Die zwölff und vier Nächte
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Von vielen wird die heilge Zeit
Der Wunder-vollen Christus-Nacht
Mit Aberglauben Uppigkeit
Und schnödem Fürwitz zugebracht:
Seel Ewig laß dich nicht dergleichen Thorheit sahen:
Wir wollen uns im Geist zu Jesus Krippe nahen!
Zwölff Nächte hat die Welt erwehlt
Die ihr Propheten sollen seyn
Doch wie man noch die rechten zählt
Stimmt nicht die Meynung überein:
Ich will durch andre Nächt ich will von andern Sternen
Was zu gewarten sey für dich o Seele lernen!
Ich seh auff keinen Peters-Stab
Auff Mond und Himmels-Angel nicht
Den besten Führer giebt mir ab
Des Jacobs-Sternes helles Licht:
Was in Sabäer Land den Weisen ist erschienen
Kan mir nach Bethlehem zum sichern Leitstern dienen.
Offt bringt die Nacht gewünschte Ruh
Auff heisser Tage müde Last.
Offt bringt man sie mit Schrecken zu
Und findet weder Ruh noch Rast.
Vier Theile zählt das Jahr: Ich will mein Angedencken
In Andacht auch auff vier ungleiche Nächte lencken.
Eh noch die erste Nacht entstand
In unbegränzter Ewigkeit
War keine Finsternis bekandt
Kein Schatten oder trübe Zeit:
Gott selber war das Licht drum hieß ers auch auff Erden
Als noch der rohe Bau verdunckelt lichte werden.
Er sezte Tag und Nacht zwar aus
Doch hatt auch die ihr eigen Licht
Des Edens lichtes Sommer-Hauß
War schön und herrlich zugericht:
Der edle Mensch war selbst von aussen und von innen
(Als Gottes Ebenbild) voll Licht an Geist und Sinnen.
Wie zeitlich aber ward die Nacht
Durch Lust von List und Neyd erweckt
Auff ihn und seinen Stamm gebracht
Die Welt mit Finsternis bedeckt.
In solcher Dunckelheit war allen Adams Erben
Von Gottes Licht entfernt gedrohet zu verderben.
Die erste Sünden-Nacht war diß
Darinn wir ewig solten seyn
Doch gab Gott dieser Finsternis
Auch wieder einen Gnaden-Schein:
Er ließ uns einen Glantz von Weibes-Saamen blicken
Den er zu seiner Zeit auff Erden wolte schicken.
Nach ausgesezter Jahre Lauff
Kam die erseuffzte Nacht herbey
Es gieng der Stern aus Jacob auff
Daß er der Heyden Führer sey:
Ein ungewohntes Licht vom Himmel fuhr hernieder
Den Heyland sagten an die süssen Enge-Lieder.
Der zweygestammte Wunder-Held
Begrüßte diesen Erden-Kloß;
Der Völcker Trost das Licht der Welt
Lag in Marien reiner Schoß.
Stellt trübe Zähren ein und hemmt das düstre Weinen
Hier sieht man in der Nacht die hellste Sonne scheinen.
Der Stall ist zwar gering und klein
Es schimmert hier ein schwaches Licht
Was kan der Sonne finster seyn
Die durch die dicksten Wolcken bricht?
Mein Jesus wilt du nicht in meinem Hertzen liegen
Wenn bange Finsterniß und Schrecken mich bekriegen?
Ich bringe dir nur grobes Heu
Und ungerechter Wercke Stroh
Bin aber doch in Reu und Treu
Dich bey mir zu bewirthen froh.
Ach kehre bey mir ein und laß mich dein genüssen
So kan die Weyhnachts-Nacht mir Noth und Nacht versüssen.
Nun kömmt die grosse Nacht heran
Das Lamm voll heiliger Geduld
Betritt die rauhe Leydens-Bahn
Und giebt sich hin für unsre Schuld:
Es ringt mit Gottes Zorn und kämpfft mit Tod und Hölle
Damit es jenen dämpff und die zu Bodem fälle.
Eh unser Heyland geht in Streit
Hat er uns noch zu guter lezt
Ein herrlich Nacht-Mahl zubereit
Zur Kost sich selber auffgesezt:
Ach Seele nimmst du die und woltest den nicht lieben
Der dir biß in die Nacht des Todes treu geblieben.
Was sag ich: treu biß in den Tod
Auch treu nachdem er wieder lebt
Der deine Sünden deine Noth
Büßt an sich selbst mit sich begräbt.
Der so viel Hohn und Spott in dieser Nacht erlitten
Damit er dir das Reich der Ehren hat erstritten.
Pech Kohlen Tinte gleichen nicht
An Schwärtze dieser Trauer Nacht
Die dunckler Leuchten blindes Licht
Mehr grausam noch und schrecklich macht:
Der Juden grimmer Zorn speyt Lästerung und Flammen
Die Schlagen über dich mein Heyl und Licht zusammen.
Und dieses ist die trübe Nacht
Die uns den Himmel wieder klärt
Die deines Leydens Anfang macht
Das uns die Seligkeit gewehrt:
Wir hätten ohne die in steten Finsternissen
Und glimmend blauer Glutt der Hölle sitzen müssen.
Die Deck ist nunmehr auffgehüllt
Die uns und unsern Gott getrennt
Die strenge Rach-Glutt ist gestillt
Die biß in tieffsten Abgrund brennt.
Mein schwaches Glaubens-Licht kan sich nunmehr erquicken.
An Gottes Vater-Aug' und hellen Sonnen-Blicken.
Izt ist noch eine Nacht für mir
Dafür dem blöden Auge graut
So offt es seine Grabes-Thür
Ihm mehr als halb-geöffnet schaut:
Es muß hier aller Glantz der Eitelkeit verblinden
Und was man gerne sah auff Erden bleibt dahinden.
Ein enger Sarg ist mein Gemach
Da läst mich alle Welt allein
Und meine Wercke folgen nach
Ach daß sie möchten besser seyn!
Die Farben erster Nacht seh ich an ihnen kleben
Doch gläub ich Christus Blutt wird bessre Farbe geben.
Das süsse Nacht-Kind hat für mich
In dieser Nacht die Welt begrüßt
Mein Heyland hat ja nicht für sich
Er hat für meine Schuld gebüßt.
Er ist für mich geschlacht er ist für mich begraben
Was soll ich denn für Furcht ihm nachzufolgen haben.
Geb ich der Erde gutte Nacht
So reiß ich auff den Himmel zu!
Die Seele wird zu Gott gebracht
Der Leib indeß zu stiller Ruh:
Drum finstre Todes-Nacht du solst mich nimmer schrecken
Der der sich selbst erweckt wird mich zur Freude wecken.