Ehren-Gedächtnus Hn. J. R. v. R. den 9. Januarii 1678.

By Heinrich Mühlpfort

Es sey des Orpheus Grab an Ehren so beglückt

Daß jährlich Schwanen ihm die Sterbe-Lieder singen

Die Bürger in der Luft die schönsten Stimmen bringen

Daß seiner Aschen-Rest die Nachtigal erquickt

Und durch den Wunder-Thon mit Kunst geübter Zungen

Beklagt den Leyer-Printz der Thier und Fels bezwungen.

Es sey deß Memnons Brand ein Bild der Ewigkeit

Wenn mitten aus der Glut der Sonnen-Vögel steigen;

Wenn gar die Morgenröth ihr Beyleid will bezeigen

Und bey erwachtem Tag die nasse Perlen streut.

Ja selbst der Phönix sterb’ auf Würtz und Zimmet-Röhren

Und lasse sich zuletzt durch Klang und Lieder ehren.

So hat

Sie Zunge Schlestens der Mund deß Vater- landes

Ser Fürsten treuer Rath der Redner jedes Stan- des;

Es bricht der Nachruhm ihm schon Palm und Lorbern ab

Umb einen Helicon auff seine Grufft zu setzen

Und will den hohen Ruhm in Ertz und Marmel ätzen.

Die Geister Schlesiens so längst die Sternen-Rey

Mit ihrem Glantz vermehrt der Zeiten Uberwinder

Und unser Poesie sinnreicher Kunst-Erfinder

Die fügten Seeligster so eine Lobschrifft bey

Die deinen Würden gleich und geben uns zu lesen

Wie Tugend und Verstand unmöglich kan verwesen.

Hat Orpheus Fluß und Wald gezogen durch den Klang

So bunden vieler Hertz die Ketten deiner Zungen.

Ist von der Vogel-Schaar deß Memnons Grab erklungen

So würde manch Poet Geist Leben und Gesang

Noch deiner Aschen weyhn Apollo mit den Neunen

Umb seinen

Allein

Vergrössert deinen Ruhm du hast dir in den Hertzen

Längst Tempel aufgebaut der lichten Ehren Kertzen

Verdüstert keine Nacht so lang als Menschen seyn

Und Schlesien wird stehn muß auch der Neid bekennen

Daß dir bey vielen noch Gedächtnüß-Ampeln brennen.

Offt wird der Marmelstein für falschem Lobe roth

Und die erdichte Schrifft zersprenget ihn in Ritze.

Was ist das uns für Fäul’ und Untergang beschütze?

Zerstört die Pyramis und das Mausol der Tod?

Macht seine Tyranney auch Leichen aus den Steinen?

Zerbricht er Ertzt und Stahl gleich unsern dürren Beinen?

So ist ja diß nur bloß was von uns übrig bleibt

Der Sinnen Treffligkeit und deß Gemüthes Gaben;

Die

Das dich ins graue Buch der Ewigkeiten schreibt

Ein unausleschlich Ruhm. Den du dir selbst verdienet

Durch dessen Ehren-Pracht auch dein Geschlechte grünet.

Dich sah’ von Jugend auff Minerva günstig an.

Dein Frühling war berühmt vom Lesen und vom Reisen.

Man hörte hier und dort dich hohe Schulen preisen.

Dir war der Fürsten hold in Norden zugethan.

Drauf bist du auch nach Ost und Sud und West gegangen

Dann Franckreich gab dir Feur und Welschland Witz der

Es hat dir Themis auch ihr heilig Recht vertraut

Den Purpur umbgelegt die Lorber-Cron gescheucket

Als gleich dein edles Hertz ans Vaterland gedencket.

Und wie Ulysses hat sein Jthaca gebaut

Und wünscht noch einst zu sehn den Rauch der aufgegangen.

So zog dich auch nach Haus ein eifriges Verlangen.

Diß ist der Tugend Art ihr angeborner Schein

Dringt durch des Pöfels Nacht den Grossen in die Augen

Es zeigt sich in der That was hohen Seelen taugen

Und rühmlich nützen kan und was veracht soll seyn.

Man suchte bey dir Rath das Land hielt dich in Ehren

Und wolte deinen Mund als ein Oracul hören.

Es hat manch Graff und Fürst durch dich sein Recht vollführt.

Es gab Piastus Stamm dir angenehme Schatten.

Viel Höfen kam dein Witz und kluger Rath zu statten.

Und wo Demosthenes der Richter Hertz gerührt;

So hastu mit mehr Krafft mit mehr Red-Seeligkeiten

Von Grund aus beygelegt das zweiffelhaffte Streiten.

Es hat bey Dodons Wald das Alter sich befragt

Bey dir das gantze Land in ungewissen Fällen.

Du kontest jedem Rath wo nicht das Recht zu stellen.

Umb gütige Verhör hat keiner sich beklagt.

Dein Haus stand jedem frey gleich Themis Tempel offen

Und sie entdeckten dir ihr Wünschen und ihr Hoffen.

Rühmt gleich das Griechenland Pericles güldnen Mund.

Und hat der Lysias gedonnert und geblitzet

Jsäus durch sein Feur’ der Bürger Hertz erhitzet

So war dir auch die Kunst recht durch zu dringen kund.

Es schien dir Honigseim in Lipp und Mund geleget

Wenn du der Stimmen Schluß und Beyfall hast erreget.

Der Erden ander Gott der grosse

Hört offt des Landes Noth gehorsamst dich verbitten.

Du wustest Schlesiens sein Flehen aus zu schütten.

Es blieb die Majestät den treuen Diensten hold

Und weil sie schon vorlängst viel Gnaden dir verliehen

So must auch deine Brust von ihrem Bildnüß blühen.

Es fast mein enges Blat nicht deiner Würden Raum

Mund durch den Schlesien so oft und viel gesprochen

Der noch ihr Alterthum und Freyheit hat durchkrochen

Der reich an Wissenschafft und was man sonsten kaum

Zertheilet finden kan zusammen hat getragen;

Wie soll das Vaterland nicht dein Erblassen klagen?

Zwar du hast satt gelebt an Ehren und an Ruhm

Die letzte Linie des Lebens wohl gezogen:

Es bleibt dir Land und Stadt auch nach dem Tod gewogen

Und die Unsterbligkeit ist itzt dein Eigenthum.

Weg mit Napel und Bux und Myrrhen und Cypressen

Wer so gestorben ist wird nimmermehr vergessen.

Ruh’wohl in deiner Grufft ruh’

Der Menschen Redner-Kunst ist Dunst und unvollkommen.

Hingegen nun dich hat der Himmel auffgenommen

So siehst’ und kennest du des Höchsten Wunderwerck

Und alle Wissenschafft; itzt kanst du diß aussprechen

Worzu uns Sterblichen will Geist und Krafft gebrechen.