Ehren-Gedächtnüß Fr. S. M. g. P. v. G. den 7. Decembr. 1664.

By Heinrich Mühlpfort

Die letzte Stunde darf uns ja kein Schrecken machen

Weil sie der Ewigkeit bestimmt Geburts-Tag ist.

Wir schlaffen zwar im Grab doch daß wir wieder wachẽ

Wir leben ob gleich hier den Leib die Fäulniß frist.

Das minste Theil verdirbt der Seele Göttlich Wesen

Kennt keinen Zufall nicht noch grimmer Zeiten Sturm.

Was irrdisch ist und heist mag nicht vom Tod genesen

Man gönne doch das Fleisch das Sünden-Nest dem Wurm.

Ein Tagelöhner wünscht der Abend wolle kommen

Und seiner Arbeit Last besänfftigen mit Ruh:

Begehren wir denn nicht daß wir der Noth entnommen

Als wie in einem Schlaff die Augen drücken zu?

Der Wandersman legt ab die Bürde die ihn kräncket

Und siehet hoch erfreut der schweren Reise Ziel;

Versichert daß die Seel’ so hier der Leib ümschrencket

Wenn schon ihr Schöpffer rufft nicht länger rasten wil.

Ein Zärtling dieser Welt der mag diß Leben ehren

Und als ein Götzen-Knecht ihm Opffer zünden an:

Uns soll viel mehr das Grab den Weg zum Himmel lehren

Wenn jenes Tempel sind in lichten Brand gethan.

Mecenas der in Perl und Purpur hat gesessen

Und des Augustus Hertz und Heimligkeit beschloß

Hat seiner Hoheit selbst zum schimpflichsten vergessen

Als er die Thränen umb des Lebens Frist vergoß;

Und bettelt als ein Knecht geraume Zeit zum sterben

Wil Folter Zange Pfahl Gifft Brand und Dolch ausstehn

Es mag das Glieder-Weh den gantzen Leib verderben

Wenn er nur eine Zeit auff Erden noch sol gehn.

Hier räumt man freilich ein daß aller Schrecken Schrecken

Der Tod so heßlich sich dem Heyden fürgestallt.

Bey uns wird er nur Freud und neue Lust erwecken

Wir wissen daß wir Tag für Tag zum sterben alt.

Es ist auch nicht beschwert das Leimen-Haus zu lassen

Und von der irdnen Wand zu nehmen gute Nacht

Weil viel ein schöner Ort uns wieder wird ümfassen

Der den verklärten Leib zu Stern und Sonne macht.

Das schleussende Gewand ist denn nicht zu beklagen

Bricht doch nach der Geburth bald unser erstes Kleid!

Wir Blinden die wir uns von Grab zu Grabe tragen

Beseuftzen daß so schnell kömt unsre Sterbens-Zeit.

Beym Eintritt in die Welt da sol man billich weinen

Weil tausendfache Qual der Mensch erdulden muß

Beym Abzug nützt es nicht und ob schon Thränen scheinen

So sind sie nur der Hertz- und Schmertzen Uberfluß.

Der Köder an sich selbst so uns zu leben reitzet

Ist nichts als schimlend Brodt und ein vermodernd Gut

Daß fast ohn unterlaß der Trübsal Eßig beitzet

Und wenig oder nichts dient dem gekränckten Muth.

Es deckt nur Finsternüß das menschliche Beginnen

In dieser Nacht der Welt strahlt keiner Klarheit Schein

Die Kunst ist Schatten-Werck die Wunder kluger Sinnen

Reist doch die After-Zeit durch andre Meinung ein.

Die tieffe Demmerung umhüllt das Licht der Seelen

Der reiffe Rath und Witz zerschmeltzt in grauen Schnee;

Der Aufgang kan schon nicht den Untergang verhölen

Die Wasser die sie gibt verschlucket auch die See.

Was einst gebunden war muß aufgelöset werden

Und so hat die Natur schon ihren Lauf ersehn

Die Erde samlet sich nur wieder zu der Erden

Was längst beschlossen ist muß endlich doch geschehn.

Diß ist der Unterscheid. Ob zwar der Tod gemeine

Und seiner Satzung nach durchgehend alle trifft

So setzt doch Hohn und Lob als wie zum Leichen-Steine

Die Nachwelt so befreyt von falschem Schmeichel-Gift

Die Tugend zeigt sich denn in Purpur lichten blicken

Die weder Neid noch Zeit hinfort beflecken kan

Der Lafter Ungeheur muß in sich selbst ersticken

Und überhäufter Fluch meld’t es der Höllen an.

Einmahl hat Nero nur den Käyser-Stab geführet

Noch wird die Pest der Welt biß heute noch verdammt

Hergegen der August mit Lorbern außgezieret

Weil sein Gedächtnüß auch viel Helden angeflammt.

Denn ob die Wiegen gleich von Gold und Silber lachen

Und ob die Jugend sich voll guter Hoffnung zeigt;

So können wir doch nicht den Schluß grundrichtig machen

Daß sich mit gleichem Ruhm der Mensch zum

Oft wenn die Morgenröth gantz Rosenklar geschienen

Hat drauf ein Donnerschlag den Mittag eingeschwärtzt

Wenn früh den Honig-Bau mit Fleiß vollführt die Bienen

Sind sie für Abend noch auß ihrem Stock gestertzt.

Die Wiege blühet nicht wo nicht die Bahre blühet:

Das Schauspiel ist nicht gut wann es sich alber schleust.

Wer in dem Leben nicht auf ein gut Ende siehet

Der glaube; daß er denn gar schlechten Ruhm geneust.

Wer rühmlich sterben kan hat schon das Ziel erreichet.

Ein klares Beyspiel stellt uns diese Leiche für.

Ob schon der mürbe Leib in seiner

So gläntzt die Seele dort in Engel reiner Zier.

Jhr guter Leymund grünt auf mehr als hundert Zungen

Die edlen Tugenden verewigt gleicher Ruhm

Wie ihre Gottesfurcht die Wolcken durchgedrungen

Und wahre Frömmigkeit ihr eintzig Eigenthum.

Mehr faßt nicht dieses Blat. Jm Abend später Jahre

Führt der verlangte Tag die Seel’ge zu der Ruh.

Betrübste hem̃t den Schmertz: Jhr Ruhm krönt auch die Bahre

Und sagt uns bey der Welt ein stets Gedencken zu.

Umbsonst daß sie anitzt ein ewig Klagen trieben

Die Seelige die kan gar nicht verlohren seyn

Denn unsre Namen sind im Himmel eingeschrieben

Das Buch des Lebens zeigt den ewig-lichten Schein.