüften fleugt, was auf der Erden gehet,
Sind Zeugen seiner Macht, dran ihr die Vorsicht sehet,
Sie reden aber auch, euch, die ihr Eltern an:
Thut an den Kindern auch, was wir an die
gethan
Die unsre Kinder sein, die wir mit Sorg- falt hegen.
Und wie mit Nahrungs-Milch, zu ihrer Größ verflegen.
Die Thiere stellen sich, die zu beschämen dar,
Die ihrer Kinder Wohl, ihr Elend und Gefahr
Mit gleichen Augen sehn; die gegen
Ein unnatürliches, ein steinern Herze haben.
Wie viele finden sich, dabei der Trieb erstikt,
Den man mit Zärtligkeit, an jeden Thier erblikt;
Die nicht die Kinder nährn, die sie selbst mit den
Brüsten,
Woraus die Milchkost fliest, als Mütter nähren mü-
sten?
Sie geben solche offt, den Säuge-Ammen hin
Die flössen mit der Milch, den liederlichen Sinn
In zarte Seelen ein; und sind sie denn entwöhnet,
So sieht man wie ein Kind, denselben Lastern fröh-
net
Die seine Nährerin mit süsser Lust geliebt,
Und in der Brust gehegt, im Wandel ausgeübt.
Wer seine Kinder liebt, wie die Natur begehrt,
Der zeigt die Liebe an, daß er sie auch ernährt:
Wie viele finden sich, die um ihr ängstlich Wim-
mern,
Wenn sie nach Speise girrn, sich offte nicht beküm-
mern.
Die Vögel bringen stets, dergleichen Speise heim,
Die ihren Jungen gut; trift man auch allgemein,
Dergleichen Eltern an, die bei den zarten Zweigen
Die ihnen angehörn, auch gleiche Sorgfalt zeigen?
Wie ängstlich stellen sich die alten Vögel an,
Wenn wo ein Räuber komt der ihnen schaden kann
Und ihre Jungen nimmt? die er im Nest bestrikket,
Und drauf den zarten Kopf, aus eitler Lust eindrükket.
Wärn Eltern auch so sehr fürs Seelen Wohl bedacht
Der Kinder, würden nicht noch viel zu
bracht,
Die leider Teuffel, Welt, und Fleisch in Laster Schlin-
gen,
In Bösen ganz erstikt, zu dem Verderben bringen?
Gehts so im Geistlichen, was Wunder wenns Ge-
schik
Der Kinder elend ist, wenn Sturm und Ungelük;
Jhr Wohlfahrts Schif zerschlägt, da keine Hülf
vorhanden,
Daß sie denn in dem Lauf, an Fels und Klippen
stranden.
Die Vögel sorgen selbst für ihren Unterhalt,
Wenn ihre Flügel groß, wenn sie zur Ausflucht
alt:
O! möchten Kinder hier, an ihren Beispiel lernen,
Daß, wenn sie sich dem Haus der Eltern erst ent-
fernen,
Auch ihre Schuldigkeit mit regen Fleis zu sehn,
Wie man dem Nahrungs Brod, durch Arbeit nach-
zugehn:
Damit sie nicht mit Last die Eltern länger drükten,
Vielmehr im Gegentheil, den Alten Nahrung
schikten.