Ehren-Gedächtnüs F. B. Freyin v. N. g. v. T. u. K. den 18. Septemb. 1672.
Es ist ein hartes Wort: Mensch du must Asche werden:
Ja die Natur erschrickt wenn sie soll untergehn
Und kläglich daß der Herr und Herrscher dieser Erden
Offt nicht so lange kan als Baum und Blumen stehn.
Diß Elend hat auch längst die kluge Welt bewogen
Daß sie die Sterbligkeit zu trotzen hat gedacht
Und durch viel hohe Bäu und schöne Sieges-Bogen
Sich gleichsam wie bewehrt für Tod und Fall gemacht.
Es lag die Ewigkeit den Heyden in dem Hertzen
So doch ein Schatten-Werck von eitlem Hochmuth war;
Sie führten Tempel auff und weyhten Opffer-Kertzen
Ja wurden gar zuletzt Abgötter ihrer Baar’.
Ich wil Egyptens Pracht und Wunder nicht erzehlen
Und wie es Göttern gleich die Leichen hat geehrt:
Es wird auch Persien an Herrligkeit nicht fehlen
Daß in dem Mesar noch der Todten Lob vermehrt.
Doch der Sineser Witz hat alles überstiegen
Wo Jrrthum auch ein Theil kan von der Weißheit seyn:
Sie wolten mit Gewalt den Untergang besiegen
Und hieben Grab und Grufft den harten Felsen ein.
Kein Fürstlich Zimmer kan an Kostbarkeit so prangen
Als sie des Grabes Pfort und Kammern ausgeziert
Worinn des Todten Bild und Thaten auffgehangen
Und aller Uberfluß des Reichthums ward gespürt.
Doch die Pagoden sind mit nichten zu vergleichen
Der jenen Raserey womit sie mehr befleckt
Wenn sie ein ewig Ziel gedachten zu erreichen
Und daß ihr Leben sey unendlich ausgestreckt:
Es solt ein Nectar-Tranck sie von der Grufft befreyen
So ihnen der Chymi verborgne Kunst geschenckt;
Allein die Lachesis hat nie gescheut ihr dreuen
Sie wurden wie zuvor nur in den Sand gesenckt.
So viel vermag der Mensch so weit gehn seine Wercke
Und von der Ewigkeit bloß eingebildter Wahn:
Gekrönter Häupter Macht berühmter Helden Stärcke
Gelehrter Köpffe Witz geht die gemeine Bahn.
Der Schauplatz dieser Welt hegt seine Trauer-Spiele
So der elende Mensch nicht satt bejammern mag
Er ist Gefahr und Noth gesetzt zu einem Ziele
Ein Amboß wo das Glück vollführet manchen Schlag.
Des Solons Schluß bleibt wahr daß vor der letzten Stunde
Kein Mensch wie groß er ist beglückt zu nennen sey.
Denn leiden Scepter noth gehn Kron und Thron zu Grunde:
Wird offt ein gantzes Reich ein öde Wüsteney:
So kan nichts Ewiges ein Sterblicher hier hoffen
Noch auff des Glückes Gunst und seine Schätze baun.
Der Leib die Handvoll Staub steht tausend Martern offen
Eh’ wir den Rest davon der Erden anvertraun.
Und fliehen wir das Grab? viel könnens nicht erlangen:
Die reibt das Feuer auff und andre frist die See:
Wie mancher ist beschimpfft an Rad und Pfal gegangen
Den vor der Grossen Gunst gehoben in die Höh?
Der C
Pompejus durch Betrug umb seinen Kopff gebracht:
Catull der Redner stirbt von eingeschluckten Bränden
Homerus aus viel Harm Philemon weil er lacht.
So handelt uns der Tod und so viel Art und Wege
Sind zu der langen Nacht den Sterblichen bestimmt:
Da uns doch die Natur nur bloß auff einem Stege
Willkommen an das Licht in ihre Armen nimmt.
Wiewal den Heyden mag diß Wort wie Wermuth schmecken
Das uns heist untergehn und Staub und Asche seyn:
Wir wissen GOttes Mund wird diesen Staub erwecken
Und in verklärtem Glantz zum Leben führen ein.
Glückselig die den Tod bey so ergrimmten Zeiten
Da über unserm Kopff nichts als Cometen stehn
Durch einen sanfften Schlaff zur süssen Ruh wil leiten
Und heist sie Lebens-satt in ihre Kammern gehn.
Die
Die ihr verweßlich Kleid des Fleisches abgelegt
Die konte weiter nicht die Lust der Welt erquicken
Weil gar ein ander Trieb den hohen Geist bewegt
Sie sehnte sich zu sehn die Hügel voller Freuden
Und das Jerusalem vors Labyrinth der Welt:
Sie wuste daß doch nichts als nur ein langes Leiden
Dem langen Leben hier unfehlbar beygesellt:
Sie ließ großmüthig stehn was sonst die Menschen achten
Der Ahnen grauen Ruhm der Ehren hohen Stand
Weil mehr Vergnügung ihr die Himmels-Sorgen brachten
Und sie beym Ewigen mehr Sicherheit empfand.
Dreymal beglückte Frau so von des Glückes Gaben
War prächtig ausgeziert und Seegen-reich beschenckt
Die noch auff ihre Schoß die Ehre mehr erhaben
Und mit dem Lorber-Krantz des Ruhmes hat umbschrenckt:
Sie geht nun höchst vergnügt zu einem bessern Leben
Begrüst der Ewigkeit gantz unermeßnes Reich
Kennt keinen Zufall mehr der uns noch kan umbgeben
Und wird ob keiner Post betrübter Läuffte bleich.
Es mag das China viel Gedächtnüß-Tempel weisen:
Der Seelen Ewigkeit ruht in den Grüfften nicht:
Wer Christlich lebt und stirbt ist seeliger zu preisen
Als der den man in Gold Metall und Jaspis sticht.