[Dorinde soll ich denn verbrennen]

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Dorinde soll ich denn verbrennen

Und gar zu aschen seyn gemacht

Ich muß dich endlich grausam nennen

Ob schon dein wesen lieblich lacht;

Theils wilst du schönen rosen gleichen

Theils auch den nesseln selbst nicht weichen.

Dein auge will magnetisch heissen

Dein sinn ist gar ein demant-stein

Dein antlitz will vom feuer gleissen

Dein hertze eyß und eisen seyn

Dein blick darff ich dich recht abmahlen

Hegt was von basilisken-strahlen.

Verzeihe wo ich was verbreche

Denn ein verliebter irret leicht

Wo ich zu harte worte spreche

Hat deine härte sie gezeugt;

Erwege selbst ob deine sinnen

Durch einen seuffzer zu gewinnen?

Man schlägt auff einem weichen küssen

Den härtsten feuerstein entzwey

Die perle pfleget zu zerfliessen

Bringt man ihr scharffen eßig bey

Und meiner thränen heisser regen

Kan dich Dorinde nicht bewegen.

Dorinde habe denn erbarmen

Und sey nicht meine mörderin

Was qvält dein schöner grimm mich armen

Der ich bereits ein schatten bin

Verwandle doch dein eiß in flammen

Und schlag mit meiner glut zusammen.

Als göttin will ich dich verehren

Nimm nur mein hertz zum weyrauch an

Und laß das süsse wort mich hören:

Daß man gehaßte lieben kan;

So wirst du recht der sonne gleichen

Die schwärtzen kan und wieder bleichen.