Ehren-Lohn der treuen Diener GOttes Bey Beerdigung Hn. D. T. P. zu W. den 25. Ju...
Geh' ein du treuer Knecht zu deines HErren Freude:
Dein Lohn ist reich und schön und überschwenglich groß.
Geh’ ein und zwar begabt mit einem weissen Kleide
Der Hohepriester nimmt dich Priester in die Schos.
Du must aus Sarg und Grab dich in die Höhe schwingen
Gleichwie der Aaron that als er sein Ampt vergnügt
Und auff dem Berge Hor was GOtt schafft zu vollbringen
Durch einen sanfften Tod ward gleichsam eingewigt.
Du hast genug gekämpfft und deinen Lauff vollendet;
Nach überstand’ nem Streit theilt man ja Cronen aus.
So hast du auch dein Pfund mit Wucher angewendet
Und wachsam jederzeit bewahrt des HErren Hauß.
Auff Schweiß erfolgt der Preiß. Denn der dich hat bestellet
Lohnt wie die schnöde Welt mit keinem Undanck nicht.
Wo er ist soll sein Knecht ihm auch seyn zugesellet
Nichts kan so seelig seyn als die Verbündnüß-Pflicht.
Wer aber ist der HErr? Ein GOtt dem niemand gleichet;
Ein König dessen Macht kein Ober-Macht erkennt.
Vor dem die Sonne steht des Monden Licht erbleichet (nennt.
Der Scepter Kron und Thron Glaß Staub und Scherben
Was soll der Kuecht denn thun? Er soll sein Joch auffnehmen
Das er zum Heil der Welt längst übertragen hat;
Er soll in keinem Creutz sich des Erlösers schämen
Und glauben daß bey ihm Trost Rettung Hülff und Rath.
Bey Fürsten fällt ein Knecht gar leicht in Ungenaden:
Offt wird der treuste Dienst am wenigsten evkant.
Nein Gott wil seine Knecht als Gäste zu sich laden
Und nennt sie Botschafften zu predigen gesandt.
Ist denn der Lohn so groß? Ach freylich’ Keine Schätze
Kein Reichthum noch Gewalt kömmt der Belohnung bey.
Denn der gehalten hat sein Wort und sein Gesetze
Den macht er von dem Tod und dessen Banden frey
Und theilt mit ihm sein Reich unausgegründter Freuden:
Setzt ihn mit vollem Recht zum Himmels-Fürsten ein.
Es müh’ sich Höll’ und Welt das Bündnüß zu zerschneiden
Wo dieser HErr regiert da muß der Diener seyn.
Sehr schön ist auch der Lohn: War’ es ein Gnaden-Zeichen
Wenn Fürsten dienenden Pracht-Kleider ausgetheilt?
So muß wol Seid’ und Sammt deß Heylands Purpur weichen
Als der mit seinem Blut uns Sünder hat geheilt.
Soll der Gerecht nicht als wie die Sternen gläntzen?
Soll wer Gerechtigkeit beständig hat gelehrt
Nicht so bestralet seyn als wie die Sonn im Lentzen
Und in der Engel-Chor sein Name seyn geehrt?
Die ihre Stimme hier erhoben als Posaunen
Die des Gesetzes Schwerdt mit Helden-Muth geführt
Daß ein verstocktes Hertz darüber must’ erstaunen
Wenn ihr gerechter Grimm die Missethat berührt:
Die meld’ ich stehn nun da gekräntzt mit Sieges-Zweigen
Und ihre Arbeit ist vergeblich nicht gethan.
Jhr Glantz der Herrlichkeit wird alles übersteigen
Was die gevierdte Welt an Schönheit zeugen kan.
Unüberschwenglich groß ist auch der Lohn zu heissen
Denn die Verheissung thut der gröste Potentat;
Er spricht: Ich bin bey dir ich will aus Noth dich reissen
An Leben Ehr und Ruhm vollkommen machen satt.
Es soll dein Kindes-Kind von nichts als Wundern sagen
Und meine Hand bey dir stets unverkürtzet seyn.
Ich will im Alter dich auff Adlers-Flügeln tragen
Dein GOtt von Jugend auf biß in den schwartzen Schrein.
Weg mit Belohnungen die wir allhier geniessen
Es gleicht diß Schatten-Werck deß Himmels-Gütern nicht!
Wenn sich manch frommer Knecht hat treu zu seyn beflissen
Gibt ein undanckbar Herr ihm wol ein sau’r Gesicht.
Und wer jetzt redlich dient der wird zum Lohn gehasset;
Da offt ein Schmeichel-Maul hoch an dem Brete sitzt.
Wer Ohren melcken kan und Zeitungen aufffasset
Dem hat es gar viel mehr als Tugenden genützt.
Weg Dienste dieser Welt! Wo die Belohnung bitter
Schlecht sörglich ungewiß ja mit Gefahr verhüllt.
Wer treulich GOtt gedient den schreckt kein Ungewitter
Er weiß daß er gar viel bey seinem HErren gilt.
Entschlaffner Senior und Diener seines Willen
Der für deß HErren Hauß und das Altar gewacht
Jm Reden ein Lactantz im Lehren gleich Cyrillen
Ambrosius an Witz Nyssenus an Bedacht
Du hast in deinem Dienst mit Ruhm dich so erwiesen
Daß dir auffs lieblichste das Loß gefallen ist.
Die Demuth die Gedult wird noch bey uns gepriesen
Du Lehrer unsrer Zeit und Creutz-bewehrter Christ.
Nun ist deß Joches Last von dir gantz weggenommen
Aus Hecken schreitest du auff eine Rosen-Bahn.
Es ist dein Lebens-Schiff jetzt an den Hafen kommen
Du ländest bey dem Haupt der guten Hoffnung an
Und wirffest Ancker ein bey dem gelobten Lande
Worzu das heilige Creutz dir hat den Weg gezeigt
Und lebst gantz Kummer-loß in einem solchen Stande
Der alle Pracht der Welt und Hoheit übersteigt.
Dein Lohn ist gar zu reich: Du hast des Reichthums Fülle
Da Menschen-Schätze nur seyn ein verdammter Koth.
Dein Lohn ist gar zu schön: An statt der leinen Hülle
Ziehrt dich ein solch Gewand das mehr als Purpur roth.
Dein Lohn ist gar zu groß: unendlich unermessen.
Ach unsre Sterblichkeit begreifft die Würden nicht!
Nimm hin
Die ein getreuer Freund noch umb dein Grabmal flicht.
Geh’ ein O frommer Knecht zu deines HErren Freude
Er will nicht ohne dich und du ohn ihn nicht seyn.
Jhr aber die ihr seyd versenckt in tieffstem Leyde
Aus Eh’ und Kindes-Pflicht bentzt den Leichen-Stein:
Denckt daß wer wolgedient der wird auch wol belohnet
Daß treue Lehrer sind in GOttes Augen groß.
Und daß er in dem Saal der höchsten Wonne wohnet
Da Elend und Gefahr uns dräuen manchen Stoß.
Es wird sein Seegen auch auff eure Scheitel tauen:
Wer GOtt zum Freunde hat kan nicht verlassen seyn.
Die nur auff diesen Fels sich gründen und vertrauen
Die rafft kein Sturmwind nicht und schlägt kein Wetter ein.
Der liebste Vater ruht und hängt sein Angedencken
Als ein Gedächtnüß-Bild in euren Seelen auff.
Vor musten Creutz und Noth sein Leben nur umbschräncken
Jetzt ziehret Lohn und Cron den wolbeschloßnen Lauff.