Doppeltes Vaterland

By Wilhelm Müller

Written 1810-01-01 - 1810-01-01

An der Elbe Strand

Liegt mein Vaterland,

Lieb's von ganzer Seele.

Aber meine Kehle

Ist zu Haus am Rhein,

Dürstet nur nach Wein.

Wem es Freude schafft,

Trinke Brüderschaft

Mit den kalten Fröschen!

Meinen Durst zu löschen

Hol' ich mir vom Rhein

Lebenswarmen Wein.

Spricht ein kluger Mund

Wein sei nicht gesund,

Ei, so trink' er keinen!

Doch mir will es scheinen:

Der den Geist erfreut,

Thut dem Leib kein Leid.

Mancher Medikus

Trank sich aus dem Fluß

Flüsse in die Glieder.

Wein und frohe Lieder!

Heißt mein Rezipe

Wider jedes Weh.

Und muß einst es sein,

Sterb' ich doch an Wein

Lieber als an Pillen.

Vor dem letzten Willen

Leer' ich erst mein Faß

Bis auf's letzte Glas.