[Du Sünden-truncknes Hertz]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Du Sünden-truncknes Hertz begieb die faule Ruh

Laß dir den matten Schlaf die Augen nicht verbinden

Und bringe diese Nacht mit strengem Wachen zu

Wie dein Erlöser ließ sich dir zum besten finden.

Erwege durchs Gebet zur Andacht wohl bereit

Was dir in dieser Nacht zu Nutze sey geschehen

Wer an dem Creutz um was und wem zu gutt er leyd

So wird man eh den Tag am hellen Himmel sehen

Als alles wird von dir genungsam seyn bedacht,

Mein Eyfer treibet mich diß danckbar zu erwegen

In heisser Andachts-Brunst zu feyern diese Nacht

Mein schecht Vermögen will die Feder niederlegen

Und hemmt der Reime Lauff: Du ungeschaffnes Licht,

Erleuchte meinen Geist entzünde meine Sinnen

Daß was ich schreibe dir zu Ehren sey gericht

Und schau das Hertze wenn die Hand nicht mehr wird künnen.

Man sieht zum dritten mahl des Monden vollen Schein

Bey dunckel-brauner Nacht am Himmels-Saale prangen

Die Sonne findet sich ins vierdte Zeichen ein

Zeit dem der Morgen-Stern aus Jacob auffgegangen

Zeit dem der Weisen Schaar durch einen Stern geführt

Den König aller Welt verehrt in Stall und Krippen

Zeit dem ich lassen seyn durch Gottes Geist gerührt

Den Mensch-gewordnen Gott das Lob-Spiel meiner Lippen.

Izt seh ich wie der Mond am Himmel sich verkreucht

Der Sternen blasses Heer in Wolcken sich verstecket

Der Fackeln schwartzes Pech die trübe Nacht erleucht

Die solche Frevelthat mit ihrem Schatten decket.

Diß tunckel-bleiche Licht führt meine Augen hin

Wo ich den Heyland seh für meine Sünde büssen

Macht daß ich gantz in mir und ausser mir doch bin.

Daß Thränen ohne Zahl aus meinen Augen flüssen

Daß sein und meine Noth mir durch die Seele dringt

O traurens-volle Nacht o Nacht voll Angst und Schrecken

Die unser sündlich Hertz in Furcht und Zagen zwingt

Und diß was steinern ist zur Andacht kan erwecken!

Was seh ich armer Mensch? Der Sünden schwere Last

Den Menschen abgeborgt macht meinen Jesus schwitzen

Der Himmel Erd und See mit seinen Händen fast

Der ewig könt in Ruh auff seinem Throne sitzen;

Was seh ich armer Mensch? Das unbefleckte Blutt

Rinnt von den Wangen ab die voller Unschuld blühen

Man sieht den edlen Thau die heilge Purpur-Flutt

Die Erde welche nicht der Füsse werth durchziehen.

Der das Saphirne Feld das bund-beblümte Land

Die blaulichet-grüne See geschaffen und bemahlet

Mahlt seiner Schmertzen Bild izt in den gelben Sand

Drauß seine Seelen-Angst und Liebe wiederstrahlet.

Die Brunnquell alles Trosts der edle Lebens-Fluß

Durch Gottes Zorn erschöpfft schöpfft Trost von einem Engel

Dem Herren welchem Tod und Leben dienen muß

Ersetzet izt ein Knecht der todten Kräffte Mängel.

Der dem sonst alle Welt die Knie in Demutt beugt

Der sich durch unsre Bitt und Thränen läst versöhnen

Hat zu der Erden hin sein mattes Haubt geneigt

Sucht seines Vaters Zorn vergebens abzulehnen

Der bittre Creutzes-Kelch muß ausgetruncken seyn

Es wäre Schlaffens-Zeit die Nacht ist eingetreten

Nebst seinen Feinden wacht mein Jesus nur allein

Und sorgt vor unsre Ruh mit Wachen Seuffzen Beten.

Des Himmels grosser Fürst dem aller Engel Schaar

Zu Dienste steht läst sich drey Jünger nur begleiten

Bey denen lauter Schlaf und wenig Leben war

Die ihn mit Todes-Angst alleine lassen streiten.

Ein trübes Wolcken-Dach verbirgt des Monden Licht

Der hellen Augen Glantz benebeln Schmertz und Sorgen

Der Himmels-Lichter Schein verräth den Schäffer nicht

Drum muß das blinde Volck bey Pech und Schwefel borgen

Das ungewisse Licht der rechte Friedens-Fürst

Der ohnbewaffnet war in Garten ausgegangen

Wird von der Schaar die so nach seinem Blutte dürst

Gesucht mit Dolch und Schwerd mit Spissen und mit Stangen

Wiewohl sie auff ein Wort zur Erde sincken muß.

Das Friedens-Zeichen muß zur Krieges-Losung dienen

Die wahre Liebe wird durch falschen Liebes-Kuß

Den Feinden Preiß gemacht. Sie dürffen sich erkühnen

Den Arm der uns so viel zum besten hat gethan

Auff dem der Welt-Kreiß ruht mit Stricken zu bewinden

Die Sünden-schwartze Faust fast dessen Unschuld an

Der uns ohn einge Schuld von Schulden will entbinden.

Der König aller Welt der zu der lezten Zeit

Wird durch gerechten Spruch der Menschen Wandel richten

Muß vor den Richter-Stul verbannter Billigkeit

Hört an was wider ihn die falschen Zeugen tichten

Darff nicht wie dennoch steht dem Ubelthäter frey

Dargegen einig Wort mit sichrem Munde führen

Und wenn er frey bekennt was seines Amtes sey

So muß ein harter Streich die zarten Backen rühren

Damit ein stoltzer Knecht aus frechem Ubermutt

Des Herren Rede strafft. Der Mann gerechter Sinnen

Dem keine Falschheit ie befleckt das reine Blutt

Wird biß ins vierdte mahl der Richter Falschheit innen

Und ist ein Gauckel-Spiel der Ungerechtigkeit.

Was nicht der Juden Grimm und Boßheit kan vollenden

Was sie ihm nicht gethan vor Quaal und Hertzeleid

Das überlassen sie der Heyden frechen Händen.

Ach sehet welch ein Mensch! durch Gifft gefüllten Mund

Verspeyt die Krieges-Schaar sein holdreich Angesichte

Sie macht die linde Haut mit rauhen Nägeln wund

Den Sanfftmutt vollen Sinn mit scharffem Hohn-Gedichte.

Ach sehet welch ein Mensch! das edle Fürsten-Haubt

Um welches Sonn und Mond in vollem Scheine gläntzen

Dem aller Sternen Heer zur Krone sind erlaubt

Muß ein geschränckter Zweig von Dornen izt bekräntzen

Die Edelsteine sind das ausgezwängte Blutt

Mit dem o Hertzeleid! der Könge König pranget

O Häubter voller Wind? bedencket was ihr thut

Wenn ihr nach theurem Gold und weichen Rosen langet

Zu krönen euer Haubt den Sitz der Eitelkeit

Seht unsers Haubtes Haubt führt andere Rubinen

Ihn sticht der harte Dorn wenn euch zu Pracht und Freud

Das linde Wurm-Gespinst und zarte Blätter dienen.

Der Hertzog welchen nicht nach Würden kleiden kan

Der Sonnen strahlend Gold des Monden Silberstücke

Legt ein zurissen Kleid voll Staub und Motten an

Daß uns der seidne Rock der reinen Unschuld schmücke.

Den reichen Königs-Stab vertritt ein armes Rohr.

Der Buben Schaar die ihn zu martern ist beflissen

Muß wider Willen auch die Warheit bringen vor

Indem sie ihn zur Schmach als Herr und König grüssen.

Ach sehet welch ein Mensch dort angebunden steht!

Seht wie der heilge Leib mit Ruthen wird zerhauen

Seht wie das milde Blutt aus allen Adern geht!

Man kan des Todes Bild auff seinem Rücken schauen

Doch leucht die Liebe vor die ihn darzu gebracht.

Unselig bist du Mensch du Ursach dieser Plagen

Doch selig wo du klug durch fremde Pein gemacht

Nicht weiter Ruthen wirst auff deine Schultern tragen.

Wofern du nach Gebühr diß unbefleckte Blutt

Mit Thränen wäschest ab von deines Jesu Rücken

Und in dein Hertze senckst so wird es dir zu gutt

In Tods- und Höllen-Angst die matte Seel erquicken.

Ach sehet welch ein Mensch! Es kan auch seine Pein

Der harte Richter selbst nicht unbewegt betrachten

Er sagt: Seht welch ein Mensch! kein Mensch vielmehr ein Schein

Siehstu o Juden-Land nun deinen König schmachten?

Die Besem brechen ab! die Riemen gehn entzwey

Der Hencker Grausamkeit sieht man ihr Ziel erreichen

Lästu nicht deinen Grimm nunmehr auch gehn vorbey?

Ach! möchte dieses Bild doch einen Stein erweichen

Ob dem die Erde seuffzt der Himmel sich entsezt

Der Juden hartes Hertz ist doch nicht zu bezwingen

Und ob Pilatus gleich mit Wasser sich benezt

Und dräuet alle Schuld allein auff sie zu bringen

So ruhen sie doch nicht biß er ein Urtheil giebt

Er soll nach eurem Wunsch als Ubelthäter sterben

Wiewohl er nichts vorher des Todes werth verübt

So muß der Lebens-Herr als wie ein Knecht verderben.

Es kan kaum vor sich selbst der abgematte Fuß

Die unbeholffne Last der schwachen Glieder tragen

Der dennoch über diß sein Creutze schleppen muß.

Es werden Fuß und Hand mit Nägeln angeschlagen

Die aller Welt hinfort des Himmels Schlüssel seyn

Zwey Mörder werden ihm gestellet an die Seiten

Der Herr dem auff ein Wort giebt Wasser Stein und Bein

Der unsre Seelen kan zum Lebens-Brunnen leiten

Klagt über schweren Durst sein honigsüsser Mund

Ist brennend vor Begier nach unserm Heyl und Leben

Macht solche seine Noth mit lautem Ruffen kund

Bald wird ihm bittre Gall und Eßig hingegeben

Zu mehren seine Pein. Ach Sünder! tritt herbey

Dem schnöde Trunckenheit so zu belieben pfleget

Sieh wie dein Jesus hier vor Liebe truncken sey

Und wie er solchen Durst nach deiner Seelen träget

Schaustu ihn dürstende mit trocknen Augen an

Und tränckst sein Hertze nicht mit heisser Busse Thränen

So glaub ich nicht daß ie dein Auge weinen kan

Und daß dein Hertze sich nach eignem Heyl kan sehnen.

Man spottet seiner Angst man lachet seiner Schmertzen

Biß ihm der blasse Tod die matten Augen bricht.

Man bahnt noch einen Weg durch Spieß und Stahl zum Hertzen

Das schon der schwere Tod des Creutzes hingericht

Draus kommet eine Bach von Blutt und Flutt geronnen.

Die Erd' entsetzet sich der Himmel hüllt sich ein

Die Sonne stirbet mit der ungeschaffnen Sonnen

Des schwartzen Tages Nacht will eine Decke seyn

Der grossen Ubelthat die harten Felsen brechen

Die Gräber springen auff die Todten gehn hervor

Weil Simson ausgesezt der Schlangen Macht zu schwächen

Auff seine Schultern hebt der Höllen festes Thor.

Das Leben Israels wird in die Grufft gesencket

Ein enges Grab beschleust den Herren aller Welt

Mein Hertz entsetzet sich wenns diesen Tod bedencket

Die Hand verstarrt der Mund verstummt der Kiel entfällt.

Ach last uns Wang und Brust mit Thränen übergiessen

Weil Gottes liebster Sohn stirbt und nicht schuldig ist.

Last Thränen ohne Maß aus unsern Augen fliessen

Weil Gottes Liebster Sohn für unsre Schulden büst.

Nicht Jud und Heyde nur hilfft ihn ans Creutze schlagen

Nicht Jud und Heyde nur bringt ihn in Noth und Spott

Wir Sünder alle seyn der Ursprung seiner Plagen

Und unsre Missethat verursacht seinen Tod;

Zerfleischet nicht die Haut die Geisseln sind zu linde

Die Riemen sind zu schwach zu büssen solche That

Zureist und reiniget die Hertzen von der Sünde

Die Jesum ohne Schuld ans Creutz gehefftet hat.

Erweichet euren Geist zerknirschet eure Sinnen

Fühlt wahre Seelen-Angst tragt ernste Reu und Leyd

Ihr werdet dennoch nicht genung betrauren künnen

Daß ihr gecreutzigt habt den Herrn der Herrligkeit.

Doch aber müst ihr nicht in solcher Angst verzagen

Des Herren Jesu Tod soll euer Leben seyn

Er hat des Vatern Zorn der Höllen Angst getragen

Und führt euch frey davon in Himmel selig ein.

Schaut mit Verwunderung wie euch der Höchste liebet

Und last euch solche Brunst zur Liebe treiben an

Gebt eure Hertzen dem der euch das seine giebet

Indem er als sich selbst nichts Edlers geben kan.

Last eure Andachts-Glutt durch seine Flamm entzünden

Schwizt Thränen wenn das Blutt aus seinen Wunden fleust

Und wenn eur Lebens-Oel will in dem Tode schwinden

Befehlet wie er that dem Vater euren Geist.