[Dieser Tag ist nun zum Ende]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Dieser Tag ist nun zum Ende

Braunen Schattens tunckler Flor

Hüllt sich um des Himmels Wände

Birgt der muntern Sternen-Chor

Trübe Nacht und düstres Schrecken

Will den Kreiß der Erde decken.

Dunst und Thau umzieht die Felder

Die man itzo ledig spürt

Winde spielen durch die Wälder

Deren Haubt sich zitternd rührt;

Thiere ruhen Menschen schweigen

Biß die Sonn ihr Licht wird zeigen.

Schwartz und finster sind die Thaten

Die ich diesen Tag gehegt

Ich bin aus der Bahn gerathen

Welche zu dem Himmel trägt

Darum fühl ich auch im Hertzen

Reu und Furcht und bange Schmertzen.

Stechen heisser Sonnen Blicke

Gottes Zorn sticht noch so sehr

Traurt man wenn der Himmel dicke

Wenn Gott wittert noch vielmehr

Besser ists als im Gewissen

Seine Gunst den Tag vermissen.

Adam muß das Feuer fühlen

Welches seine Blösse brennt

Doch da sich der Tag will kühlen

Wird das Hertzeleid gewendt

Gottes Ruff sein Thau der Gütte

Labt sein schmachtendes Gemütte.

Ruffe mich O Gott desgleichen

Doch in Gnaden izt zu dir

Muß ich schon für Furcht erbleichen

Weil nichts guttes wohnt in mir

Tilgt doch dieser mein Verbrechen

Der sich ließ die Schlange stechen.

Ob mich Grab und Hölle schrecket

Und die Todes-Nacht mir dräut

Meine Fehler sind bedecket

Durch des reinen Lammes Kleid

Unter Nacht und Finsternissen

Kan ich Licht im Hertzen wissen.

Laß die Decke meiner Sünden

Die mein Hertz umnebelt hat

Mit der finstern Nacht verschwinden

Segne meine Lagerstatt

Daß ich mit verneuten Sinnen

Morgen kan dein Lob beginnen.