Dreyfache Ehren-Krone Fr. A. v. H. g. B. den 10. April 1667.
Die Tugend ist nie bloß und ohne Glantz erschienen
Es hat die alte Welt ihr Kronen zugezehlt
Und Lorbeern die noch heut in Zeiten-Büchern grünen
Weil Tugend ihr ja stets den Ruhm zum Zweck er-
Zwar wie ein freyes Volck in reinen Sitten lebte
Und nicht ein Götzen-Knecht des schnöden Goldes war
Als ein ermuntert Geist nach Helden-Thaten strebte
Und ihm sein eignes Lob sein’ eigne Faust gebahr;
Hat oft ein schlechtes Blat des Siegers Haupt bekräntzet;
Rom theilte frisches
In welchem Ehrenschmuck sein Bürger mehr gegläntzet
Als der so Perlen sucht itzt bey der Sonnen Hauß.
Minerva hat darumb den Oelzweig selbst gesetzet
Damit ihr jährlich Fest bekrönet konte seyn;
Die Eiche Jupiter zu Kronen werth geschätzet.
Jm grünen Myrtenschmuck stellt sich die Venus ein.
Der Heyden Priester ward belaubt mit Blum und Blättern
Und ihm das Opffer Vieh in Kräntzen zugeführt
Und wenn die Käyser selbst sich wolten recht vergöttern
Hat ihr geweyhtes Haupt der Lorbeer-strauß geziert.
Der Zeiten Unschuld blieb in solchen guten Schrancken
Biß daß die Uppigkeit die Oberhand gewan:
Dann fieng der Väter Witz und Tugend an zukrancken
Als ein gantz Morgenland zu Kleidern Seide span.
Augustus ließ zu erst die goldnen Kronen blicken
Und seine Herrlichkeit im höchsten Purpur sehn
Drauf hat was Ost und West von Steinen können schicken
Deß Phrygers kluge Hand auf Kronen müssen nehn.
Biß der Tyrannen Stoltz und Hochmuth so gestiegen
Daß ihre Scheitel stets von Demant trächtig stand
Daß Strahlen umb ihr Haupt wie Sonnen musten fliegen
Und diese Raserey verzehrt ein gantzes Land.
Es war das Capitol ein Schauplatz solcher Schätze
So von dem Kronen-Gold verschwendrisch beygelegt
Biß daß Vespasian entweyhte die Gesetze
Und hat das Heiligthum durch Müntzen umbgeprägt.
Zwar Kronen bleiben noch der Majestäten Zeichen
Und Spiegel welche recht die Hoheit stellen für;
Sie sind Kleinodien bey den beglückten Reichen
Der Throne Morgenröth und aller Zepter Zier.
Hingegen sind sie auch ein Gauckelspiel der Zeiten
Ein Ziel worauf das Glück die schärffsten Augen hat:
Wenn sie von auffen Pracht und Herrlichkeit begleiten
So hält inwendig Angst und Noth die Hofestadt.
Und ferner drücken sie nicht immer kluge Haare
Die Statsucht kieset oft für Weise Thoren auß
Ja wann mans recht bedenckt so ists geborgte Waare
Ein Schimmer der verfällt in Asche Staub und Grauß.
So viel Rubinen da in ihrem Umbkreiß brennen
So viel vergossen Blut befleckt den lichten Schein
Die blancken Schwerdter gibt der Tiamant zu kennen
Es muß der Chrysolith offt gifftig Schirling seyn.
Wir sehen im Sapphir den blauen Neid sich regen
Granaten machet ihm der Zorn zu Waffen recht
Der liebliche Smaragd wird die Verstellung hegen
Ein färbichter Opal zeigt Gnad und Gunst geschwächt.
Der Rest vom Zierath ist ein Band geflochtner Hecken
Wo Sorgen-Dörner stehn und Kummer-Nesseln blühn.
Den Glantz bezwingt die Zeit die Würde banges Schrecken
In einem Augenblick ist Kron und Zepter hin.
Verkehrte Sterblichen! Kommt zeiget eure Griechen
Die Spiel- und Rennebahn von tausend Kronen reich.
Sind ihre Kräntze nicht als wie ihr Leib verblichen
Und schätzte sich Athen auch schon den Göttern gleich?
Stellt doch die Römer dar; vom Blitz der Edelsteine
Von Perlen derer Werth offt fette Länder fraß
Vom Purpur und Scarlat vom zärtsten Helffenbeine
Blieb nichts: Alt Rom ist selbst nur ein berühmtes Aaß.
Ach weit in schönrem Schmuck und weit in schönrer Krone
Die selbst die Ewigkeit zusammen hat gesetzt.
Prangt itzt der Frauen Ruhm die seelige Matrone
Die keiner Zeiten Sturm noch Zufall mehr verletzt.
Es heischt es Schuld und Pflicht das werthe Grab zu krönen
Diß sag ich: Blumen sind hier ein ohnmächtig Werck;
Wo etwas ewiges mir gönnen die Camenen
Wo ich nicht Frembdling bin in jenem Musen-Berg
So solte freylich hier die Pieris nicht schweigen
Wiewol die Tugend will und mag die Schmincke nicht
Sie kan sich wesentlich durch schöne Wercke zeigen
Ist selbst ihr Redener und auch zugleich ihr Liecht.
Es hat die Seelige untadelhafft gelebet
Der Ahnen graues Lob durch ihres grün gemacht
Dem Guten nachgefolgt dem Bösen wieder strebet
Und allzeit mit Vernunfft der Sachen Zweck bedacht.
Drey Kronen zieren hier und dort ihr Angedencken
Zur ersten webte bald die Keuschheit seidnen Schnee.
Die folgende wolt ihr der Himmel selber schencken
In dem er sie bekrönt mit einer edlen Eh.
Der letzte Sieges-Krantz ist reich an seltnen Zierden
Weil nichts Verweßliches ihn zugeschlossen hat.
Der herrliche Triumph von irrdischen Begierden
Flicht jetzt umb beyde Schläff ein ewig grünes Blat.
Drey Söhne lassen mich noch nicht verstummet werden
Wiewol mein todtes Wort nicht ihren Ruhm verklärt.
Der Mutter Augen-Trost und höchste Freud auf Erden
Ward ihr durch derer Mund und Gegenwart gewehrt.
Cornelia schleust recht: Die nicht gehäuffte Schätze
Gold Ring und Edelstein ihr bestes Kleinod heist.
Gezogne Söhne sehn Liebhaber der Gesetze
Verursacht daß ihr Hertz in Freuden sich ergeust.
Es schien der Seeligen ihr Ehschatz nicht verlohren
Nach dem sich auch ihr Sohn auf gleichen Staffeln fand
Mit jener Römerin hat sie den Schluß erkohren
Daß sie der Söhne Glück nennt ihren Ehren-Stand.
Bestürtzte der Verlust ist unschwer zuermessen
Der Mutter Leiche kan nicht sonder Thränen seyn.
Ich weiß daß dieses Leid muß grimmig umb sich fressen
Und reist ein gutes Theil von eurem Vorsatz ein.
Jedoch weil sie den Lauff in Tugenden vollendet
Und ihre Bahre krönt ein ewiges Gerücht
Weil ihr die Ewigkeit die Palmen zugewendet
So saget die Vernunfft zwey Wörter: