Drey Töchter an den Schatten ihres Vaters.
Vater, ach, wo schwebst du itzt
In dem weiten Raum der Welten?
Wo der Sonne Strahl erblitzt?
Oder, wo in fernen Belten
Sie ihr flammend Antlitz wäscht,
Und den Brand der Wangen löscht?
Schwimmst du in dem Ocean
Jener klaren Himmelferne?
Reisest du die hohe Bahn
Stiller Monden, milder Sterne?
Von dem bleichen Uranus
Bis zum funkelnden Sirius?
Oder ruhst du sanft und schön
In des Paradieses Auen,
Wo die Weste würzig wehn,
Wo die Fluren Nektar thauen,
Wo der Bach melodisch quillt,
Harmonie die Lüfte füllt?
Hast du etwa — o der Lust! —
Dort die Traute wiederfunden,
Und geschmiegt an ihre Brust,
Vom getreuen Arm umwunden,
Horchst du nun in süsser Ruh
Dem Gesang der Sphären zu?
Theurer Vater, gern, ach gern,
Gönnen wir dir deine Freuden.
Dennoch dünkst du uns so fern;
Dennoch schmerzet uns dein Scheiden.
Rastlos schauet unser Blick
Sehnsuchtvoll nach dir zurück.
Wann der goldne Tag uns weckt,
Ächzen wir: „Wo bist du, Vater?“
Wann die heilige Nacht uns deckt,
Seufzen wir: „Schlaf ruhig, Vater!“
In dem sanften Mondenschein
Denken wir mit Wehmuth — dein.
Jedes Wölkchen, licht und schön,
Däucht uns deiner Locken Kräuseln;
Jedes Lüftchens leises Wehn
Dünkt uns deiner Stimme Säuseln;
Jeder Glanz, der uns umwallt,
Dünkt uns deine Lichtgestalt.
O, von deinem Stern herab
Schau auf die verwaisten Töchter!
Freundlich schau' auf uns herab,
Sey uns Schutzgeist, sey uns Wächter,
Auf der Reise durch diess Land
Voller Thränen, Traum und Tand!