Ehren-Gedächtnüß Fr. S. P. g. M. den 15. Jenner 1679.
Du Tugend-volles Ehren-Weib
So giebst du endlich deinen Leib
Der allgemeinen Mutter wieder
So führet dich ein sanffter Tod
Aus diesem Kercker voller Noth
Und legt zur Ruh die müden Glieder?
Du fühlst nicht mehr des Alters Schnee
Der Sorgen Pein der Kranckheit Weh
Und bist vollkommen jetzt genesen.
Die Seel’ eilt ihrem Ursprung nach
Und zwingt sich zu dem Sternen Dach
Ob Haut und Bein schon hier verwesen.
Ein Heyde scheut und fürcht den Tod
Den Weiser der uns führt zu GOtt
Den besten Freund und Reiß-Gesellen.
Wenn all’ im sterben von uns fliehn
Und ihren Fuß zurücke ziehn
So wird er uns die Fahrt bestellen.
Ein Christ der nimmt den Führer an
Und ist gewiß daß er die Bahn
Zu jenen Ewigkeiten zeiget.
Er kan ihm nicht beschwerlich seyn
Wenn er als Gast sich stellet ein
Und zu ihm durch das Fenster steiget.
Zu dem O seelige Matron
Wer so in Frieden zieht davon
Empfindt’ nicht seine Bitterkeiten.
Du hättest längst daran gedacht
Wie du zu deiner letzten Nacht
In Andacht möchtest dich bereiten.
Es schien da keine Sterbens-Qual.
Gleichwie ein Licht das seinen Strahl
Nach vielem Brennen muß verlieren:
So zog auch aus des Cörpers Hauß
Die Seel’ als wie im Schlaf herauß
Und fieng die Freyheit an zu spühren.
Dein Beyspiel gab uns zu verstehn.
Daß wenn wir gar die Welt durchgehn
Kein grösser Gut sey zu erlangen.
Als wenn wir in der letzten Noth
Durch einen sanfft und stillen Tod
Den Lohn der Gottesfurcht empfangen.
Die war dir auch von Kindes Bein’
In Seel und Hertz gepflantzet ein.
Es rühmt noch Leipzig unvergessen
Den Vater der zu GOttes Ehr
Hat ausgebreitet seine Lehr
Und in dem Kirchen-Ampt gesessen.
Gott führt dich aus dem Vaterland
Und giebet eines Priesters Hand
Dich Priester-Kind in reichem Seegen.
So blühtest du in vollem Glück.
Ach aber grimmiges Geschick!
Herr Pollio muß früh sich legen.
Es trennt des Todes herbes Weh
Das heil’ge Land der keuschen Eh
Und setzt dich in’ den Wittwen-Orden.
Da du mit Andacht und Gebet
Stets hast zu deinem GOtt gefleht
Und bist ein ander Hanna worden.
Es war dein gantzer Wittwen-Stand
Dem Himmel eintzig zugewandt
Du Monica in diesem Leben.
Die angebohrne Frömmigkeit
Die Demuth und Bescheidenheit
Die können sattsam Zeugnüß geben.
Der Inhalt deiner Zuversicht
War bloß allein auff den gericht
Der Priester-Wittwen kan versorgen.
Befiel dich manche schwartze Nacht
So hat doch seine Hand gemacht
Daß drauff erfolgt ein lichter Morgen
Je mehr das Alter dich beschwert
Und gantz von Kräfften abgezehrt
Je mehr vermehrte sich dein Glauben
Du hattest
Daß auch bey aller Kranckheit Last
Den Trost kein Schmertz dir konte rauben.
Viel die als Freundin dich erkennt
Viel die dich Mutter stets genennt
Die werden deine Treu beklagen
Vermissen deine Redligkeit
Die sie in Nöthen hat erfreut
Und dir ein herrlich Lob nachsagen.
Denn Tugend die vermodert nicht
Sie ist ihr Lohn ihr eignes Licht
Und bey dem Grab ein Ehren Kertze:
Sie strahlt durch alle Tunckelheit
Als wie die Sonn uns früh erfreut
Des grossen Himmels Aug und Hertze.
Nun hast du Seelige gesiegt
Nun unter deinen Füssen liegt
Die Angst und Noth so dich bestritten;
Du hast die drey und zwantzig Jahr
Verwittibt einsam in Gefahr
Mit einem Helden Muth gelitten.
Jetzt siehstu jene Friedens Stadt
Die nichts als Lust und Wonne hat
Dein Heiland trocknet deine Zähren
Du weist von keiner Einsamkeit
Weil dir unendlich steht zur Seit
Die gantze Schaar von Engels-Heeren.
Ruh wol wir graben deinem Stein
Noch diese kurtze Grabschrifft ein:
Hier schläfft ein Ehren-Weib in Frieden
Die ihre gantze Lebens-Zeit
Gott und der Tugend hat geweyht
Und sanfft und seelig ist verschieden.