Ehren-Gedichte Als Hr. F. G. Magister in Leiptzig wurde.
Jhr Tichter Schlesiens so theils verblichen sind
(nen
Theils noch mit Fleisch und Blut die Sterbligkeit bewoh-
Vergöttertes Geschlecht nicht nur an Ehren-Kronen
Und Sieges-Palmen reich: wo noch mein Wunsch ge-
Und zu dem Ziele trifft so segne meine Reimen
Gib zu daß Saft und Krafft aus deiner Gottheit käumen.
Wirff hochbeglücktes Volck nur einen Gnaden-Strahl
Auff meine Poesie ich mag nicht Lorbern tragen;
Bleibt mir nur deine Gunst und Hold unabgeschlagen
So bin ich schon vergnügt. Der Sterne Schluß und Wahl
Heist mich auff diesen Tag den Pindus lassen stehen
Und in mein Vaterland und sein Gebürge gehen.
Hier sol mein Helikon und mein Parnassus seyn.
Jhr Wälder derer Haar kein Winters Frost zerschleiffet
Jhr Fichten die ihr auch bey strenger Kälte reiffet
Vergönnt mir eure Zier ich sammle Blumen ein
Vom grossen Riesen-Berg und wil mich selbst bekrönen:
Dürft’ auch ein neidisch Maul den schlechten Krantz verhönen?
Die Dafne ist ja sonst der Dichter schönste Braut
Und Castalis ihr Wein in dem sie sich bezechen
Was solt ich meinen Kopff mit frembden Quellen schwächen?
Ein Trunck vom Bober-Strohm machts eben wol das Kraut:
Der gibt mir einen Tranck der
Und unsrer Freundschaffts-Pflicht ein schuldig Opffer bringet.
“ Die Wirckung in der Höh vermählt die Hertzen auch
&q;In dieser Unter-Welt und bindet sie zusammen:
Uns trieb ein gleiches Feur in gleich entbranten Flammen
“der Tugend nach zugehn; Wie an dem grünen Strauch
&q;Zwey Rosen-Schwestern seyn und aneinander hängen:
So pflag sich beyder Sinn in Künsten zu vermengen.
Zumahl wenn
Und dessen von
Von Grund-auß richtig wieß: Wenn
Der Schwan Elisiens und aller Weißheit Preiß
Hertz-dringend gngestimmt bald die Natur durchgangen
Bald Himmel Erd’ und See zumessen angefangen.
Wie aber fällt mir denn der seel’ge
Ein Mann von theurem Witz und seltnen Wissenschafften
An dem sich grosse Leut’ und Fürsten offt vergafften
Dein Lehrer meiner auch ein wandlend Bücher-Hauß
Und lebend Helikon den keine Grufft verdecket
Weil seiner Schrifften Werth was todt war aufferwecket.
Den schmertzlichen Verlust ob seinem frühen Tod
Er setzet
Ein
Zum
Daß er in Abgrund stürtzt sein Leit-Stern wird ihm weisen
Wie man bey Seyllen sol den Weg behutsam reisen.
Sey tausend-mahl gegrüst mein
Jtzt ehrt dich dieses Blat und fügt es das Gelücke
Daß ich dich Gratie in meine Armen drücke
So soltu scheinbar sehn wie es die Seele meint:
“denn Briefe sind doch stumm und haben keine Zungen
Wiewol mir grosser Nutz von deiner Faust entsprungen.
Die Geister haben nun mein
Zu
Daß du nach Adlers-Art bist munter außgeflogen
Die Sonne anzusehn die Leiptzig prächtig weist
Dein unverwandtes Aug’ erlitt’ ihr blitzend Strahlen
Gennß der Weißheit Kern ließ andern leere Schalen.
Apollo nahm dich auff als rechtgebornes Kind
“und wahr-erzeugten Sohn; Denn dieses sind nur Affen
&q;Und srembde Wächsel-Bälg’ aus ihm niemahls erschaffen
&q;Die Lastern zugethan der Künste Feinde sind
&q;Die mehr den Feder-Busch als Feder-Kiel gebrauchen
&q;Und lassen ihre Zeit in Müssiggang verrauchen.
&q;Den für ein gutes Buch ein schönes Tuch beliebt
&q;Jhr Grieffel ist ein Stab ans Spanien gebohren
&q;Man gönnt Sirenen mehr als den Camenen Ohren
&q;Bevor wenn Chloris Blick und Lächlen von sich giebt:
&q;Bret-Würffel-Karten-Spiel und weiter Gläser Menge
&q;Sind statt der Lieberey das Bläcken die Gesänge.
Mein
Jm Pleiß-Athen gelebt ein Buch war deine Freude
Dein gantzer Auffenthalt: dein Trost und Augen-Weide
Bestund auff klugem Fleiß und unverdroßner Müh
In Schrifften zu ersehn wo Griechen-Land geblieben
Was Rom von seinem Stuhl und Hoheit weggetrieben
Das zehlstu ingesammt uns auff den Fingern her
Durch-kreuchst das Alterthum schlägst Jahr- und Zeiten-Bücher
Zu beßrer Nachricht auff machst deine Meynung sicher
Mit Gründen der Vernunfft bejahst nichts ohngefähr
Und endlich wunderstu die Stürtzung grosser Reiche
Wie diß und jenes fällt sein Mörder seine Leiche.
Nach dem Athen verging verflog der Künste Ruhm
Ins alte Latlen mit Römischem Gelücke
(und diß war schon bestimt vom ewigen Geschicke)
Wie da der
Und Schauplatz solte seyn das drey-mahl drey Geschwister
Fand Tempel und Altar Weih-Lichter Opffer Priester.
Der Redner Zunge brach wie Donner-Schläge loß
Bewegte Land und Volck die süssen Nachtigallen
Hört jederman bestürtzt ein holdes Lied erschallen:
Der himmlische
Und andrer Seelen mehr anjetzo zu geschweigen
Die noch ihr Eben-Bild der Nach-Welt können zeigen.
“gleich wie ihr Honig-Thumb und wächsern Königreich
&q;Die keusche Jungfer-Bien im grünen Lentz erbauet
&q;Seugt frische Blätter aus die Perlen-weiß betauet
&q;Vom kühlen Morgen seyn beist bald der Nelcken bleich
&q;Und rothes Kleid entzwey benagt Lilg’ und Violen
&q;Biß sie die süsse Bürd’ auch kan nach Hause holen:
So hastu hier und da mein
Der Wörter Reinligkeit der Reden Kunst-Gepränge
Der Sprüche weise Lehr der Lehrer Blumen-Menge
Die Anmuht von dem Laut der Aus-sprach Eigenschafft
Biß daß dein Römisch dich
Und
Der edle
Und Klugen halber GOtt hieß dich den Tod verachten
Und rieff groß mütig zu den jenen die da schmachten
In strenger Marter-Qual er schriebe Zorn und Zwist
Gewisse Schrancken für wieß’ dir ein selig Leben
Samt der Gemühtes Ruh die selten uns gegeben.
Welt-weiser Pallas-Sohn und nicht nur überhin
“wie mancher ist gelehrt: ein paar Gesetze wissen
&q;Und eine Predigt thun der
&q;Und zugesellet fein kan auch ein niedrig Sinn
&q;Der an der Erden kreucht den Staub des Pöfels lecket
&q;Und wie
Wer aber so wie du der Künste Grund durchsucht
Und ihre Treffligkeit in sein Gehirne schraubet
Marck Adern Blut und Safft aus jedern Schrifften klaubet
Und sich zu eigen macht der schöpffet wahre Frucht
Ja selbst die Ewigkeit von blühendem Gerüchte
Daß keiner Wetter Brunst noch stürmen macht zu nichte.
“der Nachklang ist allein ein rechtes Himmel-Brodt
&q;Und Ambrosiner-Wein für hoch gestirnte Helden.
&q;Es muß
&q;Wenn schon der Leib verfault der Ruhm ist doch ein Boht
&q;Und fliegender Mercur biß an der Sternen-Bette
&q;Er preist die Schätzbarkeit der Gaben in die Wette.
Als nun der Hunnen Wuht Rom in den Brand gelegt
Die Thronen umbgestürtzt der Purpur-Rock zerrissen
Die Scepter in den Koht und Tyber-Strohm geschmissen
So hat der Helikon sich wiederumb bewegt
Ist in Germanien zu unsern Teutschen kommen
Die ihn voll Freud und Lust großmütig auffgenommen.
O unerforschter Raht den GOttes Rechnung macht!
Die Faust so vor von Raub und Menschen-Blut getroffen
Ergreifft das Dinten-Faß sucht wider alles hoffen
Des
Und zeucht die Sanfftmuht an baut Musen Wohn-Palläste
Ehrt liebet küsst und hertzt die angenehmen Gäste.
Sie sind hinwiederumb verschwenderisch geneigt
Tuiscens tapffren Stamm: was von Gelehrsamkeiten
Und Schätzen übrig war was von Vollkommenheiten
Noch unter ihrer Brust das haben sie gezeigt
Und an das Liecht gebracht: der Himmel selbstenlachte
Als unser Teutsches Blut so scharffnach Künsten dachte.
Der theure
Wie stieg er nicht empor? der Held von
Der grosse
Auff unser Teutschland zu.
Mehr als ein Krieges-Heer bey Königen verrichten
Wenn er den Glaubens-Streit in Engelland hilfft schlichten.
Dies’ und noch andre mehr die mir die Zeit verbeuht
Zuschlissen in den Reim sind
Zu deiner Wissenschafft du selbst ein eifrig Geitzer
Hast ihnen nachgefolgt und ihrer Göttligkeit
Gedancken ausgeforscht so daß ich gäntzlich schliesse
Wie künfftig gleiche Frucht von dir entspriessen müsse.
Ich bilde mir von dir was ungemeines ein
Du Perle Schlesiens dein Fleiß wird noch erwerben
Was nicht vergänglich ist du kanst nicht gar verderben
Dein bestes Theil das lebt ob schon ein schwartzer Schrein
“dein Leib zu Grabe trägt. So können wir durch Schrifften
&q;Ein Leben das nicht stirbt uns bey der Nach-Welt stifften.
&q;Ich weiß daß dein Gemüht für Durst der Ewigkeit
&q;Wie Oel in Ampeln brennt das Blut in Adern springet
Und weder Schlaff noch Ruh’ der Sinnen Aug’ umringet.
&q;Diß macht die Himmels-Brunst so uns den Muht verleiht
&q;Was ewiges zu thun. Mein
&q;Gläntzt wie die Morgen-Röth’ in ihrem Purpur-Lichte.
Der Tag der folgen wird verspricht uns reines Gold
Und einen Sonnen-Blick der
Und überleuchten wird! wirfdeine Gegen-Strahlen
Auff diesen neuen Stern und bleib ihm immer hold
Er mehrt gewißdie Zahl in dem berühmten Orden
Worinnen Sterbliche den Engeln gleiche worden.
Mein liebes Vaterland Europens Paradiß
Und irrdisch Himmel-Reich vom Wachs humb aller Gaben
Gewünschter Fruchtbarkeit biß an den Mond’ erhaben
Frolocke deinem
Trägt dieser Jason weg dein
Den Ehren-Gipfel auff und ist nu recht
Ich seh’ ein seelges Volck in ungezählter Reih
Aus dem Gebirge gehn es häget Freuden-Täntze
Umb unsern Bober-Fluß ihr Scheitel träget Kräntze
Vom frischen Wintergrün kein Lorber ist darbey
Weil sich hier die Natur so mütterlich erzeiget
Daß man nicht allererst nach Daffnes-Zweigen steiget.
Der Hoheit lichter Blitz verblendet mein Gesicht
Doch schau’ ich
In diesem Helden-Chor ein mächtig Seiten-rührer
Und künstlicher Poet auch
Apollens rechter Arm weil Kräuter Klang und Lieder
Jhn und sein gantz Geschlecht der Erden bringen wieder.
Tilenus singet mit sein Römisches Latein
Kennt noch die güldne Zeit;
Den angebohrnen Muht:
Was herrliche Gedicht und schlimme Reimen seyn
Biß endlich
Bringt teutscher Sprache Glantz zu ihrem rechten Sprunge.
Dreyfächtiger
Ich werde gantz erhitzt nur auff dein Angedencken
Schatz über alles Gut den uns das Schicksal schencken
Und eignen hat gewolt: Mein stumpffer Feder-Kiel
Steht still und ist entzückt. Du bist genug gepriesen:
So hab ich anderswo dir auch schon Ehr erwiesen.
Die Folger deiner Leyr sind eben wol bekand
Jhr Ruhm durchfährt die Welt mit weissen Sieges-Pferden
Zwey Köpfe lassen mich noch nicht stillschweigend werden.
Wolan es sey gewagt mein heisser Andachts-Brand
Vermischt mit Ehren-Furcht brech aus in seine Flammen
Es wird das
“doch Götter hat man ja mit schweigen mehr geehrt
&q;Als durch ein laut Gewäsch’. Ich schliesse Mund und Lippen
Sonst stöst mein schwaches Schiff an toller Freyheit Klippen
Und scheitert auff den Grund. Wer was genaue hört
Merckt meiner Clio Wunsch wie sie so furchtsam stehet
Und schamroth daß ihr nicht der
“der name den das Haupt der Erden selber liebt
&q;Und den die Majestät mit höchsten Würden zieret
&q;Der Geist der Fürsten offt das Hertze hat gerühret
&q;Der
Genug und mehr als viel: man siht den Demant brennen
Und kan die helle Glut bey dunckler Nacht erkennen.
Was dieser
Den grundgelahrten
Ein Außzug beyder Seel’ in zweyer Leiber Höle)
Das kömmt noch Schlesien hinfüro dir zu gut;
O Sonnen teutscher Pracht holdseliges Gestirne
Du trägst Athen und Rom und Franckreich im Gehirne.
Nur jedes Wunder-Art und schöne sonderheit
Verzaubert meinen Geist: Wenn
Wie lauter Honigseim mit tausend Anmuths-Küssen
Cytherens eingemacht: Wenn reine Zierligkeit
Die Rosen-Worte schmückt gezuckert von der Liebe
Und die die Liebe heist Seelfänger Hertzens-Diebe.
Diß aber was den
Erschreckt die gantze Welt: wenn Cron und Throne fallen
Wenn Himmel Erde Lufft vom schwartzen Donner-Knallen
Wenn über unserm Kopff ein glüend Blitz erkracht
Gifft Dolchen Stränge Pfahl Todt Wunden Marter Brän-
Vollziehn der Zeiten Lauf und ihr erbärmlich Ende.
(de
Komm Neid und berste nu vor grüner
Nim unsern Schlesien das Vorzugs-Recht im Dichten
Jm Schreiben auch dazu; du magst so spöttisch richten
Der Wörter groben Klang der Mund-Art Barberey;
Gewiß ein Tichter fehlt und solt uns der entscheiden
So würde deine Zier das schlimste Urtheil leiden.
Nu
Tritt auf den Lehrer-Stul entde
Errege Wider-Streit laß denn dagegen sagen
Ob dein Vernunfts-Schluß so und so bestehen kan
Verewige dich selbst: du bist dazu geweihet.
“von oben kömt die Krafft so uns den Muht verleihet.
Seit daß mir
So starb mein Vorsatz mit der dir nicht unverborgen
“als meinem treusten ist: doch macht ein leuchtend Morgen
&q;
Was angelobt ins Werck; wo nicht so mag es bleiben:
Du Geißler wirst uns noch was recht erbaulichs schreiben.
Gedencke meiner auch mein Landsman und mein Freund
Vergiß die Reden nicht so von dem Nach-Ruhm waren:
Wie guter Leimund sey ein Schmuck berümter Bahren:
Wie
Die Nimfe lacht dich an umbhalse sie hinwieder
Perenna dencket schon auff eure Hochzeit-Lieder.
Jhr Faunen
Singt mit ein
Glück zu! Glück zu! Glück zu! weil ich vom langen Reimen
Fast müde worden bin so nim doch dieses an
Mein
Doch gleichwol sihstu hier die liebste Dienst-Begierde.