Ehren-Gedächtnüß Hn. G. A. Käis. H. u. W. der St. B. den 11. Aug. 1675.
Nun hastu wahre Ruh' und Freyheit dir erstritten
Du gehst den Siegern gleich ins Schloß der Freuden
Nun kan kein eintzig Feind dir mehr die Stirne bieten
Weil Sünde Welt und Tod gantz ausgetilget seyn.
Er mag ins Capitol ein Römer Lorbern tragen
Wenn dich die göldne Kron der Ewigkeiten ziert.
Wir hören umb dein Grab den Nachruhm dieses sagen
Daß
Wie stimm’ ich dieses an? die schüchteren Camenen
(bührt.
Und Phöbus Lauten-Spiel stehn bey Soldaten nicht.
Hier must dir Mavors selbst ein Donner-Lied erthönen
Das durch die Lüffte saust und durch die Ohren bricht.
Mich dünckt ich seh auch schon wie sich Bellona mühet
Den letzten Ehren-Dienst mit ihrer Pracht zu thun.
Wie sich ein blanckes Schwerd das noch gefärbet sihet
Als Bild der Tapfferkeit heist auff der Bahre ruhn.
Kein Blumwerck gilt hier nicht. Der Hagel von Musqueten
Der Fahnen rother Flug der Trummeln rauher Klang
Der Spieß- und Degen-Schall das Blitzen von Falckneten
Singt dir
Und die Kleinodien so deine Leiche schmücken
Sind Wunden die du jetzt als Purpur-Binden trägst.
Der Himmel konte dich nicht herrlicher beglücken
Als daß du Ehren-satt dich so zur Ruhe legst.
Du tapfferer Soldat der in den ersten Jahren
Sich bald ins Feld gemacht und Rauch und Dampff gesehn
Viel Ungemach erduldt viel Ungelück erfahren
Verlacht Hitz oder Kält und scharffer Winde wehn
Bist von der Picken an zum Hauptmanns-Stab gestiegen:
Ach wie viel beissen nicht eh’ diß geschicht in Sand!
Und deine Tapfferkeit in den so vielen Zügen
Hat zwar der Freund gerühmt noch mehr der Feind erkant.
Es preiset Freyberg noch den Löwen-Muth bey Stürmen
Wie dein bewährter Arm so manchen hat gestürtzt
Wie deine Wachsamkeit bey schon erstiegnen Thürmen
Dem eingefallnem Volck den fernern Weg verkürtzt.
Brieg siht dich noch behertzt aus seinen Mauren setzen
Und wie dein blasser Arm so unermüdet schlacht
Ja springt die Mine gleich sie kan dich nicht verletzen
Weil GOttes Güttigkeit auch über Helden wacht.
Du Edler Krieges-Mann der keinen Feind gescheuet
Dem Fechten nur ein Spiel und ein Ergetzen hieß:
Es ist mehr als bekant wie sich dein Hertz erfreuet
Wenns an ein Treffen gieng und man zu Felde bließ.
Wer zweymal zwantzig Jahr so als wie du gedienet
Und für des Käisers Heil die Waffen hat geführt
Ist sicher daß sein Ruhm in den Geschichten grünet
Und ihn die Nachwelt selbst mit Sieges-Lorbern ziert.
Wie schwer der Krieg auch ist so lohnet doch den Mühen
Nach ausgestandnem Kampff ein unvergänglich Ruhm.
Diß ist der Purpur-Rock den Helden bloß anziehen
Und hoher Geister nur ihr rechtes Eigenthum.
Achilles lebt bey uns man rühmet Hectors Thaten
Und Alexanders Ruhm ist noch die Welt zu klein.
Ja Cäsars tapffer Arm und kluger Witz im Rathen
Macht daß er kont zu Rom der erste Käiser seyn.
Und diese sind mit Recht Schutz Götter auch zu nennen
So für das Vaterland aufsetzen Muth und Blut.
Es muß die Policey sich Schuldnerin erkennen
Erhaltne Freyheit bleibt doch nur das höchste Gut.
Nun Werthster
Wird gleichfalls auff der Welt in vieler Hertzen blühn.
Brieg wil aus Liebes-Pflicht dir Leid-Cypressen schencken
Und über deinen Tod den Klage-Rock anziehn.
Denn als des Fürsten Huld zum Hauptmann dich erkohren
So wünscht es unter dir in Ruh geschützt zu seyn:
Und diese Hoffnung hat die Folge nicht verlohren
Jhr Wünschen traff zugleich mit deinen Wercken ein.
Biß Breßlau dich zuletzt in ihre Mutter Gräntzen
Zurücke wieder rufft und deine Dienst erkennt
Ja den erworbnen Ruhm noch weiter zu bekräntzen
Dich zur gemeiner Stadt Wachtmeister hat ernennt.
Du hast auch diesem Ampt gewehrsam dich gezeiget.
Doch weil des Mondens Licht nur was vergänglich schaut
Der Anfang jederzeit zu seinem Ende steiget
Und ihm der arme Mensch nichts Ewiges hier baut;
So hat da dich kein Bley kein Pulver können fällen
Die Glieder-Henckerin die Gicht noch hingericht.
Die konte durch ihr Weh das Leben so vergällen
Daß keine Folter-Banck gleicht diesen Martern nicht.
Erbarmens ist es werth. Der Mensch der alles zwinget
Dem Erde See und Lufft muß zu Gebothe stehn
Wird thun es Feinde nicht von Kranckheit doch umbringet
Und muß in einem Nun zu seinem Grabe gehn.
Wiewol dein Helden-Muth der hatte sich verbunden
Mit wahrer Glaubens-Art.
Daß diese so GOtt liebt nie ohne Streich und Wunden
Daß unser Lebens-Ziel steht in des HErren Hand.
Der dich aus Mutter-Leib so wunderbar geführet
Würd auff der letzten Fahrt auch dein Begleiter seyn.
Wol! Du hast seine Treu im Ende noch gespüret
Und schläffst in Fried und Ruh mit deinen Vätern ein.
Du Seel' ger Hauptmann Du hast ritterlich gerungen
Und manchen tapffern Streich auff deinen Feind vollführt
Jetzt bistu durch den Tod zum Leben eingedrungen
Und trägst den Sieges-Krantz der doppelt dir gebührt.