Ehren-Lohn der treuen Diener GOttes Bey Beerdigung Hn. D. T. P. zu W. den 25. Ju...

By Heinrich Mühlpfort

Geh' ein du treuer Knecht zu deines HErren Freude:

Dein Lohn ist reich und schön und überschwenglich groß.

Geh’ ein und zwar begabt mit einem weissen Kleide

Der Hohepriester nimmt dich Priester in die Schos.

Du must aus Sarg und Grab dich in die Höhe schwingen

Gleichwie der Aaron that als er sein Ampt vergnügt

Und auff dem Berge Hor was GOtt schafft zu vollbringen

Durch einen sanfften Tod ward gleichsam eingewigt.

Du hast genug gekämpfft und deinen Lauff vollendet;

Nach überstand’ nem Streit theilt man ja Cronen aus.

So hast du auch dein Pfund mit Wucher angewendet

Und wachsam jederzeit bewahrt des HErren Hauß.

Auff Schweiß erfolgt der Preiß. Denn der dich hat bestellet

Lohnt wie die schnöde Welt mit keinem Undanck nicht.

Wo er ist soll sein Knecht ihm auch seyn zugesellet

Nichts kan so seelig seyn als die Verbündnüß-Pflicht.

Wer aber ist der HErr? Ein GOtt dem niemand gleichet;

Ein König dessen Macht kein Ober-Macht erkennt.

Vor dem die Sonne steht des Monden Licht erbleichet (nennt.

Der Scepter Kron und Thron Glaß Staub und Scherben

Was soll der Kuecht denn thun? Er soll sein Joch auffnehmen

Das er zum Heil der Welt längst übertragen hat;

Er soll in keinem Creutz sich des Erlösers schämen

Und glauben daß bey ihm Trost Rettung Hülff und Rath.

Bey Fürsten fällt ein Knecht gar leicht in Ungenaden:

Offt wird der treuste Dienst am wenigsten evkant.

Nein Gott wil seine Knecht als Gäste zu sich laden

Und nennt sie Botschafften zu predigen gesandt.

Ist denn der Lohn so groß? Ach freylich’ Keine Schätze

Kein Reichthum noch Gewalt kömmt der Belohnung bey.

Denn der gehalten hat sein Wort und sein Gesetze

Den macht er von dem Tod und dessen Banden frey

Und theilt mit ihm sein Reich unausgegründter Freuden:

Setzt ihn mit vollem Recht zum Himmels-Fürsten ein.

Es müh’ sich Höll’ und Welt das Bündnüß zu zerschneiden

Wo dieser HErr regiert da muß der Diener seyn.

Sehr schön ist auch der Lohn: War’ es ein Gnaden-Zeichen

Wenn Fürsten dienenden Pracht-Kleider ausgetheilt?

So muß wol Seid’ und Sammt deß Heylands Purpur weichen

Als der mit seinem Blut uns Sünder hat geheilt.

Soll der Gerecht nicht als wie die Sternen gläntzen?

Soll wer Gerechtigkeit beständig hat gelehrt

Nicht so bestralet seyn als wie die Sonn im Lentzen

Und in der Engel-Chor sein Name seyn geehrt?

Die ihre Stimme hier erhoben als Posaunen

Die des Gesetzes Schwerdt mit Helden-Muth geführt

Daß ein verstocktes Hertz darüber must’ erstaunen

Wenn ihr gerechter Grimm die Missethat berührt:

Die meld’ ich stehn nun da gekräntzt mit Sieges-Zweigen

Und ihre Arbeit ist vergeblich nicht gethan.

Jhr Glantz der Herrlichkeit wird alles übersteigen

Was die gevierdte Welt an Schönheit zeugen kan.

Unüberschwenglich groß ist auch der Lohn zu heissen

Denn die Verheissung thut der gröste Potentat;

Er spricht: Ich bin bey dir ich will aus Noth dich reissen

An Leben Ehr und Ruhm vollkommen machen satt.

Es soll dein Kindes-Kind von nichts als Wundern sagen

Und meine Hand bey dir stets unverkürtzet seyn.

Ich will im Alter dich auff Adlers-Flügeln tragen

Dein GOtt von Jugend auf biß in den schwartzen Schrein.

Weg mit Belohnungen die wir allhier geniessen

Es gleicht diß Schatten-Werck deß Himmels-Gütern nicht!

Wenn sich manch frommer Knecht hat treu zu seyn beflissen

Gibt ein undanckbar Herr ihm wol ein sau’r Gesicht.

Und wer jetzt redlich dient der wird zum Lohn gehasset;

Da offt ein Schmeichel-Maul hoch an dem Brete sitzt.

Wer Ohren melcken kan und Zeitungen aufffasset

Dem hat es gar viel mehr als Tugenden genützt.

Weg Dienste dieser Welt! Wo die Belohnung bitter

Schlecht sörglich ungewiß ja mit Gefahr verhüllt.

Wer treulich GOtt gedient den schreckt kein Ungewitter

Er weiß daß er gar viel bey seinem HErren gilt.

Entschlaffner Senior und Diener seines Willen

Der für deß HErren Hauß und das Altar gewacht

Jm Reden ein Lactantz im Lehren gleich Cyrillen

Ambrosius an Witz Nyssenus an Bedacht

Du hast in deinem Dienst mit Ruhm dich so erwiesen

Daß dir auffs lieblichste das Loß gefallen ist.

Die Demuth die Gedult wird noch bey uns gepriesen

Du Lehrer unsrer Zeit und Creutz-bewehrter Christ.

Nun ist deß Joches Last von dir gantz weggenommen

Aus Hecken schreitest du auff eine Rosen-Bahn.

Es ist dein Lebens-Schiff jetzt an den Hafen kommen

Du ländest bey dem Haupt der guten Hoffnung an

Und wirffest Ancker ein bey dem gelobten Lande

Worzu das heilige Creutz dir hat den Weg gezeigt

Und lebst gantz Kummer-loß in einem solchen Stande

Der alle Pracht der Welt und Hoheit übersteigt.

Dein Lohn ist gar zu reich: Du hast des Reichthums Fülle

Da Menschen-Schätze nur seyn ein verdammter Koth.

Dein Lohn ist gar zu schön: An statt der leinen Hülle

Ziehrt dich ein solch Gewand das mehr als Purpur roth.

Dein Lohn ist gar zu groß: unendlich unermessen.

Ach unsre Sterblichkeit begreifft die Würden nicht!

Nimm hin

Die ein getreuer Freund noch umb dein Grabmal flicht.

Geh’ ein O frommer Knecht zu deines HErren Freude

Er will nicht ohne dich und du ohn ihn nicht seyn.

Jhr aber die ihr seyd versenckt in tieffstem Leyde

Aus Eh’ und Kindes-Pflicht bentzt den Leichen-Stein:

Denckt daß wer wolgedient der wird auch wol belohnet

Daß treue Lehrer sind in GOttes Augen groß.

Und daß er in dem Saal der höchsten Wonne wohnet

Da Elend und Gefahr uns dräuen manchen Stoß.

Es wird sein Seegen auch auff eure Scheitel tauen:

Wer GOtt zum Freunde hat kan nicht verlassen seyn.

Die nur auff diesen Fels sich gründen und vertrauen

Die rafft kein Sturmwind nicht und schlägt kein Wetter ein.

Der liebste Vater ruht und hängt sein Angedencken

Als ein Gedächtnüß-Bild in euren Seelen auff.

Vor musten Creutz und Noth sein Leben nur umbschräncken

Jetzt ziehret Lohn und Cron den wolbeschloßnen Lauff.