Die zu End gelauffene Lebens-Frist Hn. C. K. J. U. L. den 16. May 1675.

By Heinrich Mühlpfort

Wol Hochgelahrter Kühn die Frist ist nun geendet

Es setzt die Angst der Welt dir keinen Tag mehr an.

Die Ursach die du hast erheblich eingewendet

Gilt vor dem Richter-Stuhl der alle richten kan.

Es sind die Ferien zu ruhen eingefallen

Die du so lange Zeit so sehnlich hast gehofft.

Ruh’ wol biß dermaleinst wird GOttes Stimm erschallen

Und dich aus deinem Grab zum grossen Richt-Tag rufft.

Zwar wollen wir auch hier dein Richter-Ampt noch preisen

Das zu gemeinem Heyl du rühmlich hast geführt

Wir wollen unsre Pflicht und letzten Dienst erweisen

Nachdencken auff ein Lied das deine Leiche ziert.

Und ob die Tugend zwar in eignen Ehren-Kronen

Und lichtem Purpur-Kleid’ als eine Fürstin prangt

Kan durch die Treffligkeit der Thaten selbst ihr lohnen

Und weitgesuchten Ruhm noch Farben nicht verlangt;

So mutz doch unser Grab von beyden eines dulden

Wen frey den Urtheils-Spruch die kluge Nachwelt spricht

Und wir entnommen sind Verfolgung Neid und Hulden

Daß sie Verdienst’ erhebt und Laster sträfflich richt.

Hochwerther Seeliger gewiß daß dir zu Ehren

Astr

Die Musen im Parnaß ihr Beyleid lassen hören

Und Hippocrenens Brunn voll Jammer-Fluthen quillt.

Es zeugt noch Leucoris wie embsig du gewesen

Wie du umb den Verstand der Rechte dich bemüht

Biß dein gehäuffter Fleiß und unauffhörlich Lesen

Den Lorbeer-Krantz erzielt der unverweßlich blüht.

Als dir die Themis nun den Tempel auffgeschlossen

In ihrem Heiligthum zum Priester dich geweyht.

Du ihrer Würden Preiß der Grossen Gunst genossen

Und das gelehrte Haupt der Purpur-Hut erfreut

Lockt dich das Vaterland in seine Schoß und Armen

Daläst du wol vergnügt der Weißheit Früchte schaun.

Es gönnt dir Feur und Herd worbey du solst erwarmen

Und wil das Stadt-Vogts-Ampt bedächtig dir vertraun.

Die Wahl ist wol geschehn. Du hast Gericht gesessen

Gleich wie ein Richter pflegt der von Begierden frey

Du hast der Sachen Grund und Umbstand wol ermessen

Es hat dich nie verblendt Geschenck und Heucheley.

Der Themis Augen sind vergebens nicht verbunden

Dieweil ein Richter soll gantz unpartheyisch seyn.

Drumb hat der Alten Witz die Wageschaal erfunden

Daß die Gerechtigkeit auff jeden Gran treffein.

Es nennt es GOttes Mund selbst eine hohe Würde

Gesetze legen aus und sprechen in dem Recht;

Allein was war es auch vor eine schwere Bürde

Die dir offt

Doch hast du mit Gedult und Sanfftmuth übertragen

Die Boßheit so die List der Menschen ausersinnt.

Jetz hörst du ferner nicht die angestrengten Klagen

Und auff was für Beweiß das Gegentheil sich gründt.

Der Höchste spricht dich srey vom Ampt das du geführet

Unb seine Vater-Hand nimmt alle Schmertzen weg

Die deinen siechen Leib so grausam hier berühret

Daß man an ihm gesehn der schärffsten Martern Zweck.

Ists nicht Erbarmens werth daß Menschen steinern werden

Daß sich ihr Fleisch und Blut in harten Grieß verkehrt?

Kein Redner auff der Welt erzehlet die Beschwerden

Die grimme Hencker-Pein so hier den Leib verzehrt.

Es ist Jrions Rad mit nichten zu vergleichen

Noch wenn Prometheus Hertz ein Rabe täglich frist;

Es würde Tytius mit seinen Qualen weichen?

Weil Angst am Blasen-Stein der gröste Schmertz nur ist.

Den Ubelthäter kan die Folter so nicht spannen

Den Leib so dehnen aus als

Und ließ die Angst was Raum sich wieder zu ermannen

Sah man sie hefftiger in kurtzer Frist andrehn.

Wie hat dein Seuffzen nicht des Himmels Burg durchdrungen?

Wie hast du Märtyrer Erlösung nicht gehofft?

Und mitten in der Qual mit Davids Mund gesungen:

Mein Schöpffer führe mich zu meiner Väter Grufft.

Ich bin nur Haut und Bein ich bin zerknickt wie Scherben;

Ach daß so langsam doch der Lebens-Faden reist!

Komm komm erseuffzter Tod mein eintzig Wunsch ist Sterben;

Ich fühle schon nicht mehr wie mich dein Stachel beist.

Denn meine Tage sind ja Trübsals voll gewesen

Mein Lager jederzeit nur eine Folter-Banck.

Ein Aufschub großrer Oual mein weniges Genesen;

Nun deucht mich auch die Frist von einer Stunde lang.

In solcher Andachts Glut ist dein Erlöser kommen

Daß du die Bitterkeit des Todtes nicht geschmeckt.

Bist einem Lichte gleich das schon verzehrt verglommen!

Und hast den mürben Leib zu seiner Ruh gesteckt.

Glück zu dem Freyheits-Stand! Glück zu der Sieges-Krone

Die die Gerechtigkeit sammt der Gedult dir flicht!

Wie hoch wird dichs erfreun wenn für des Lammes Throne

Gott seinen Gläubigen ein gnädig Urtheil spricht.

Es mag die Sterbligkeit mit Jahren sich befristen!

Der groß’ Erscheinungs Tag naht endlich doch herzu.

Nach der Verlängerung wird Eitle nur gelüsten:

Wöl dem der wie

Daß aber der Verlust

Und daß ihr treues Hertz in Thränen sich ergeust

Wenn sie an ihren Schatz deß Hauses Sonne dencket

Ist niemand der es nicht ein schuldig Opffer heist.

Sie ehrt wie billich ist das unverfälschte Lieben

Und wie der

Jedoch es dient auch nicht ein ewiges Betrüben

Das Lebende nur quält und Todte nicht ergetzt.

Wenn wir die Tugenden Entseelter rühmlich preisen

So scheints als wären sie noch immer

Diß ist die gröste Pflicht so wir hierinn erweisen;

Wenn ihr Gedächtnüß nie uns aus dem Hertzen fälli.