Ehren-Gedächtnus Hn. A. C. v. A. d. R. den 5. Febr. 1678.
Verlache nur dein Grab du Auge dieser Stadt
Das zwar die lange Nacht nunmehr geschlossen hat;
Gib was verwesen kan den Rest der mürben Glieder
Der alten Mutter Schoß auf neuen Wucher wieder
Nichts als der Leib bleibt tod. Nachdem nun allbereit
Der Seelen himmlisch Feur in jener Ewigkeit
Als wie die Sterne gläntzt so läst du uns zwar Zehren
Die anverwandtes Blut dir häuffig wird gewehren
Und die die Bürgerschafft aus treuen Hertzen zollt
In dem sie seufftzt und klagt. Ach wenn doch GOtt gewollt
Daß wir den theuren Mann noch länger solten haben!
Der herrliche Verstand die ungemeine Gaben
Der Eyfer gegen GOtt und für gemeines Heil
Verdienen ewig Lob. Das Leben wär’ uns feil
Umb seiner Jahre Frist noch länger zu erweitern.
Ist alle Kunst umbsonst? ist nichts in Blum und Kräutern
Das Rettung bringen kan? So ist es gantz geschehn.
Wir Bürger müssen nur die Mauren fallen sehn
So uns bißher beschützt und wie Metellus klagen
Der Pfeiler unsers Heils wird von uns weg getragen.
In solches Seufftzen bricht der allgemeine Mund
Mit heissen Thränen aus. Wer aber machet kund
Das innre Seelen-Leid die tieffen Hertzens-Wunden
So Hochbetrübtste sie ob diesem Fall empfunden?
Da die Frau Mutter muß den allerliebsten Sohn
Deß schwachen Alters Stab der grauen Haare Krohn
Deß Lebens besten Trost so früh und bald vermissen
Und ihm was sie von ihm gehofft die Augen schliessen.
Welch Redner stellt uns vor der beyden Brüder Weh
Und Angst erfülltes Leid? Der Liebsten Thränen-See
Womit sie stets den Sarch aus treuer Pflicht benetzet?
Lebt jemand in der Stadt der nicht höchsikläglich schätzet
Den unverhofften Riß? Allein des Himmels Schluß
Dem unsre Sterbligkeit gehorsam folgen muß
Erweicht kein sehnlich flehn. Genug daß wir die Gaben
Die Schätze der Natur nicht wie den Leib begeaben.
Herr Artzat lebt und blüht den Hertzen eingeprägt
Sein Ruhm den weder Zeit noch Neid zugrabe trägt
Wird auch der jüngern Welt hell in die Augen scheinen.
Und wem ist unbekand wie er von Kindes Beinen
Der Tugend nachgestrebt? Ob schon der Ahnen Ruhm
Und Adliches Geschlecht sein erstes Eigenthum
So meint er nicht genug von Eltern edel heissen.
Er wolte sich vor sich so auff ein Lob befleissen
Das unvergänglich ist. Sein unermüdet Sinn
Hing freyen Künsten nach er gieng begierig hin
Wo theure Wissenschafft und Weißheit war zu finden.
Man preiste seinen Fleiß bey den berühmten Linden
Wo er das heilge Recht mit grossem Eisser trieb.
Apollo ward ihm hold Minerva hat ihn lieb.
Und wie ein feurig Geist stets seinem Himmel gleichet
So ließ er auch nicht nach biß er den Zweg erreichet.
Er trat die Reisen an und als er in der Welt
Was hoch- und schätzbar ist und was sie nützlich hält
Mit Rath ihm beygelegt bracht er die reiffen Früchte
Ins Vaterlandes Schoß. Gleich wie im ersten Lichte
Die Morgenröthe schon den braunen Purpur zeigt
Und drauf ins klare Gold des hellen Tages steigt:
So schien Herr Artzats Thun auch da voll Ehren-Sonnen.
Die Hoffnung hatte schon die Oberhand gewonnen
Daß er bey dieser Stadt ein Vater würde seyn
Der Ausgang traff beglückt mit allen Wünschen ein.
Hier öffnet sich ein Feld von seinem Ruhm zu melden.
Rom schätzte sich berühmt mit seineu theuren Helden.
Wenn da ein Appius der Bürger Heilbewacht
Camillus es beschützt und Cato den Verdacht
Durch nichts als Unschuld dämpfft und Tugendhafftes Leben:
So können wir gewiß mit besserm Grund erheben
Herrn Artzats edlen Ruhm. Denn als der Sterbligkeit
Der hochverdiente Greiß der Vater sich befreyt
Und nun in gleiche Würd und Stand der Sohn war kommen
Wie eyfrig hat er sich nicht alles angenommen?
Gleich wie ein reicher Strom sich in viel Bäche theilt
Und mit dem Silber-Quell das Feld zu träncken eilt:
So kam von seinem Rath als einem reichen Bronnen
Gemeinem Wesen Hülff und jedem Heil geronnen.
Der rühmte den Verstand ein ander seine Treu
Der seine Redligkeit und das ohn Heucheley
Sein reines Hertze war. Wie auch sein löblich Leben
Der gantzen Bürgerschafft kont einen Spiegel geben.
Und solten Menschen auch davor nicht danckbar seyn?
So meldeten sein Lob Stadt Wälle Mauren Stein’
Und müsten Zeugen seyn der immerwachen Sorgen.
Dem grossen
Er sah ihn gnädig an und nannt ihn seinen Rath.
Ja wie die Tugend diß zu ihrem Lohne hat
Daß sie der Ruhm bekröhnt: So ward von vielen Zungen
Herr Artzats weises Thun und Treffligkeit besungen
Wie die Gerechtigkeit durch ihn ihr Recht vollführt
Wie er sein Richter-Ampt mit Ansehn hat geziert
Mit Glimpff und Ernst vermischt sein Ohre nie verschlossen.
Wie in Verrichtungen der Stadt er unverdrossen
Den besten Zweg erkiest. Und ließ ja eine Ruh
Die doch sehr selten kam das Cammer-Wesen zu
Hieß seine gröste Lust ein gutes Buch zu lesen
Ein ander Lälius der müssig nie gewesen
Und dessen würdig Haupt die Bürger-Cron verdient
Und daß sein Name stets in unsren Seelen grünt.
So viel Vollkommenheit so hoch- und edle Gaben
Die können für den Tod kein frey Geleite haben.
Das Auge schläfft jetzt ein so für uns hat gewacht
Der Kopff ist ohne Rath der allem nachgedacht
Die Zunge kan nicht mehr das Recht Partheyen sprechen
Die Ohren horen nicht der Armen ihr Gebrechen
Die Hände schliessen nicht die Freunde ferner ein.
Kurtz so viel Schätze deckt der stumme Leichen-Stein.
Wiewol sein Nachruhm lebt der giebt der Welt zulesen
Daß er ein Scipio bey unsrer Stadt gewesen.