Dorothea und Theophilus

By Ludwig Achim von Arnim

Written 1806-01-01 - 1806-01-01

Gleich wie ein fruchtbarer Regen

Ist der Martyrer Blut,

Und Frucht durch Gottes Segen

Reichlich er bringen thut.

Durchs Kreutz die Kirche dringet

Und wächst ohn Unterlaß,

Durch Tod zum Leben ringet,

Wer herzlich glaubet das.

Aus guter Zucht und Namen

Erschwingt sich gute Art,

Von Gott die Frommen kamen,

Der frommen Kinder wart't.

Ist Dorothea geboren

Von Aeltern keusch und rein,

So geht sie nicht verloren,

Und bleibt sie auch allein.

Die Heyden wollten zwingen

Sie zur Abgötterey,

Dem Feind wollts nicht gelingen,

Christum bekannt sie frey,

Ein Urtheil ward gefället

Verdient hätt sie den Tod,

Ritterlich sie sich stellet,

Und schrie ernstlich zu Gott.

Und Theophil dem Kanzler

Dem jammert die Jungfrau sehr;

Er sprach: O schon dein Leben,

Verlaß die falsche Lehr,

Und frist dein junges Leben!

Drauf Dorothea spricht:

„Ein beßres wird er geben

Und das vergehet nicht.

Zum schönen Paradiese

Komm ich nach meinem Tod,

Daß sie sich Christum wiesen,

Stehn da viel Röslein roth,

Draus wird mir Christ, mein Herre

Machen ein Ehrenkranz,

Der Tod geliebt vielmehre,

Als so ich ging zum Tanz.“

Doch Theophil die Rede

Erklärt für lauter Spott,

Sprach: Liebe Dorothea,

Wenn du bey deinem Gott

Schick mir auch Aepfel und Rosen

Aus Christi Garten schön! –

„Ja, sprach sie, heilge Rosen

Die sollst du wahrlich sehn.“

Das Fräulein war gerichtet,

Da klopft es an sein Haus,

Der helle Morgen lichtet,

Ein Knäblein stehet draus,

Geschwingt mit goldnen Flügeln

Reichts Rosenkörbchen dar,

Verschwindet auf den Hügeln,

Von wo es kommen war.

Und auf den Rosenblättern

Da steht geschrieben klar:

„Mein Christus ist mein Retter,

Und er mir gnädig war,

Ich leb in Freud und Wonne,

In ewger Herrlichkeit!“ –

„Mein Irrthum ist zerronnen!“

Theophilus sagt mit Freud.

Bald fing er an zu preisen

Dich Christus wahren Gott,

Und ließ sich unterweisen

Wohl in des Herrn Gebot,

Hat heilge Tauf empfangen

Und Christum frey bekennt,

Zur Marter ist gegangen

Und mit der Ros verbrennt.