Ehren-Gedächtnüs Hn. J. J. M. JC. den 19. Febr. 1679.

By Heinrich Mühlpfort

Der Tod so alles zwingt zwingt nicht gelehrte Leute

Es frist das schwartze Grab nit ihren lichten Ruhm

Und nim̃t er gleich den Leib die Hand voll Staub zur

Ein ewiges Gerücht bleibt doch ihr Eigenthum.

Sie fallen wie die Sonn eh die noch gar versincket

Und in der blauen See die müden Pferde wäscht

So sieht man wie ihr Glantz im höchsten Golde blincket

Und wie sie Purpur-roth wenn sie nunmehr verlescht;

So auch der Sinnen Feu’r die Fackel deß Verstandes

Das Licht so vielen oft zu Dienst und Nutzenschien

Verdrücket nicht die Last deß dürren Leichen Sandes

Man siehet seine Flamm auch bey der Nachwelt glühn.

Da weisen kluge Köpff erst ihrer Weißheit Strahlen

Wenn sie die Demmerung des Neides nicht mehr sticht.

Wenn sie die letzte Schuld zwar der Natur bezahlen

Hingegen Ehr und Ruhm den Lorber-Krantz drauf flicht.

Ein solcher Unterscheid ist zwischen einem Grabe

Das einen klugen Kopff und albern Tropffen deckt.

Den tilgt mit seinem Thun Verwesung Wurm und Schabe

Wenn jenem wird ein Licht der Ehren auffgesteckt.

Es mag das stoltze Rom ein ewig Feuer hegen

Und mehr als hundert Jahr in

Hier will die Ewigkeit den Zunder selbsten legen

Die den Gelehrten pflegt ein Denckmahl auffzubaun.

Und billich ist es auch. Vor so viel Müh und Wachen

Vor so viel schwere Sorg und unverdroßnen Fleiß

Dadurch wir lebendig uns todten ähnlich machen

Ertheilt der Tugend Hand zu letzt den Ehren-Preiß.

Dergleichen schönen Lohn und prächtiges Geschencke

Mein

Du hast mit Recht verdient daß man dein offt gedencke

Und daß man Lorbeer-Zweig itzt auf dein Grabmal trägt.

Du Sohn der Gratien du Hertz der Castalinnen

Es sah von Jugend auf dich Phöbus günstig an

Minerva schärffte dir die auffgeweckten Sinnen

Und hat das feinste Gold in dein Gehirn gethan.

Ein Buch war deine Lust ein Buch hieß deine Freude

Die Lehrer wunderten den ungemeinen Fleiß

Und was ihr Mund vorlaß blieb deiner Seelen Weyde

Es rühmt noch Onoltzbach der grünen Jahre Schweiß.

Und als du höher nun in freyen Künsten kommen

Und Griechisch und Latein von deinen Lippen floß

Hat dich der Grossen Gunst in Obacht bald genommen

Und Basel als ein Sitz der Weisheit in die Schos.

Es wieß dir Altdorff auch der Themis heilge Rechte

Und was Justinian uns von Gesetzen sagt.

Es hat zu Mümpelgart manch adliches Geschlechte

Dich offt umb

Und diß war nicht genug; dein Sinn der voller Flammen

Wolt auch vie gantze Welt das grosse Buch durchsehn.

Und was Rom und Paris von Wundern bringt zusammen

Das war dein feurig Geist bemühet außzuspähn.

Wie vielmals hastu nicht die Länder durchgegangen?

Und wie die Adler thun die Jugend angeführt?

Wie so manch grosser Mann hat dich erfreut umbfangen?

Und deine Redligkeit und reine Treu gespürt?

Was würdig hier und da vom Alterthum zu schauen

Und was der graue Mund von den Geschichten sagt

Was von Gedächtnüssen den Felsen eingehauen

Und was von Maur und Stein aus tieffen Klüfften ragt

Das war dir gantz bekandt samt dem Vorlauff der Zeiten.

Es war dein kluger Kopff die Mappe dieser Welt.

Und wer dir anvertraut den wustest du zu leiten

Daß zu der Hurtigkeit stets ernster Witz gesellt;

Manch hohes Stamm-Haus hat sein Wünschen und sein Hoffen

Die Pfeiler deß Geschlechts geliefert deiner Hand

So hat der Seegen auch deß Himmels eingetroffen

Daß du sie wiederbracht Gott und dem Vaterland.

Bevor wil Schlesien dir unvergessen dancken

Es rühmt noch deine Treu und reiche Wissenschafft.

Versichert daß bey uns du Ruhm der tapffern Francken

Dein treuer Name reucht als wie ein Narden-Safft.

Ein jeder liebte dich die Anstalt der Geberden

Mit Sanfftmuth überblühmt mit Demuth untermischt

Hat Frembden zum Magnet der Liebe müssen werden

Der sie zu gleicher Tren und Freundschafft angefrischt.

Der Höfe Höflichkeit war dir nicht unverborgen

Der Sachen Heimlichkeit blieb dir nicht unbekandt.

Ach aber daß dein Fleiß diß Wachen dieses Sorgen

Der ungestüme Tod scharrt in den leichten Sand.

Asträa hatte dich zu hohen Ehren-Stuffen

Durch ihren Schluß erwehlt dein Ruhm flog überweit:

Die Parcen aber stehn gantz steinern auff das Ruffen

Jhr Messer ist geschickt daß es den Faden schneidt.

Es muß dir Schlesien nur noch die Bahre machen

Ein dürres Fieber raubt dir Leben Geist und Sinn.

Auff was für schlechtem Grund bestehn der Menschen Sachen?

Ist nichts als Noth und Tod ihr endlicher Gewinn?

Doch wer wie du entschläfft du Stern der edlen Francken

Dem zieht der Lethe Nacht nicht ihre Schatten für.

Es wird der Helicon noch deiner Vorsicht dancken

Der Aoninnen Schaar nennt dich noch Trost und Zier.

Dein gut Gerüchte wird wie vormahls mit dir reisen

Da wo die Sonn auffsteht und wieder schläffet ein.

Dich wil Mnemosyne von ihrer Taffel speisen

Daß nichts vergeßliches an

So lang in Schlesien noch Lorbeern werden blühen

Sie sollen umb dein Grab als keusche Jungfern stehn.

So lang als noch ein Feur die Dichter wird anglühen

So streiten sie dein Lob gebührend zu erhöhn.

Mißgönne Grossen nicht die theuren Marmelsteine

Da offt des Künstlers Hand den meisten Ruhm erhält.

Es ruhen überall die abgelebten Beine

Und dein Gedächtnüß fährt durch die gelehrte Welt.

Es bleibt die Feder doch des Adlers rechter Flügel

Der unsern Namen schreibt biß an der Sonnen Kreiß.

“so ist ein gut Gerücht auch ein hochgültig Sigel

&q;Daß von dem Untergang uns zu befreyen weiß.