Die Würckung der Music in der Harmonie der Gemüther bey einem vergnügten Hochzei...

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Man sagt daß die Music vom Himmel sey gekommen

Und bringe der Vernunfft das Urtheil selber bey:

Diß habe von der Welt den Ursprung nicht genommen

In dessen Wunder-Krafft ein Göttlichs Wesen sey.

Ob man die Schmeicheley nun gleich hierinnen schmecket:

Gnug daß sie unser Hertz zu aller Regung zwingt

Und den erstorbnen Geist so schön in uns erwecket

Ja gleichsam durch den Thon ein neues Leben bringt.

So gar halb todte weiß Music gesund zu machen

Die die Tarantula durch ihren Gifft verletzt.

Sie jagt die Grillen aus und bey den schwersten Sachen

Ist sie die Artzeney die Leib und Seel ergetzt.

Die Würckung hat sie auch bey unvernünfftgen Thieren:

Der Elephanten Wuht wird durch Music gelegt.

Der Delphin wird verliebt wenn wir die Saiten rühren

Daß er den Arion durch Meer und Wellen trägt.

Ein Beyspiel daß sich wohl zu dieser Liebe schicket

Die diesen schönen Tag zur süßen Freude nimmt.

An dem zwo Seelen sind durch den Accord entzücket

Den wahre Liebe schön in gleichen Hertzen stimmt.

An dem ein Arion der wohl auf Saiten spielet

Ein der Music geneigt und artges Kind bewegt

Daß es durch ihn den Trieb zum Ehestande fühlet

Und ihn vergnügt durchs Meer der reinsten Liebe trägt.

Herr M – – den die Stadt hat zur Music genommen

Nimmt zum Vergnügen sich die Jungfer – –

So geht die von dem Stamm recht edler Musen kommen

Die Tugendhaffte Braut zu Musen wieder hin.

Das schönste Sinnen Bild von gleich gesinnten Hertzen

Bleibt nichts als die Music; so angenehm sie ist

So süß und rein durchaus zwo gleiche Lauten schertzen

So wunderschön auch stets ein gleiches Paar sich küßt.

Wohldann du wehrtes Paar das Tugend stets gezieret

Von dessen Leben nur ein reiner Thon erklingt

Das durch die Harmonie, die von den Sternen rühret

Zum ewigen Concert Gemüth und Hertze bringt

Der Himmel welcher euch so schön zusammen stimmt

Laß eure Hertzen stets wohl accordiret seyn.

Und wie uns die Music die Sorgen offt benimmet:

So stelle sich bey euch niemahls ein Kummer ein.

Will die Tarantula des Neides euch verletzen

So wird bey euch dafür in Tugend musicirt;

Und aller Feinde Haß ist dieser Ergetzen

Die die Zufriedenbeit in Gott allzeit geführt.

Weil die Music auch schön bey schönem Wetter klinget:

So muß euch Glück und Wohl stets wie im Lentzen blühn

Und was sonst Regen Sturm Wind Schnee und Nebel bringet

Wie Wolcken in der Fern vor euch vorüber ziehn.

Noch eines fällt mir bey: Soll man Music wohl hören

So muß es stille seyn; darzu schickt sich die Nacht

Wo kein Geräusche sonst kan Ohr und Andacht stöhren

Und wo ein zarter Thon sich viel beliebter macht.

So musiciret nur; ob wir es nicht erfahren:

So wünschen wir dennoch und glauben steiff und sest

Daß sich der Himmel fügs in dreyen viertel Jahren

Von eurer Nacht-Music ein Echo hören läst.