Durchwachte Nacht.
Es sank die Sonne glüh und schön,
Und aus versengter Welle dann
Wie rauchte nicht das Nebelmeer
Die sternenlose Nacht heran! —
Ich höre ferne Schritte geh’n, —
Die Uhr schlägt zehn.
Noch ist nicht alles Leben eingenickt,
Der Schlafgemächer letzte Angeln knarren;
Vorsichtig in der Rinne Bauch gedrückt,
Schlüpft noch der Iltis an des Giebels Sparren;
Matt bin ich, möchte träumen nur; —
Eilf schlägt die Uhr.
Ob mir das Blut so siedend fliegt?
Mich dünkt, ich hör’ der Sphären Summen, —
Ein Schweigen, dem das Ohr erliegt,
Dann wieder fernes, dumpfes Brummen;
Doch horch! des Thurmes Glocke wacht; —
’s ist Mitternacht.
Und bange, gleich verhaltnem Weinen, steigt
Ein langer Klageton aus den Syringen;
O Nachtigall! ob Thal und Höhe schweigt,
Das Dunkel legt verrätherische Schlingen;
Ein Käuzlein wacht im Blätterschmuck des Hains; —
Die Uhr schlägt Eins.
Jetzt möcht ich schlafen, schlafen gleich,
Entschlafen unter Mondeshauch,
Umspielt vom flüsternden Gezweig,
Im Blute Funken, Funk’ im Strauch,
Und mir im Ohre Melodey; —
Die Uhr schlägt Zwei.
Wie bin ich aufgeschreckt; o Jugendbild,
Du bist dahin, zerflossen mit dem Dunkel!
Die unerfreulich graue Dämmrung quillt,
Im Walde irrt ein ängstliches Gemunkel;
Doch horch, des Hahnes erster Schrei! —
Die Uhr schlägt Drei.
Und wieder ruft der Hahn auf’s Neu;
Am Sims die Schwalbe gibt sich kund,
Der Tauben Schwärme kreisen scheu
Und taumelnd in des Hofes Rund;
Und drunten knarrt des Stalles Thür; —
Die Uhr schlägt Vier.
Da flammt’s in Osten auf, gleich Lavagluth
Die Sonne steigt, und mit den ersten Strahlen
In Wald und Feldern strömt Gesanges Fluth,
Das Leben quillt aus schäumenden Pokalen;
Und wie ein Gletscher sinkt der Träume Land
Zerrinnend in des Horizontes Brand.