Ehren-Gedichte Als Hr. F. G. Magister in Leiptzig wurde.

By Heinrich Mühlpfort

Jhr Tichter Schlesiens so theils verblichen sind

(nen

Theils noch mit Fleisch und Blut die Sterbligkeit bewoh-

Vergöttertes Geschlecht nicht nur an Ehren-Kronen

Und Sieges-Palmen reich: wo noch mein Wunsch ge-

Und zu dem Ziele trifft so segne meine Reimen

Gib zu daß Saft und Krafft aus deiner Gottheit käumen.

Wirff hochbeglücktes Volck nur einen Gnaden-Strahl

Auff meine Poesie ich mag nicht Lorbern tragen;

Bleibt mir nur deine Gunst und Hold unabgeschlagen

So bin ich schon vergnügt. Der Sterne Schluß und Wahl

Heist mich auff diesen Tag den Pindus lassen stehen

Und in mein Vaterland und sein Gebürge gehen.

Hier sol mein Helikon und mein Parnassus seyn.

Jhr Wälder derer Haar kein Winters Frost zerschleiffet

Jhr Fichten die ihr auch bey strenger Kälte reiffet

Vergönnt mir eure Zier ich sammle Blumen ein

Vom grossen Riesen-Berg und wil mich selbst bekrönen:

Dürft’ auch ein neidisch Maul den schlechten Krantz verhönen?

Die Dafne ist ja sonst der Dichter schönste Braut

Und Castalis ihr Wein in dem sie sich bezechen

Was solt ich meinen Kopff mit frembden Quellen schwächen?

Ein Trunck vom Bober-Strohm machts eben wol das Kraut:

Der gibt mir einen Tranck der

Und unsrer Freundschaffts-Pflicht ein schuldig Opffer bringet.

“ Die Wirckung in der Höh vermählt die Hertzen auch

&q;In dieser Unter-Welt und bindet sie zusammen:

Uns trieb ein gleiches Feur in gleich entbranten Flammen

“der Tugend nach zugehn; Wie an dem grünen Strauch

&q;Zwey Rosen-Schwestern seyn und aneinander hängen:

So pflag sich beyder Sinn in Künsten zu vermengen.

Zumahl wenn

Und dessen von

Von Grund-auß richtig wieß: Wenn

Der Schwan Elisiens und aller Weißheit Preiß

Hertz-dringend gngestimmt bald die Natur durchgangen

Bald Himmel Erd’ und See zumessen angefangen.

Wie aber fällt mir denn der seel’ge

Ein Mann von theurem Witz und seltnen Wissenschafften

An dem sich grosse Leut’ und Fürsten offt vergafften

Dein Lehrer meiner auch ein wandlend Bücher-Hauß

Und lebend Helikon den keine Grufft verdecket

Weil seiner Schrifften Werth was todt war aufferwecket.

Den schmertzlichen Verlust ob seinem frühen Tod

Er setzet

Ein

Zum

Daß er in Abgrund stürtzt sein Leit-Stern wird ihm weisen

Wie man bey Seyllen sol den Weg behutsam reisen.

Sey tausend-mahl gegrüst mein

Jtzt ehrt dich dieses Blat und fügt es das Gelücke

Daß ich dich Gratie in meine Armen drücke

So soltu scheinbar sehn wie es die Seele meint:

“denn Briefe sind doch stumm und haben keine Zungen

Wiewol mir grosser Nutz von deiner Faust entsprungen.

Die Geister haben nun mein

Zu

Daß du nach Adlers-Art bist munter außgeflogen

Die Sonne anzusehn die Leiptzig prächtig weist

Dein unverwandtes Aug’ erlitt’ ihr blitzend Strahlen

Gennß der Weißheit Kern ließ andern leere Schalen.

Apollo nahm dich auff als rechtgebornes Kind

“und wahr-erzeugten Sohn; Denn dieses sind nur Affen

&q;Und srembde Wächsel-Bälg’ aus ihm niemahls erschaffen

&q;Die Lastern zugethan der Künste Feinde sind

&q;Die mehr den Feder-Busch als Feder-Kiel gebrauchen

&q;Und lassen ihre Zeit in Müssiggang verrauchen.

&q;Den für ein gutes Buch ein schönes Tuch beliebt

&q;Jhr Grieffel ist ein Stab ans Spanien gebohren

&q;Man gönnt Sirenen mehr als den Camenen Ohren

&q;Bevor wenn Chloris Blick und Lächlen von sich giebt:

&q;Bret-Würffel-Karten-Spiel und weiter Gläser Menge

&q;Sind statt der Lieberey das Bläcken die Gesänge.

Mein

Jm Pleiß-Athen gelebt ein Buch war deine Freude

Dein gantzer Auffenthalt: dein Trost und Augen-Weide

Bestund auff klugem Fleiß und unverdroßner Müh

In Schrifften zu ersehn wo Griechen-Land geblieben

Was Rom von seinem Stuhl und Hoheit weggetrieben

Das zehlstu ingesammt uns auff den Fingern her

Durch-kreuchst das Alterthum schlägst Jahr- und Zeiten-Bücher

Zu beßrer Nachricht auff machst deine Meynung sicher

Mit Gründen der Vernunfft bejahst nichts ohngefähr

Und endlich wunderstu die Stürtzung grosser Reiche

Wie diß und jenes fällt sein Mörder seine Leiche.

Nach dem Athen verging verflog der Künste Ruhm

Ins alte Latlen mit Römischem Gelücke

(und diß war schon bestimt vom ewigen Geschicke)

Wie da der

Und Schauplatz solte seyn das drey-mahl drey Geschwister

Fand Tempel und Altar Weih-Lichter Opffer Priester.

Der Redner Zunge brach wie Donner-Schläge loß

Bewegte Land und Volck die süssen Nachtigallen

Hört jederman bestürtzt ein holdes Lied erschallen:

Der himmlische

Und andrer Seelen mehr anjetzo zu geschweigen

Die noch ihr Eben-Bild der Nach-Welt können zeigen.

“gleich wie ihr Honig-Thumb und wächsern Königreich

&q;Die keusche Jungfer-Bien im grünen Lentz erbauet

&q;Seugt frische Blätter aus die Perlen-weiß betauet

&q;Vom kühlen Morgen seyn beist bald der Nelcken bleich

&q;Und rothes Kleid entzwey benagt Lilg’ und Violen

&q;Biß sie die süsse Bürd’ auch kan nach Hause holen:

So hastu hier und da mein

Der Wörter Reinligkeit der Reden Kunst-Gepränge

Der Sprüche weise Lehr der Lehrer Blumen-Menge

Die Anmuht von dem Laut der Aus-sprach Eigenschafft

Biß daß dein Römisch dich

Und

Der edle

Und Klugen halber GOtt hieß dich den Tod verachten

Und rieff groß mütig zu den jenen die da schmachten

In strenger Marter-Qual er schriebe Zorn und Zwist

Gewisse Schrancken für wieß’ dir ein selig Leben

Samt der Gemühtes Ruh die selten uns gegeben.

Welt-weiser Pallas-Sohn und nicht nur überhin

“wie mancher ist gelehrt: ein paar Gesetze wissen

&q;Und eine Predigt thun der

&q;Und zugesellet fein kan auch ein niedrig Sinn

&q;Der an der Erden kreucht den Staub des Pöfels lecket

&q;Und wie

Wer aber so wie du der Künste Grund durchsucht

Und ihre Treffligkeit in sein Gehirne schraubet

Marck Adern Blut und Safft aus jedern Schrifften klaubet

Und sich zu eigen macht der schöpffet wahre Frucht

Ja selbst die Ewigkeit von blühendem Gerüchte

Daß keiner Wetter Brunst noch stürmen macht zu nichte.

“der Nachklang ist allein ein rechtes Himmel-Brodt

&q;Und Ambrosiner-Wein für hoch gestirnte Helden.

&q;Es muß

&q;Wenn schon der Leib verfault der Ruhm ist doch ein Boht

&q;Und fliegender Mercur biß an der Sternen-Bette

&q;Er preist die Schätzbarkeit der Gaben in die Wette.

Als nun der Hunnen Wuht Rom in den Brand gelegt

Die Thronen umbgestürtzt der Purpur-Rock zerrissen

Die Scepter in den Koht und Tyber-Strohm geschmissen

So hat der Helikon sich wiederumb bewegt

Ist in Germanien zu unsern Teutschen kommen

Die ihn voll Freud und Lust großmütig auffgenommen.

O unerforschter Raht den GOttes Rechnung macht!

Die Faust so vor von Raub und Menschen-Blut getroffen

Ergreifft das Dinten-Faß sucht wider alles hoffen

Des

Und zeucht die Sanfftmuht an baut Musen Wohn-Palläste

Ehrt liebet küsst und hertzt die angenehmen Gäste.

Sie sind hinwiederumb verschwenderisch geneigt

Tuiscens tapffren Stamm: was von Gelehrsamkeiten

Und Schätzen übrig war was von Vollkommenheiten

Noch unter ihrer Brust das haben sie gezeigt

Und an das Liecht gebracht: der Himmel selbstenlachte

Als unser Teutsches Blut so scharffnach Künsten dachte.

Der theure

Wie stieg er nicht empor? der Held von

Der grosse

Auff unser Teutschland zu.

Mehr als ein Krieges-Heer bey Königen verrichten

Wenn er den Glaubens-Streit in Engelland hilfft schlichten.

Dies’ und noch andre mehr die mir die Zeit verbeuht

Zuschlissen in den Reim sind

Zu deiner Wissenschafft du selbst ein eifrig Geitzer

Hast ihnen nachgefolgt und ihrer Göttligkeit

Gedancken ausgeforscht so daß ich gäntzlich schliesse

Wie künfftig gleiche Frucht von dir entspriessen müsse.

Ich bilde mir von dir was ungemeines ein

Du Perle Schlesiens dein Fleiß wird noch erwerben

Was nicht vergänglich ist du kanst nicht gar verderben

Dein bestes Theil das lebt ob schon ein schwartzer Schrein

“dein Leib zu Grabe trägt. So können wir durch Schrifften

&q;Ein Leben das nicht stirbt uns bey der Nach-Welt stifften.

&q;Ich weiß daß dein Gemüht für Durst der Ewigkeit

&q;Wie Oel in Ampeln brennt das Blut in Adern springet

Und weder Schlaff noch Ruh’ der Sinnen Aug’ umringet.

&q;Diß macht die Himmels-Brunst so uns den Muht verleiht

&q;Was ewiges zu thun. Mein

&q;Gläntzt wie die Morgen-Röth’ in ihrem Purpur-Lichte.

Der Tag der folgen wird verspricht uns reines Gold

Und einen Sonnen-Blick der

Und überleuchten wird! wirfdeine Gegen-Strahlen

Auff diesen neuen Stern und bleib ihm immer hold

Er mehrt gewißdie Zahl in dem berühmten Orden

Worinnen Sterbliche den Engeln gleiche worden.

Mein liebes Vaterland Europens Paradiß

Und irrdisch Himmel-Reich vom Wachs humb aller Gaben

Gewünschter Fruchtbarkeit biß an den Mond’ erhaben

Frolocke deinem

Trägt dieser Jason weg dein

Den Ehren-Gipfel auff und ist nu recht

Ich seh’ ein seelges Volck in ungezählter Reih

Aus dem Gebirge gehn es häget Freuden-Täntze

Umb unsern Bober-Fluß ihr Scheitel träget Kräntze

Vom frischen Wintergrün kein Lorber ist darbey

Weil sich hier die Natur so mütterlich erzeiget

Daß man nicht allererst nach Daffnes-Zweigen steiget.

Der Hoheit lichter Blitz verblendet mein Gesicht

Doch schau’ ich

In diesem Helden-Chor ein mächtig Seiten-rührer

Und künstlicher Poet auch

Apollens rechter Arm weil Kräuter Klang und Lieder

Jhn und sein gantz Geschlecht der Erden bringen wieder.

Tilenus singet mit sein Römisches Latein

Kennt noch die güldne Zeit;

Den angebohrnen Muht:

Was herrliche Gedicht und schlimme Reimen seyn

Biß endlich

Bringt teutscher Sprache Glantz zu ihrem rechten Sprunge.

Dreyfächtiger

Ich werde gantz erhitzt nur auff dein Angedencken

Schatz über alles Gut den uns das Schicksal schencken

Und eignen hat gewolt: Mein stumpffer Feder-Kiel

Steht still und ist entzückt. Du bist genug gepriesen:

So hab ich anderswo dir auch schon Ehr erwiesen.

Die Folger deiner Leyr sind eben wol bekand

Jhr Ruhm durchfährt die Welt mit weissen Sieges-Pferden

Zwey Köpfe lassen mich noch nicht stillschweigend werden.

Wolan es sey gewagt mein heisser Andachts-Brand

Vermischt mit Ehren-Furcht brech aus in seine Flammen

Es wird das

“doch Götter hat man ja mit schweigen mehr geehrt

&q;Als durch ein laut Gewäsch’. Ich schliesse Mund und Lippen

Sonst stöst mein schwaches Schiff an toller Freyheit Klippen

Und scheitert auff den Grund. Wer was genaue hört

Merckt meiner Clio Wunsch wie sie so furchtsam stehet

Und schamroth daß ihr nicht der

“der name den das Haupt der Erden selber liebt

&q;Und den die Majestät mit höchsten Würden zieret

&q;Der Geist der Fürsten offt das Hertze hat gerühret

&q;Der

Genug und mehr als viel: man siht den Demant brennen

Und kan die helle Glut bey dunckler Nacht erkennen.

Was dieser

Den grundgelahrten

Ein Außzug beyder Seel’ in zweyer Leiber Höle)

Das kömmt noch Schlesien hinfüro dir zu gut;

O Sonnen teutscher Pracht holdseliges Gestirne

Du trägst Athen und Rom und Franckreich im Gehirne.

Nur jedes Wunder-Art und schöne sonderheit

Verzaubert meinen Geist: Wenn

Wie lauter Honigseim mit tausend Anmuths-Küssen

Cytherens eingemacht: Wenn reine Zierligkeit

Die Rosen-Worte schmückt gezuckert von der Liebe

Und die die Liebe heist Seelfänger Hertzens-Diebe.

Diß aber was den

Erschreckt die gantze Welt: wenn Cron und Throne fallen

Wenn Himmel Erde Lufft vom schwartzen Donner-Knallen

Wenn über unserm Kopff ein glüend Blitz erkracht

Gifft Dolchen Stränge Pfahl Todt Wunden Marter Brän-

Vollziehn der Zeiten Lauf und ihr erbärmlich Ende.

(de

Komm Neid und berste nu vor grüner

Nim unsern Schlesien das Vorzugs-Recht im Dichten

Jm Schreiben auch dazu; du magst so spöttisch richten

Der Wörter groben Klang der Mund-Art Barberey;

Gewiß ein Tichter fehlt und solt uns der entscheiden

So würde deine Zier das schlimste Urtheil leiden.

Nu

Tritt auf den Lehrer-Stul entde

Errege Wider-Streit laß denn dagegen sagen

Ob dein Vernunfts-Schluß so und so bestehen kan

Verewige dich selbst: du bist dazu geweihet.

“von oben kömt die Krafft so uns den Muht verleihet.

Seit daß mir

So starb mein Vorsatz mit der dir nicht unverborgen

“als meinem treusten ist: doch macht ein leuchtend Morgen

&q;

Was angelobt ins Werck; wo nicht so mag es bleiben:

Du Geißler wirst uns noch was recht erbaulichs schreiben.

Gedencke meiner auch mein Landsman und mein Freund

Vergiß die Reden nicht so von dem Nach-Ruhm waren:

Wie guter Leimund sey ein Schmuck berümter Bahren:

Wie

Die Nimfe lacht dich an umbhalse sie hinwieder

Perenna dencket schon auff eure Hochzeit-Lieder.

Jhr Faunen

Singt mit ein

Glück zu! Glück zu! Glück zu! weil ich vom langen Reimen

Fast müde worden bin so nim doch dieses an

Mein

Doch gleichwol sihstu hier die liebste Dienst-Begierde.