[Du angenehmer Häyn voll stiller Einsamkeiten]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Du angenehmer Häyn voll stiller Einsamkeiten

Wie süß und lieblich bist du mir!

Was mein betrübter Mund verschweigen muß bey Leuten

Das bringt er ohne Scheu den stummen Bäumen für.

Ein andrer sey bemüht zu bergen seine Plagen

Verschliesse schweigend seine Zeit;

Ich werde dir hinfort mit heller Stimme sagen

Was meinen Geist versenckt in schweres Hertzeleid.

Die Kinder leichter Lufft so um die Bäume stecken

Wenn ich beginn ein Trauer-Lied

Verändern ihren Schall alsbald auff deinen Hecken

Seyn zu beklagen mich durch gleichen Thon bemüht.

Der heisre Widerhall in deinen Wüsteneyen

Verdoppelt seinen Leid-Gesang

Nicht daß er seine Lieb und Schmertzen will beschreyen

Nur daß er meine Klag und Seufftzer mache lang.

Die Bäche welche sonst in ihrer Ordnung fliessen

Durch das begrünte Blumen-Feld

Die sieht man von sich selbst die Wiesen übergiessen

Als wären sie von mir mit Thränen auffgeschwellt.

Der Eichen fester Stamm die Last der harten Steine

Bewegt durch meine Pein und Qual

Zerreist in Stück und springt in Drümmer wenn ich weine

Zum Zeichen daß sie mich beklagen allzumahl.

Drum angenehmer Wald du Trotz der rauhen Winde

Wie süß und lieblich bist du mir!

Dieweil ich überall bey dir Erbarmen finde

So leg ich iederzeit mein Seufftzen ab bey dir.