Ehren-Ruhm Hn. M. C. O. D. E. den 21. August. 1678.
Ach theurer Seelen Artzt! Ach schallende Posaune!
Ach mehr als göldner Mund! so ists mit dir geschehn?
Ich weiß nicht was ich schreib’ ich zittre und erstaune
Nun ich dich Sions Ruhm sol auf der Bahre sehn
Unschätzbarer Verlust! Wenn solche Lichter sincken
So glaubt daß eine Nacht voll Nebel uns erschreckt.
Wenn diese Ampeln nicht mehr in der Kirchen blincken
So denckt daß Finsternüß uns aus Egypten deckt.
Wenn jetzt die Morgenröth im ersten Purpur kommen
Und sagt den göldnen Tag mit frischen Rosen an;
Und drauf der Sonnen-Licht im Augenblick verglommen
Und schwartzer Wolcken-Dampfbezeucht der Erden Plan;
So steht die Welt bestürtzt. Die leichten Vogel schweigen
Das stumme Wollen-Vieh vergiest sein Laub und
Ein banges Zittern rauscht in den begrünten Zweigen
Und Flora macht vor Lěid die bunten Augen naß.
Nicht anders gehts mit dir du Stern gelehrter Geister
Du Fackel die bißher zu aller Nutz gebrennt
Du Kern der Wissenschafft und hoher Künste Meister
Nach dem du dich so früh’ so früh! von uns getrennt.
Wie girrt nnd seufftzet nicht jetzt deine Kirchen-Heerde!
Wie sehnet sie sich nicht nach deinem Himmel-Brod!
Wie schreckt sie nicht die Post? Jhr Hirt ist Asch und Erde
Der zu dem Leben wieß ist selbsten kalt und tod.
So schallt gemeines Leid. Was aber thun die jenen
Die deiner Tugend Ru m und Treffligkeit verstehn?
Verläst du nicht nach dir ein u ablässig Sehnen?
Und wünschen sie mit dir nicht in das Grab zu gehn?
Ach ja! die Tugend selbst betrauret deine Leiche
Hier steht die Gottesfurcht dort Weisheit und Verstand:
Unb Demuth und Gedult die winden Lorber-Sträuche
Worzu Beständigkeit schenckt ihren Diamant.
Ich seh umb deinen Sarg die Musen alle schweben
Weil du mit höchstem Ruhm ihr Führer kontest seyn.
Ich höre dieses Lob die gantze Stadt dir geben:
Der Kirche Trost und Zier deckt nun ein Leichen Stein.
Es wird manch feurig Geist der späten Nachwelt sagen
Mit was für Eyfer du des Höchsten Wort gelehrt:
Der Nachruhm auch dein Lob auf göldnen Schwingen tragen
Und Säulen graben ein die keine Zeit zerstört.
Nunmehr erlauchte Seel entrissen von den Banden
Wormit die Eitelkeit uns täglich noch bestrickt
Gekrönte Siegerin in den gelobten Landen
Wo GOttes Majestät dich wesentlich erquickt
Jetzt meißt du völlig aus den Kreiß der Ewigkeiten
Worzu du noch allhier die Linien geführt.
Jetzt siehest du erfreut gestellet zu der Seiten
Die deine Donner-Stimm und Lehre hat gerührt.
Wie aber ehren wir den letzten Rest der Aschen?
Sol
Ein Heyde mag den Leib mit frembdem Balsam waschen
Wir pregen
Ach andrer Augustin im lehren straffen lieben!
Ach Jrenäus Geist wenn es zum Friede kam!
Ach Polycarpens Glimpff in der
Basil in dessen Hertz des Nechsten Liebe glam!
Hat dem Ambrosius auf seine zarte Zungen
Ein gantzes Bienen-Heer den Honig-Thau gelegt:
So hast du gleiches falls
Wenn dein beredter Mund getröst erschreckt bewegt.
Und wieß Jgnatius im Mittel seines Hertzen
Wie JEsus-Name da mit göldnen Zeilen stand
Gewiß daß man bey dir im Leiden Creutz und Schmertzen
In deinem Hertzen auch dergleichen Denckschrifft fand.
Du warest ein Justin wenn grimme Wetter krachten
Und liest den harten Sturm auf deiner Scheitel stehn
Wenn Teuffel Welt und Höll ein festes Bündnüß machten
Und wolten mit Gewalt dir an die Seele gehn.
Du hast wie Athanas doch alle die besieget
Und deine Glaubens-Prob in Angst und Noth bewehrt.
So einem Helden-Geist der niemals unten lieget
Wird von dem Himmel selbst dergleichen Muth beschert.
Und heist Chrysostomus der Gottesfurcht ihr Tempel
Der Tugend Inbegrieff der Andacht Sacristey
So sag ich mit Bestand daß
Und wahres Ebenbild dergleichen Lehrer sey.
Was andre du gelehrt das hast du selbst vollzogen
Den jenen Spiegeln gleich die rein und unbefleckt
Durch deren Anblick nie kein Auge wird betrogen
Und unter deren Glantz nicht falsche Farbe steckt.
Du standst in GOttes Haus als eine göldne Säule
Ein Brunnen Jsraels der reiche Quellen goß:
Die Zunge war ein Blitz so die beflammten Pfeile
In der Zuhörer Ohr Hertz und
Die grosse Wissenschafft bekrönten holde Sitten;
Wenn Sanfftmuth und Gedult Geferten musten seyn
Und wo du als ein Artzt gebrennet und geschnitten
Da flöst du wieder Oel den rauhen Wunden ein.
O höchstes Meisterstück bey zärtlichen Gewissen!
Wie hast du ferner nicht die letzte Noth erklärt
Und unsre Sterbligkeit vollkommen abgerissen
Wie die ermüdte Seel aus ihrem Kercker fährt.
Bist selbst dir ein Prophet durch diese Schrifft gewesen
Nur daß üns allzu sehr der schnelle Hinzug drückt.
Wir wünschen ferner noch dein Reden Schreiben Lesen
Das die gelehrte Welt so vielmal hat erquickt.
Und wer verlangt dich mehr? wer wird dich erst vermissen?
Dein Eh-Schatz derer Leid noch Ziel noch Gräntzen hat
Die fast mit dir ins Grab wird lebendig gerissen
Und wünscht an deiner Seit auch ihre Ruhestatt.
Der Vater-losen Schaar ihr Seufftzen und ihr Wimmern
Steigt es nicht Wolcken an biß an des Himmels Schloß?
Doch glaubt
Erhört der Herren HErr und hält es werth und groß.
Der GOttes Wunder hat zu vieler Trost gepriesen
Bey dessen seinem Haus wird Gott noch Wunder thun:
Er hat als Vater sich von Ewigkeit erwiesen
Wie solte denn auf euch nicht auch sein Seegen ruhn: