Ehren-Stern Hn. M. R. v. L. d. R. in B. den 9. Mar- tii 1670.

By Heinrich Mühlpfort

Die ihr das grosse Rund durch GOttes Arm geschaffen

In jedem Augenblick verwundernd schauet an

Sagt ob es thulich sey hierin sich zu vergaffen

Und ob nicht rühmlicher zu gehn die Himmels-Bahn?

Hier findet ihr Verdruß und tausend Eitelkeiten

Wo nichts als Tand und Wahn und ein verlarvtes Spiel,

Dort gehen stetig auff gewünschte Freuden-Zeiten

Wo die Unendlichkeit sich setzet zu dem Ziel;

Hir glimmt ein tunckel Tacht und wird gar bald verzehret

Der Flammen rothe Gluth ist ein verlodernd Schein;

Dort wird zur Opfferung ein reines Feur gewehret

Und muß an hellem Glantz den Sternen gleiche seyn.

Werfft ab die Sünden-Last und irrdische Gedancken

Die euren Sinn gar leicht vom Himmel abwerts zichn

Seht auff und über euch wie in gesetztem Schrancken

Sonn’ Mond und Sterne sich in ihrem Lauff bemühn

Jhr werdet alsobald die Würckungen empfinden

Und was vor Eigenschafft in eu’ren Cörpern sey;

Doch dörffen wir hier nicht voll Aberwitz ergrunden

Und Epicurus Schluß unschlüßlich stimmen bey;

Es sey des Menschen Seel vom Schöpffer so gebohren

Daß ein besonder Stern mit der Geburt auffgeh

Wem Gold und Güter hier und Reichthum auserkohren

Dem sey ein schöner Stern gesetzet in die Höh

Ein Armer habe nur ein kleines Licht zu schauen

Der Noth und Mangel spürt seh’ tunckles glimmen an;

Wem aber wolte nicht vor solcher Narrheit grauen

Die nur mit Lästerung beschimpfft des Himmels Bahn.

Wir die des Vatern Glantz und helles Wort erleuchtet

Verstehen aus der Schrifft daß die den Sternen gleich

So mit Gerechtigkeit gleich einem Strom befeuchtet

Die werden stehen dort in GOttes Gnaden-Reich.

Hier gläntzt

Die Straalen schiessen schon vom Firmament herab

Ob bey der Reinigung man gleich die Wangen netzet

Und den unreinen Leib verscharret in das Grab.

So bald der Morgen-Stern im Hertzen auffgegangen

Und dieses Tage-Licht die zarte Frucht gesehn

So bald trug Vater-Treu und Mutter-Lust Verlangen

Und wünschten Freud und Lust die ihnen auch geschehn;

Worauff als der Verstand der Jahre sich genahet

Und Klugheit ihren Sitz zu suchen sich bemüht

Da wurde gleich hierauff von beyderseits bejahet

Den Fremden zu vertraun die angenehme Blüt

Daselbst sie auch erlernt den Weltberühmten Handel

Der durch blutsaure Müh und vieler Nächte Schweiß

Gesuchet werden muß. Hier hat der gute Wandel

Und wahres Christenthum geführt den wachen Fleiß

Daß er bey Feindes-Noth und ungestümem wüten

Gefaßt ein Löwen-Hertz und die Gefahr veracht

Denn wender Höchste wil durch seinen Schutz behüten

Der kan gesichert seyn wenn Blitz und Donner kracht.

Und wie nicht leicht ein Stern am Himmel einsam stehet

Besondern andere an seiner Seiten führt

So hat den

Wenn ihm die Tugenden

Die Sternen erster Krafft und vielen zum Exempel

In ihrem Christenthum beysammen können seyn;

Man frage nach der That man schau des

Und was in selbte sie mit Ruhm gesetzet ein.

Wie gläntzen Sterne nicht in den kostbaren Stühlen

Wo von das reine Wort des Hochsten wird gelehrt

Die weil sie GOtt beglückt hinwiederumb bey vielen

Erwiesen daß es sein was ihnen er verehrt?

Mehr wie der Sternen Pracht am Tage nicht zu schauen

Besondern wenn der Mond die Wache auffgeführt

So hat auff unsern Stern auch sehnliches Vertrauen

Ein

Als dessen guter Schein und wolbekandte Straalen

Sie offters angeblickt; es wissen Ampt und Pflicht

Es weiß die Bürgerschafft wie er mit gleichen Schalen

Was ihm vertrauet ward gewogen im Gericht!

Wo ist nun Stern und Pracht und wo des Hauses Schimmer?

Man sihet Finsternüß statt hellen Lichtes Schein

Warum bekleidet man die außerleßnen Zimmer

Und hänget schwartzen Boy stat der Tapeten ein?

Man höret Ach und Weh und Kopff und Hände schlagen

Ein klagendes Geschrey vor Lust-Gesänge an

Es wissen Land und Haus von nichts als Schmertz zu sagen

Die Kinder kümmern sich es seufftzt der Unterthan.

Die Enckel so hier Trost und klugen Rath genommen

Bejammern daß ihr Schirm so bald gefallen ein

Indem die Glocke heißt zu dem Begräbnüß kommen

Daß ohn verlangte Pracht bestellet wollen seyn.

Wahr ists

Indem die Finsternüß euch in die Wohnung fällt;

Denn wo vor

Da bauet Traurigkeit vor sich ein Todten-Zelt.

Jhr klaget billich ja weil eurem Haupt entwichen

Der Straal so euch zuvor als einer Sonnen schien

Indem durchwircktes Weh muß Leib und Geist durchkriechen

Nach dem des Sternes Zier und Klarheit fället hin.

Doch warum klaget ihr? der Stern ist nicht vergangen

Des Höchsten Hand hat ihn an andern Ort versetzt

So bald der Abend nur wird wieder Licht empfangen

Da werdet ihr ihn sehn und höchiich seyn ergötzt.

Denn wer was Liebes hat und wenig Zeit vermisset

Dem ist es noch so lieb wenn es drauff wieder kömmt;

So wird die Freude auch euch werden dort versüsset

Die euch des HErren Hand zu geben schon bestimmt.

Drum gönnet

Schaut an den lichten Straal aus dem gewölckten Reich

Und wollen alle wir uns rühmen als die Seinen

So müssen wir zuvor dem Sterne werden gleich!