E r ist unglückselig.

By Christian Friedrich Hunold

Annehmlichste der Zeit! Wie lange hat mein Hertze

Aus Ehrerbiethung dich mit Seufftzern nur verehrt?

Wie lange brennet nun der Augen Liebes-Kertze

Eh' auch der Flammen Brand aus meinen Munde fährt?

Doch endlich muß das Hertz aus tausend Schmertzen sprechen

Und den Granaten gleich durch viele Kernen brechen.

Ich hätte meine Qvaal mit Aschen zugedecket

Mein klagen käme nun zu deinen Ohren nicht

Wenn deine Lieblichkeit nicht meine Glut erwecket

Daß sie mit voller Macht nun in die Flammen bricht.

Ein Hertz und Aetna muß offt stilles Feuer hegen

Nur daß sich einst die Wuth soll desto mehr erregen.

Ich brenne schönstes Kind jedoch in keuschen Flammen

In Flammen deren Ruß den edlen Ruhm nicht schwärtzt:

Durch Feuer das allein muß von dem Himmel stammen

Womit der Sternen Gluth in reinen Wesen schertzt.

Ja deinen Tugenden und sittsamsten Geberden

Muß mein getreues Hertz zum Opffer Heerde werden.

Die Gartien so dir um deine Lippen schweben

Und die Holdseeligkeit damit dein Auge strahlt

Weiß kein beredter Mund genugsam zu erheben

Kein Pinsel ist der dich nach deiner Würde mahlt;

Doch muß nun alle Kunst bey deiner Pracht verschwinden

So schau in meine Brust du wirst dein Bildniß sinden.

Hier hat die Ewigkeit ihm den Altar geweihet

Und deine Schönheit giest stets Oehl in meinen Brand.

Was aber hilfft ein Schatz den uns ein Traum verleihet?

Was sehn ich mich umsonst nach den gelobten Land?

Ach meiner Hoffnung Schiff schwebt auf erzürnten Wellen

Die meines Glückes Höh' in bauen wieder fällen!

Mein schöner Freuden Stern scheint mir zwar viele Stunden

Und würde mir vielleicht ein Licht zum Haffen seyn

Wenn nur mein Ungelück nicht Wolcken hätt erfunden

Die meinen Liebeskahn stets Sturm und Wetter dräun.

Such ich nun überall die Klagen auszubreiten

Rufft mein Verhängniß doch nichts als Unmöglichkeiten.

Ach Himmel! Hast du mich zu dieser Gluth bestimmet

Warum blitzt denn dein Grimm auf ihr Verboth so scharff?

Wer sieht den heissen Brand der in der Asche glimmet?

Wer leschet wenn man nicht recht Feuer ruffen darff?

Du läst dein Paradieß mir nur zum Schmertzen sehen

Weil du den Weg nicht zeigst vergnügt hinein zu gehen.

Warum verschwendest du den Uberfluß von Schätzen

Die mich nur hier allein zu den Magnete ziehn?

Kan die Annehmlichkeit mich sonsten nicht ergetzen

Kan nirgends wo so schön der Anmuth Rose blühn?

Ja wilst du einen Knecht so kostbar nicht vergnügen

Warum darff seine Brust kein fremder Strahl besiegen?

So klag' ich schönste stets wenn dein beliebtes Wesen

Mir zwar die Dienstbarkeit doch keine Rettung giebt;

Allein soll ich vielleicht aus deinen Augen lesen

Warum mich ein Comet vor Sonnen-Glantz betrübt?

Nein lasse meinen Geist die Gnade nur vergnügen:

Das Schicksal müsse dich an Kräfften überwiegen.

Vergönne mir demnach das Pflaster meiner Wunden

Das wenn zu heilen nicht sich doch zu lindern schickt.

So Nacht als Schmertzen sind schon mehr als halb verschunde

Wer wie den Morgenstern ein Beyleid nur erblickt.

Darff Lust und Sonne mich nicht öffentlich bestrahlen

Kan Nacht und stille Gunst mich doch mit Sternen mahlen

Ach! Schönste laß die Noth dein Hertze doch erweichen

Und sehe meine Qvaal mit zarter Wehmuth an:

Kein kluger Argus weiß Gedancken zu erreichen

Kein scharffer Luchs sieht mehr als hier ein Maul-Wurff kan

So kanst du mir den Trost ja in dein Hertze setzen:

Sein Unglück heisset ihn Erbarmungs würdig schätzen.

Erwege meinen Stand und deine Seltenheiten

Und denck' ein E

Ein Sclave leidet zwar des Schicksals Grausamkeiten

Doch keine Ketten sind so schwer als meine Pein:

Die ärgste Marter hat der Himmel so verschrieben:

Auf ewig ohne Gunst und sonder Hoffnung lieben.