Eben dergleichen

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Hier bringen wir die Jahr

In Ach und Seuffzen zu

Hier schmachtet deine Schaar

In Arbeit sonder Ruh:

Hier eilen wir durch Zeiten

O Herr der Ewigkeiten

Nach jenem grossen Tag

Den weder Sonnen-Lauff noch Abend schliessen mag.

Was sag ich wir vergehn

In dem die Zeit verfällt;

Doch werden ewig stehn

Die über Zeit und Welt

Hertz Seel und Sinn erheben

Und in der Zeit dir leben

Der du nach kurtzer Last

Uns immer stete Ruh und Lust versprochen hast.

Wol! wol! erhalt mich denn

Weil Zeit noch daß ich nicht

Hochirrend mich verrenn.

Gieb daß ich meine Pflicht

Zu rechter Zeit ablege.

Herr segne meine Wege

Entzünde mir dein Licht;

So fürcht ich nichts ob Tag und Sonne mir gebricht.

Ist höchster GOTT noch mehr

Zu bitten hier erlaubt

So halt bey reiner Lehr

Was deinen Worten glaubt.

Bekehre was verkehret

Ni i weg was uns beschweret

Verleihe deiner Schaar

Nach so viel herber Angst ein lieblich Freuden-Jahr.