Ehren-Gedächtnüs Hn. A. v. B. Studiosi. 1659. den 25. Mertz.
Mensch dessen Uhrsprungs-Quell aus Staub und Erden fleuft
Wilstu dein irdisch Haus und seinen Fall beweinen
So laß ohn unterlaß die Jammer-Thränen scheinen
Dieweil ein ewig Weh dein gantzes Thun beschleust;
Fang an in Mutterleib von Noth und Angst zusagen
Biß man dich wieder wird zu deiner Mutter tragen.
Du hast ja kaum das Licht der güldnen Sonn erblickt
So müssen dich alsbald die strengen Windeln binden
Und gleichsam Fessel seyn an welchen nichts zu finden
Als Zeugen dieser Noth die dich von Anfang drückt.
Die Kindheit kennt sich nicht und weiß von keinen Jahren
Biß daß sie erst darnach derselben Flucht erfahren.
Denn tritt die Jugend an des Alters Leutz und May
Der voller Rosenblüth und schöne Blumen heget
Die die Ergetzligkeit auff weichen Händen träget
Daß auch der meisten Hertz entbrennt in Raserey.
Der selbst ein Spiel der Zeit verspielet seine Zeiten
Und jener läst sich Furcht und Hoffnung überstreiten.
Dem sinckt die Lieb ins Hertz gleich wie ein schneller Pfeil
Die Gluth dringt durch das Blut und wallet in den Gliedern
Der angenehme Blitz der aus den Augenliedern
Mit holder Anmuth spielt macht seine Wunden heil.
Diß ist der gröste Wunsch so sucht man sein Verderben
Und so wil auch der Mensch auff Wollust-Federn sterben.
Den dürst nach Menschen-Blut
Vermischt Verzweiffelung mit Zagheit offt zusammen
Und suchet seinen Tod wo die Carthaunen Flammen
Und Blitz und Hagel speyn den findet er auch hier.
Ein ander schwächt den Leib mit ungeheurem sauffen
Und pflegt ihm für sein Geld die gröste Noth zu kauffen.
Wen treibt nicht die Begier durch Erde Lufft und See?
Der wil die gantze Welt in seinen Kopff einschliessen
Und jener frembde Sünd aus frembden Landen wissen
Und wo die Uppigkeit im besten schwange geh’
Er setzt die Rechnung auff und richtet sich nach Sachen
Die auch die Eitelkeit weit eitler könte machen.
In zwischen Furcht und Angst in zwischen Freud und Leid
Muß der geklemmte Geist in seinem Kercker schwitzen
Wann Hochmuth und der Geitz bey uns zu rathe sitzen
Da den der Ehren-Dunst und jenen Geld erfreut.
Das Geld und auch das Gold das blaß von heissen Zähren
Sol nach der meisten Spruch den Himmel uns gewehren.
So fährt die Zeit dahin biß an der Jahre Schnee
Das Leben kocht in Angst die Seel in tausend Schmertzen
Wenn in dem Munde Lust und süsse Worte schertzen:
Offt liegt beym Zuckerrohr ein bittres Aloe.
So ist des Lebens Glantz ein Englisch seyn von forne
Das Teufflisch uns bekriegt die Rose steckt im Dorne.
Leg einen Purpur um gewinne Cron und Thron
Häng’ einen Diamant an den gesalbten Nacken;
Und du nimm einen Hut von Stroh und eine Hacken
Laß sehn ob auch der Tod nach gleichen Würden lohn?
Es ist ein gleicher Schluß der Jugend guldne Haare
Der alten graues Haupt bedecket eine Baare.
Wiewohl die Sterbligkeit gewisse Schrancken hat!
Der stirbt noch eh er stirbt und noch für seinem Leben
So ist er schon dem Tod zum Opffer hingegeben
Und kriegt in Mutterleib auch seine Grabestatt.
Der sucht den Tod im Bett und findt ihn auff der Gassen
Ein ander liebt das Grab ein ander pflegts zu hassen.
(meer
Der fällt durch Schwerd und Brand der stirbet auff dem
Der geht mit frischem Muth aus seinen Heimaths-Gräntzen
Und muß noch vor der Nacht und vor der Sterne gläntzen
In seinem Sande seyn; den frisset die Beschwer
Die Kranckheit ausgebrüt bey vielen sichen Tagen
Und jener wird zu tod auff einer Reiß erschlagen.
Elende sterblichen gebrechliches Geschlecht
Entsinnet bey euch selbst wie eitel euer Leben
Und einem ieden Blick und Zufall unter geben
Ich weiß ihr sprecht mir selbst die wahre Dentung recht.
Das Leben ist ein Traum der Mensch des Lebens Schatten
Zu dem sich Angst und Pein in steter Reyhe gatten.
Wir müssen es an dir
Und wolte wolte GOtt daß dieses Klag-Gedichte
Uns auff ein ander Werck verpflichter Freundschafft richte
Nun aber ists mit dir
Wie tief der schnelle Tod uns in die Seele schneidet
Das weiß ein ieder Mensch der gleiche Wehmuth leidet!
Muß diß der letzte Dienst bey dir
Wirstu von unsrer Brust so zeitlich weggerissen!
Muß unser Hertz in Leid und Thränen gantz zufliessen!
Ach wie so gar zu früh stellt sich der Tod itzt ein!
Des Leibes frische Krafft die Stärcke deiner Glieder
Der Jugend Liebligkeit fällt plötzlich gantz darnieder.
So schweigt der liebe Mund der uns so offt ergetzt
Wenn uns ein gleicher Tisch und gleiche Treu verbunden
Wenn wir die Lehr-Begier der Wissenschafft empfunden
Wenn uns der Musen-Quell mit seinem Naß benetzt.
Der Sitten Höffligkeit der Freundschafft reine Liebe
Die macht daß ieder sich ob diesem Fall betrübe.
Du hast so liederlich wie mancher nicht gethan
Der Honig in dem Mund und Gall im Hertzen führet
Der offt ein höfflich Wort mit frembden Farben zieret
Und hängt das Schlangen-Gifft zu einen Ausschlag dran.
Dein ungefärbtes Hertz must’ allen offen stehen
Du warest nicht gewohnt mit Lügen umzugehen.
Ein jeder liebte dich und dir war jeder lieb
Ja weder Zanck noch Streit ist unter uns entsprossen
Es sind nun fast drey Jahr zu Leipzig weggeflossen
Als dich dein eigner Sinn hieher zu reisen trieb
Nun aber wirstu so in srembden Sand gescharret
Und hast noch zu Athen dein Lebens-End erharret.
Zwar es ist vieler Wunsch in ihrem Vaterland
Und für das Vaterland auch ihren Geist zu geben
Doch der gemeine Schluß der machet alles eben
Man schläfft so wohl in dem als einem andren Sand.
Es ist kein Unterscheid üm unser Grab zu suchen
Der Geist-beraubte Leib der ruht bey allen Knochen.
Die Seele nur allein die keinen Zufall kennt
Und unverweßlich ist steigt über alle Lüffte
Bricht durch die tieffe Nacht der dunckeln stillen Grüffte
Verlacht ihr irrdisch Haus das Zeit und Tod zertrennt.
Den Leib fällt Fäulniß an mit Stanck und grauem Schimmel
Der Himmels-werthe Gast die Seele geht in Himmel.
So zeuch nun frölich aus du unbefleckter Geist
Und nimm die Klarheit an in der die Engel leuchten
Muß schon ein Thränen-Naß die Augen itzt befeuchten
So bistu doch gar wohl zu deinem GOtt gereist.
Man setzet zwar den Leib der Erden ist in Erden
Doch er sol wiederumb zu Stern und Perlen werden.
Die Augen die vergehn auff daß ein ewig Blitz
Aus ihren Winckeln strahl; und ob der Mund verbleichet
So denckt daß ihn die Schaar der Engel roth anstreichet
Und daß er in dem Schoß der Ewigkeiten sitz’.
O unerschöpffte Lust o angenehme Wonne!
Wohl dem der zeitig kömmt zu dieser Lebens-Sonne!
Wir werther Seeliger wir können nichts mehr thun
Als daß wir dieses Lied zu deinem Grabe singen
Und schöne Lilien und Hyacinthen bringen
Zu schmücken deinen Leib auff daß er wohl mag ruhn.
Wir sehn das gantze Chor der Musen traurig gehen
Und Treu und Redligkeit bey deinem Grabe stehen.