E ines F rauenzimmers an ei- nen Cavallier.

By Christian Friedrich Hunold

Schan Thränen Dint und Blut in dieser Schrift vermengt

Mon cœur‚ ich schreibe dir mit mehr als tausend plagen

Mein trauren hat mich fast zur finstern Grufft gesenckt

Und ach! Du zwingest mich zu lauter Schmertzens klagen.

Der Hencker meiner Ruh' ist nur dein Unbestand

Der Ursprung meiner Qvaal rührt von getreuer Liebe.

Dein Hertz verbande sich zu meinen Unterpfand

Ach das es solches auch in Ewigkeit verbliebe!

Du weist wohl welche Kunst mich in dein Netz geführt

Wie deine Schmeicheley mir pflegte liebzukosen:

Und wie scheinbares Gold dein gantzes thun geziert.

Die Hoffnung zeigte mir die angenehmsten Rosen.

Die Treue gründete sich auff den theursten Eyd;

Die Geister solten dich in tausend Stücken reisen

Bekrönete dich nicht Treu und Beständigkeit

So solte man dich nicht bey deinen Nahmen heissen.

Worauf ein Cavallier doch sonsten sehr viel hält

Das schlägst du nun in Wind - - Jedoch vergib den Zeilen

Wenn Wemuth Schmertz und Grimm sie zu Papiere stellt

Denn solche Wunden sind nicht durch Gedult zu heilen

Vielleicht daß üm mein Grab gar bald Cypressen steh'n:

Ach sollen die der Lust versprochne Myrthen heissen!

Vielleicht muß ich den Tod in meinen Armen seh'n:

Soll mich mein Bräutigam mit fauler Erde speisen?

Ist meiner Haare Schmuck vor Perlen Staub und Grauß?

Scheint mir mein Sonnen-Licht in Jammer-vollen Schatten?

Ist Hymens Freuden-Schloß ein Düstres Würmer-

Hauß

Wo Schlangen sich vor dir mit meinen Lippen-Gatten?

Ach! heisset Angst und Schmertz die süsse Manna-Kost?

Soll meiner Thränen-Saltz mir Hochzeit-Nectar messen?

Zerfliesset nun mein Blut in Muscateller-Most?

Ist Amors Taffel-Lust sein eignes Hertze fressen?

Ach siehe Grausamer! wie mich der herbe Schmertz

Zur ärgsten Folter-Banck und tausend Martern führet!

Ach schau' in Blute schwimmt dein vorgeliebtes Hertz!

Wie daß die Wehmuth dir nicht deine Seele rühret!

Ist deine Brust noch mehr als harter Felsen Art

Daß meine Thränen-Flut sie gar nicht kan erweichen?

Es lässt kein Tygerthür kein wilder Leopart

Was ihm

Ich flehe dich mein Schatz üm jene Stunden an

Wo Lust und Lieblichkeit uns tausendfach ergetzet

Als ich dein Himmel war ach dencke noch daran

Wie du die gantze Welt vor mir als nichts geschätzet.

Ich bitte dich mein Kind noch um die erste Zeit

Da deine Liebe noch zu meinen Füssen kniete.

Erinnre dich alda der grossen Zärtlichkeit

Und wie dein Hertze sich üm meine Gunst bemüthe.

Ach war ein eintz'ger Kuß zuvor dein Himmelreich:

Und woltest du vor Lust auff meinen Lippen sterben:

War meiner Augenblick bey dir der Sonnen gleich:

Und solte Venus selbst vor meiner Pracht verderben:

So lasse mich nun auch kein Ziel des Hasses seyn

Und sehe noch einmahl auff meine Brust und Wangen;

Die Treue lieffert dir noch alles dieses ein

Worauff dein süsser Wunsch und Sehnsucht ist gegangen.

Ach so verstosse mich mein wehrter Engel nicht

Und lasse meinen Ruhm die Neider nicht verletzen:

Die reinste Jungfer auch der man die Treue bricht

Wird doch die blinde Welt vor halbe Wittwe schätzen.

Nun Unvergleichlicher ich schliesse dieses Blat

Doch meine Hoffnung nicht dich endlich zu erweichen:

Die Lippen die dein Mund zuvor geküsset hat

Der Purpur den der Schmertz nunmehro heist erbleichen.

Mein Auge welches stets in heissen Thränen schwimmt:

Die Wangen die mein Leid mit Liljen überspinnet:

Das Hertze so nach dir von tausend Seufftzern glimmt:

Der Brüste reiner Schnee der durch die Quaal zerrinnet:

Ja mein getreues Blut das auff dem Blate klebt;

Mein gantzes Ich das dir auff ewig bleibt ergeben;

Mein Geist der itzt gequält üm deine Lippen schwebt:

Die flehen noch zuletz: Erbarme dich mein Leben!