[Dieses Jahr ist auch vollbracht]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Dieses Jahr ist auch vollbracht

Das der Höchste meinem Leben

Hat aus Gnaden zugegeben

Billich wird der Schluß gemacht

Uber Schaden und Gewinn

Und was ich noch schuldig bin.

Wohl dem welcher seine Zeit

Und von Gott gegünnten Segen

Weiß so klüglich anzulegen

Daß er immer ist bereit

Wenn sich das gesezte Ziel

Seiner Rechnung nähern will.

Seele nimm nun in Empfang

Was vorm Jahr ward auffgehoben

Und dir ferner zugeschoben

Leben Nahrung Speiß und Tranck

Zum Beruff erheischte Krafft

Die dir Gottes Gunst verschafft.

Daß die Sonne dich beleucht

Und der Monde dir geschienen

Licht und Erde müssen dienen

Thau und Regen dich befeucht

Schaust du zwar als täglich an

Doch hats Gottes Macht gethan.

Wie viel hat des Krieges Pest

Raub und Sturm und Brand verheeret

Stete Furcht und Angst verzehret!

Deine Hütte steht noch fest

Und du bringst in sichrer Ruh

Deine stillen Tage zu.

Daß der holden Engel-Schaar

Um dein Leib und Hauß geblieben

Daß sie von dir abgetrieben

Feinde Schaden Tods-Gefahr

Bringt dein froher Lob-Gesang

Billich deinem Schöpffer Danck.

Daß die Deinen unversehrt

In das neue Jahr getreten

Und um was du offt gebeten

Von dem Höchsten ist erhört

Schreibst du schuldigst zum Gewinn

Nebst viel andrer Wohlthat hin.

Hielt dicht nicht dein treuer Hirt

In der Weyd' auff grüner Auen

Wo der Lebens-Quell zu schauen?

War er nicht selbst Kost und Wirth

Der dir einen Tisch beschickt

Und die matte Seel erquickt?

Ob was Creutze dich umfieng

Schmertz und Kummer ie besprungen

Bist du doch hindurch gedrungen

Dencke daß es Gott verhieng

Und der Zug der Vater-Hand

Von der Welt dich abgewandt.

Aber ach! wie steht es nun

Seele frag ich billich heute

Auff der andern Rechnungs-Seite

Um dein Dencken um dein Thun

Wie hastu gewendet an

Was dein Gott dir Gutts gethan?

Schlecht wirds um die Rechnung stehn

Wo der scharffe Satzungs-Treiber

Und des Hertzens Gegen-Schreiber

Mit dir für Gerichte gehn;

Treu und Glauben liegen kranck

Bey zerrißner Wechsel-Banck.

Viel ist leider! angewand

Wie ich allzu spät erfahre

Auff verbotne Müntz und Wahre

Glaß für Gold und blinden Sand

Eitles Wesen leeren Schein

Hast du dir gesammlet ein.

Ob der kühnen Hoffnung Schiff

Eine Zeit mit vollem Winde

Durch die blau-Crystallnen Gründe

Nach den Glückes-Insuln lieff

Blieb doch endlich Gutt und Mutt

In der ungetreuen Flutt.

Deine Schuldnerin die Welt

Der du viel Credit gegeben

Will izt selber Wechsel heben

Die sie dir entgegen stellt;

Falscher Freunde bester Danck

Ist Verfolgung Neyd und Zanck.

Wo ist deiner Jugend-Schatz

Und die Anmutt frischer Glieder?

Mißbrauch leget die darnieder

Unmutt hält den leeren Platz

ReueScham und todter Ruhm

Bleiben dir zum Eigenthum.

Hast du auff den Leib gebaut

Dieser hat dich selbst versetzet

Offt zum Schaden angehetzet

Wenn du ihm zu viel getraut

Was er nun nicht zahlen kan

Kömmt auff dich zu gelten an.

Wie viel Gutt ist nicht einmahl

Angeschlagen nachgetragen

Wie vergebens muß ich fragen

Nach der Seiten rechter Zahl?

Manche Lücke mancher Bruch

Mancher Fleck verstellt dein Buch.

Falscher Regel kluge Kunst

Und was Welsche List ersonnen

Oder schlaue Faust gesponnen

Ist umsonst und leerer Dunst

Gottes Augen sehn zu klar

Denen alles offenbar.

Nun bemüh dich unverweilt

Einen Bürgen zu erlangen

Eh dich nimmt der Tod gefangen

Und der Rechts-Zwang übereilt:

Jesus kan für dich allein

Bürge Pfand und Zahlung seyn.

Anstands-Schreiben suchen die

Derer Glaube will zerrinnen

Frist zur Zahlung zu gewinnen;

Folge nach und thu wie sie:

Fünff beströmter Wunden Quell

Ist das beste Quinquennell.

Eisern macht ein Gnaden-Brieff:

Speer und Nägel die durchgraben

Händ und Füß und Seite haben

Woraus Blutt und Wasser lieff

Schreiben dir zur Seelen-Ruh

Sicheres Geleite zu.

Der erlebten Jahre Frist

Zählt sich sieben mahl mit sieben

Aber was dir angeschrieben

Was du Gotte schuldig bist

Steigt viel siebzig sieben mahl

Uber deiner Jahre Zahl.

Dencke sieben Worten nach

Die in allem Kummer laben

Zwey mahl sieben Trost-Buchstaben

Die der Herr am Creutze sprach

Sagt er nicht? Es ist vollbracht

Deine Schuld ist gut gemacht.

Schauest du die Hand-Schrifft nicht

Die durch Satzung dir zu wider

Bey des edlen Heylands Glieder

An dem Creutz mit auffgericht.

Durch sein Purpur-Blutt gelescht

Das dich rein von Sünden wäscht.

Nun die Schulden seyn gestillt

Feind und Kläger müssen schweigen

Weil du kanst die Müntze zeigen

Die für Gottes Throne gilt

Ewig kanst du nun bestehn

Frey und loß und ledig gehn.

Will dich noch der bleiche Tod

Um die lezte Schuld besprechen

Mit dem Leibe voll Gebrechen

Zahlst du ihn in lezter Noth

Hebst nach kurtzer Zeiten Frist

Auff was nimmer sterblich ist.

Aber lerne klüger seyn

Rechne täglich im Gewissen

Mit dir ab: Du kanst nicht wissen

Wenn dein Herr sich findet ein;

Wenn die lezte Stunde schlägt

Und den Handel niederlegt.