Die Zweifel.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Einmal noch, o Auserwählte,

Sink' ich an dein athmend Herz.

Dir vertraut der Tiefgequälte

Seine Sorgen, seinen Schmerz.

Dir am Busen wimmernd liegend,

Werd' ich alles Zagens los.

Dich umflechtend, dich umschmiegend

Fühl' ich stark mich, kühn und gross.

Auf des Zweifelmuthes Wellen

Schwankt der Hoffnung leichter Kahn;

Stürme geisseln, Strudel schwellen

Den geschwärzten Ozean;

Schleudern itzt den morschen Nachen

Schäumend bis zum Sirius,

Stürzen dann mit lautem Krachen

Nieder ihn zum Erebus.

Manches schmeichlerische Hoffen

Flüstert leisen Trost mir zu,

Und Elysium steht mir offen,

Und der Orkus schliesst sich zu.

Um mich säuseln Edenslüfte,

Um mich lispelt Lautenklang.

Fernher wehn Violendüfte,

Fernher flötet Brautgesang.

Seligkeit, die mich durchschaudert,

Ahnung, die mich himmelwärts

Flügelt, dir zu glauben, zaudert

Des Verzagten zweifelnd Herz.

Nein, den Blöden, nein, den Armen

Meint Adelens Liebe nicht.

Nein, nicht Lieb' ists, nur Erbarmen,

Was Adelens Auge spricht.