Ehren-Gedächtnüß Jungf. A. S. v. J. den 31. Jenner 1677.
Hochedle daß ihr itzt mit anverwantem Klagen
Den letzten Ehren-Dienst und Liebes-Pflicht legt ab
Und
Und schickt die kalte Leich’ ins Haus der Ruh das Grab
Verdient nicht schlechtes Lob. Es heischt es das Gesetze
So GOtt und die Natur uns in die Brust gelegt
Daß man der
Und daß in Seel und Hertz man ihr Gedächtnüß trägt.
Es ist ein toller Wahn von den verdammten Heyden
Die die Beerdigung am wenigsten geacht
Und nichts darnach gefragt ob brennen reissen schneiden
Hat auß dem todten Leib ein lauter nichts gemacht.
Nein Gottes Eben-Bild und seiner Hand Geschöpffe
Muß nicht wie schlechter Staub seyn in die Lufft gestreut
Hat das noch blinde Rom geehrt sein’ Aschen-Töpffe
Und gar das Grab genennt ein Haus der Ewigkeit:
Wie vielmehr sollen wir die abgelebten Glieder
Der allgemeinen Schoß der Erden anvertraun.
Gesichert durch den Trost der Höchste giebt sie wieder
Die Hütte die er bricht die kan er neu auffbann.
Denn sind die Gräber auch ein Denckmahl unsrer Ehren
Wobey ein ewig Ruhm mit hellen Augen wacht
Wo offt die Tugend pflegt den Wanders-Mann zu lehren
Daß hoher Thaten Preiß nicht fault ins Grabes Nacht.
Und weiter sind sie auch ein kennbahr Liebes-Zeichen
So Angesipptes Blut einander setzen sol
Wer weiß nicht wie so hoch Egyptens Säulen reichen
Und was vor Schrifften trug das göldne Capitol
Wir Ertz und Marmel noch die reine Treu benennen
Uhrhebern ihrer Zier beharrlich danckbar seyn
Wie man die Liebe sieht noch auß der Asche brennen
Und wo sonst nichts mehr redt so redt der Leichenstein.
Hoch-edle wenn ihr nun mit Adlichem Gepränge
(ster ehrt
Nach Stand und nach
So ists der Ahnen Ruhm und ihrer Tugend Mänge
Die euch den werthen Sarch zu schmücken hat gelehrt.
Jhr keuscher Jungfern-Krantz sucht diß zum Eigenthume
Wozu die Gottes-Furcht die weisse Seiden schenckt
Die Engel heissen sie itzt auserwehlte Muhme
Die an die Lust der Welt ihr Hertze nie gelenckt.
Was ist die Keuschheit selbst? Ein Zweig vom Paradiese
Ein Kleinod das den Leib doch mehr die Seele ziert.
Ein Purpur deß Geschlechts und Blumen-volle Wiese
Die in die Nachbarschafft der Engel uns eiuführt.
Die auff der Erden noch uus diesen Vorschmack giebet
Der in dem Himmel sonst die Heiligen erquickt.
Ein Glaube der bezeigt wie hoch er GOtt geliebet
Ein Uhr-Werck das niemals auß dem
In solcher Einsamkeit und Engel-gleichem Stande
Beschloß die
Gekränckt von keiner Noth gequält von keinem Brande
Den der Begierden Feur und Flamme von sich streut
Jhr Garten war ein Feld Gottseeliger Gedancken
Wo eintzig nur geblüht der Tugend Ehren-Preiß.
Jhr Leben Schnecken-gleich das vorgesetzte Schrancken
Und feines Hauses Dach nie zu verlassen weiß.
Sie kante nicht die Welt und ihre schlaue Rencke
Wie unter einem Kuß Gifft der Verleumbdung steckt
Wie an dem Seil der Lust ein Garn deß Todeshencke
Und die Verstellungs-Kunst der Menschen Sitten deckt.
So offt der Frühling sich gezeigt mit seinen Schätzen
Den Bäumen Amber-Schnee den Blumen Purpur gab
So konte sich ihr Aug an diesem Schmuck ergetzen
Und brach die Erstlinge von Chloris Kindern ab.
Ließ wie pflegt zu geschehn das Frauen-Zimmer lieben
Warff was ergetzen kan verächtlich von sich weg
Indem sie kräfftig schloß daß Lieben nur Betrüben
Und zu der wahren Ruh der Sinnen nicht ein Zweck.
Jhr unbefleckter Geist trug nur an dem Gefallen
Was edle Tugend lehrt und Zucht und Demuth ziert.
Daher ob sie gleich offt geschmeckt des Creutzes Gallen
So hat den Vorsatz doch kein Wanckel-Muth berührt.
Sie glaubte daß sie GOtt dem sie als Braut geschworen
Mit welchem sie sich auch in Ewigkeit vermählt
Zu gar weit grössrer Ehr und Herrligkeit erkohren
Als die ein sterblich Mensch auff dieser Erden zehlt.
Denn was ist unser Thun? ein Marck voll Angst und Sorgen
Ein Wechsel wo uns Leid für Freuden wird gewehrt:
Ein ungewisser Tag und schwartz-gewölckter Morgen
Der eh’ der Mittag kommt in Donner sich verkehrt.
Sind wir nicht Läuffern gleich die zu dem Ziele rennen?
Sind wir nicht ein solch Rad das auff- und abwerts steigt?
Wol gar ein solches Licht das selbst sich muß verbrennen:
Ein Quell der wenn er kömmt auch trucknet und verseigt.
Ach mehr als Hochbeglückt! Wer in so reinem Stande
Des Lebens engen Raum GOtt seinem Schöpffer weyht
Weiß daß er Pilgram ist in einem frembden Lande
Biß ihm Jerusalem den Friedens-Ort anbeut.
Die
Worinn sie Keuschheit längst und Tugend hat versetzt.
Nun aber ist sie erst ein würdig Mittglied worden
Das alle Pracht der Welt für Rauch und Rebel schätzt.
Jhr Wohlgebohrner Stamm führt in dem Wapen Eschen
Weil die verborgne Krafft hegt mit der Schlange Streit.
So wird auch ihren Ruhm und Tugend nicht verleschen
Der so sonst alles schilt der Schlangen-arge Neid.
Hoch-Adeliches Zwey und Außbund kluger Frauen
Die ihr der Schwester Sarch mit treuen Zähren netzt.
Jhr Ohmen die ihr hier last gleiches Beyleid schauen
Und eurer Muhmen Tod nie aus den Augen setzt
Ziert wie es billich ist mit keuschen Lorber-Kronen
Jhr Ehren-volles Grab denn ihr Gedächtnüß blüht
Und ihre Seele lebt ob schon der Leib muß wohnen
Jm Reich der schwartzen Nacht und keine Sonne siht.
Es ist ein grosser Ruhm hier wol gebohren werden
Und noch ein grösser Schmuck wer Tugendreich gelebt
Ja unter Ehr und Ruhm verläst das Rund der Erden
Und nach dem Sieges-Krantz der Himmels-Freuden strebt.