Die Zufriedenheit

By Gottlieb Konrad Pfeffel

Written 1755-01-01 - 1755-01-01

Göttliche Zufriedenheit,

Braut des Weisen,

Nur ein Sohn der goldnen Zeit

Darf dich preisen.

Aber flehn darf ich zu dir:

Hilf das Thal der Leiden mir

Still durchreisen.

Nur nach dir, du höchstes Gut,

Geht mein Streben;

Schenke du dem Dulder Muth

Auszuleben.

Selbst dem Kelch des Marterthums

Kannst du des Elysiums

Vorschmack geben.

Was nur Kinder vom Geschick

Heiß begehren;

Was Geburt und Gunst und Glück

Uns gewähren;

Was ihm nicht zur Weisheit nützt,

Lernt ein Herz, das dich besitzt,

Leicht entbehren.

Gern läßt es die Schichten Geld

Harpagonen;

Gern läßt es dem stolzen Held

Seine Kronen.

Unter einem Hirtenkleid

Wohnet mehr Zufriedenheit

Als auf Thronen.

Wank ich gleich an meines Kahns

Morschem Steuer;

Eingehüllt in Oßians

Augenschleyer;

Dennoch bleibt mein Frohsinn mir;

Den, o Göttin, dank ich dir

Und der Leyer.

Wenn ich, trautes Himmelskind,

Dich nur habe;

Dienest du durchs Labyrinth

Mir zum Stabe;

So beklag ich nie mein Loos,

Und ich finde deinen Schoos

Auch im Grabe.