E ine Ecloga nach F rantzöischer Invention.

By Christian Friedrich Hunold

Betrübte Wüsteney! Doch wo der frohe Schatten

Den Schmertzen des Gemüths ein lindes-Pflaster giebt.

Vergönne mir die Ruh du kömst mir bloß zu statten

Denn was mich sonst ergötzt das macht mich nun betrübt.

Mein schönster Schäffer hat die schöne Flur verlassen

Wo kan zu meiner Lust noch eine Myrthe stehn?

Ach mein verlaßnes Hertz muß Feld und Auen hassen

Und wil dargegen nur in öde Wildniß gehn.

Doch nichts sol zwischen uns das Band der Liebe scheiden

In meiner Brust zerfällt der Felß der Treue nicht.

Deswegen ist sein Schluß ich wil Gesellschafft meiden

Mein Auge fliehet auch so gar das Sonnen-Licht.

Denn so viel Blätter sind an Bäumen nicht zu finden

Als man von Untreu wohl in unsern Hütten hört.

Man mag gleich tausendmahl durch Schwüre sich verbinden

Ein neuer Blick und Küß macht Lieb' und Gunst verkehrt.

So hört ich diese Wort die Selimene führen

So schmertzlich klagte sie den Bäumen ihre Noth

Hier dacht' ich hier ist Treu die rechte Treu zu spühren

Acanthens Liebe trotzt in ihr auch selbst den Tod.

Mein Hertz mein traurig Hertz das ohne Falschheit liebet

Streicht alles Ungemach und allen Kummer hin:

Gnug daß mich stets ergötzt was mich doch stets betrübet:

So redte mit sich selbst die treue Schäfferin.

Doch offt erholten sich die Seufftzer ihrer Schmertzen

Ach! sprach sie harter Schluß den die Entfernung macht.

Furcht Hoffnung Ungedult bestürmen mich in Hertzen

Das heitre Tages-Licht wird mir zur schwartzen Nacht.

Ach Unmuth Mattigkeit! Ach Sorgen Angst und Qvälen!

Verlassen mich wol nicht da ich verlassen bin.

Wie lange fässelt ihr die matte Krafft der Seelen?

Viel lieber reißt mich todt zu meinen Leben hin.

Doch Selimene hemmt ermüdet ihre Klagen

Sie stopfft die Seufftzer zu sie stellt den Kummer ein

Ja wenn auch Thyrsis wil die süsse Laute schlagen

So kan ein Schäffer-Lied ihr nicht zu wider seyn.

Er heuchelt ihrer Noth er schmeichelt ihren Schmertzen

Und sagt ihr diß und das von ihren Schäffer vor.

Er schickt sich in die Zeit er weiß galant zu schertzen

Und Selimene giebt ihm ein geneigtes Ohr.

Aus seinen Augen blitzt die Flamme seiner Liebe

Und jede Mine weist sein Hertze sey entbrandt;

Doch Selimene merckt das Absehn seiner Triebe

Und was sein Schmeicheln will ist ihr nicht unbekandt.

Sie will die Menschen fliehn und kan den Thyrsis leiden

Da seine Gegenwart ihr nicht zu wieder fält

So hegt sein schlaues Hertz viel Millionen Freuden

Und hofft daß sich zuletzt das schöne Ziel erhält.

Mit tausend Diensten kan er seine Pflicht bezeugen

Und stellet den Besuch fast keine Stunden ein

In Bitten ist er stum beredt in Stilleschweigen

Doch gleichwol alles muß der Liebe Sprache seyn

Zwar offtmahls wil es nicht bey stummen Worten bleiben

Es scheint daß auch der Mund das Seine müsse thun

Denn da das Auge sol die Leidenschafft beschreiben

So dencken auch zugleich die Lippen nicht zu ruhn.

Ein jeder Blick nach ihr muß seine Pein bewähren

Die freye Lebens-Art stellt alle Freyheit ein

Die gantze Stellung spricht er sol sich nur erklären

Und seine Farbe wil selbst sein Verräther seyn.

Was die Verwirrung heist was solche Blicke sagen

Sieht Selimene wol es ist ihr noch bekant

Daß auch Acanthe so sein Leiden vorgetragen

Als er durch ihre Glut in Liebe ward entb

Die Wangen werden roth. Sie schlägt die Augen nieder

Die Scham verschliest den Mund daß keines reden kan.

Inzwischen spielen doch die Blicke hin und wieder

Und Thyrsis sieht genau so Blick als Minen an.

Er merckt die Heimlichkeit des Hertzens in den Augen

Wie da ein schöner Gram und süsses Sehnen steckt

Was? spricht er mein Verzug kan nun nicht länger taugen

Und hat ihr gleich darauff sein Leyden frey entdeckt.

Ach Thyrsis war zu schön. Was? Thyrsis war zugegen

Und was noch mehr geredt Acanthe war nicht da.

Man sahe Mund auff Mund und Brust auff Brüste legen

Und eine Liebe kam der andern Liebe nah.

Hier wo der Silber-Strohm in kühlen Büschen rauschet

Wo mich die Einsamkeit mit güldnen Schatten nehrt

Hab' ich das schöne Paar in ihrer Brunst erlauschet

Mein Auge hats gesehn mein Ohre hats gehört.

Die Glieder beben noch als ich da muste schauen

Wie geiler Wanckelmuth so Treu als Liebe bricht.

Sol man auff keinen Kuß auff keine Schwüre bauen?

Besteht kein Liebes-Pfand durch die Entfernung nicht?

Ach unglückselger Tag! Von diesen Augenblicke

Frist sich

ab.

Die Treu erstirbt vielleicht durch gleiches Ungelücke

Die Treu womit sich mir mein treuer Schäffer gab.

Mein Schäffer der entfernt wer wil mir Bürge werden

Daß mein beständig Hertz sein Hertz beständig na

Die Liebe scheint so leicht in Creyse frembder Erden

Als ihr vergnügter Schein in unsern Auen lacht.

Ach welches Hertz bereits zur Untreu ist gebohren

Das fesselt nimmermehr die treuste Liebe nicht.

Die Seele welche sich den Unbestand erkohren

Schliest so den Liebes-Bund daß sie ihn wieder bricht.

Doch sol mein Schäffer ja von frembden Flammen bren-

nen

So wil ich lieber todt als unverändert seyn.

Mein Hertze wird ihn nicht von Hertzen hassen können

Die Seele prägt sein Bild sich unausleschlich ein.

Wiewol was sol ich mich mit Furcht und Kummer qvä-

len?

Ist das nicht Qvaal genug daß er entfernet ist?

Fort grausamer Verdacht! fort Argwohn aus der Seelen!

Fort weil du meiner Ruh ein Stein und Anstoß bist.

Kom angenehme Lust kom mahle mir die Stunden

Mit süssen Zügen vor und sag es noch einmahl

Wie sich mein Schäffer mir auff ewig hat verbunden.

Und wie sein schöner Mund mein treues Hertze stahl.

Entwirff mir die Manier wie er sich angestellet

Da der betrübte Tag des harten Scheidens kam

Und wie die Thränen sich den Seufftzern zugesellet

Als noch der letzte Kuß den letzten Abschied nahm.

Mein Schäffer liebet mich ich wil ihn wieder lieben

Die Liebe machet uns von aller Schincke frey

Und hat diß Losungs-Wort in unser Hertz geschrieben:

Wie in der Nähe-Lieb so in der Ferne Treu.