Ehrenpreiß

By Jacob Balde

Written 1636-01-01 - 1636-01-01

Ach! wie lang hab ich schon begert

Maria dich zuloben:

Nit zwar als wie du wirst verehrt

Im hohen Himmel oben.

Diß wer vmbsonst mein gringe Kunst

Wirdt an der Harpffen hangen:

Vnd dises Lied mit gantzem Gmüt

Tieff in dem Baß anfangen.

Demütig sey von mir gegrüßt

Nimb gnädig an diß grüssen:

Von der sovil der Gnaden flüßt

Was jmmer her thut fliessen.

Der dich erwöhlt hat vnd gewölt

An deinen Brüsten saugen:

So schön er ist so schön du bist

Er scheint dir auß den Augen.

Was in der Welt so manigfalt

Zierlichs ist außgeflossen:

Wirdt in vergleichung deiner gstalt

Verworffen vnd verstossen

Die gröste Krafft den besten Safft

Die fünfft Essentz der Gaaben

Soll wie man sagt deß Herzen Magd

Vom Sohn empfangen haben.

Der Anna Leibsfruche deinem Kind

Ist gantz nit zuvergleichen:

Vnd was ich guts in Sara find

Muß eben so wol weichen.

Die Rachel zwar die schönste war

Der Jacob offt thet rüffen:

Doch gegen jhr weissag ich jhr

Wirdt sie wie Lia trieffen.

Abigail war nie so klueg

Die David eingenommen:

Vnd die durch jhren Wasserkrueg

Den Isaac hat bekommen

Judittæ Blut vnd Heldin Muth

Vnd stärcke must verzagen.

Der vorzug ghört Mariæ Schwerde;

Was will ich lang vil sagen.

Erfahren hats der Holofern

Der Gott hat gleichen wöllen:

Der Lucifer vnd Morgenstern

Mit seinen schönen Gsellen.

Du hast den Pracht zunichten gmacht:

Vnd der verfluchten Schlangen

Dem Höllen Fürst den Kopff zerknirscht

Daß jhm der Muth vergangen.

Selym erfahrt es der Tyrann

Vor etlich sechtzig Jahren:

Als er zu Meer mit Schiff vnd Mann

Hinab in Abgrundt gfahren.

Der Türckisch Hund dort wol empfundt

Daß nichts mehr halff das bellen

Hinnumb herumb getriben vmb

In Sturm vnd Wasserwellen.

Das Meer der Statt Corintho gantz

Mit Blut war vberloffen.

Alis dem Bassa hat ein Lantz

Das lebendig getroffen.

Gantz bitter wehe war Sisaræ

Im letsten Layd vnd Jammer:

Dem Hirn vnd Bayn hat gschlagen ein

Der alt Jahelis Hammer.

Hie weiser Mann dein starckes Weib

Hie main ich wersts erfragen:

So starck daß sie in jhrem Leib

Hat gar ein Risen tragen.

Da noch so klein ein Jungkfraw rain

Den grösten Mann vmbfangen:

Der ohn beschwerdt kundt von der Erdt

Hoch biß an Himmel langen.

Zier Mardochee tausentmal

Dein schöne Hester zier sie:

Vnd führs drauff in deß Königs Saal

Zur Hand Assueri führ sie.

Laß jhr Geschmuck vnd Guldes stuck

Mit Perlin vbersetzen:

So wirdt ich doch Mariam noch

Ohn maß weit höher schetzen.

Was soll ein blosser Schatten seyn

Nur ein Figur der Alten

Gegen dem hellen Sonnenschein?

Das Feld kans nit erhalten.

Ein Engel sag so vil er mag

Vnd hör nie auff zuschreiben:

Wirdt doch darob allzeit vom Lob

Das maist jhm vberbleiben.

Zwölff Stern vmb jhr glorwürdige Haupt

Ringsweiß heroben schweben;

Dann jhn allein ist es erlaubt

Dasselbig vmbzugeben.

Kein Schwerdt kein Stab kein Gwalt tribab

So steiff thuns hie verharzen:

Sie liessen ehe der Himmel zwee

Ja sambtlich alle fahzen.

Jhr grosse Freud vnd Hertzens lust

Ist dises Gsicht anschawen:

Den Mund den Gott so offt gekußt

Die Augen vnd Augbrawen:

Gesalbte Händ Lefftzen vermengt

Mit Hönig vnd mit Rosen.

Oelfliessend Red die von jhr geht

Ist vber alls Liebkosen.

Dem Palmenbaum jhr länge gleicht

Die Wang den Turteltauben:

Vnd jhren süssen Brüsten weicht

Der Wein auß Cypris Trauben.

Voll Hyacinth von keiner Sünd

Noch groß noch klein beladen;

Deß Adams Gifft das alle trifft

Hat jhr nicht könden schaden.

Weiß Roth jhr Lied vnn Schatzseinsoll

Als der im Krieg gestritten

Sie schwartz vnd braun vnd steht auch wol

Gleich wie die Cedar Hütten.

Der sie entferbt hats nit verderbt

Sonder nur wöllen mehren:

Vil schöner seys auff dise weiß

Der Augenschein thut lehren.

Wie sie dem König auffgewart

Zu Hesebon in Reben

Da hat den besten Gruch jhr Nard

Herumb weit von sich geben:

Jhr Sommerhauß durchgehend auß

War voll der Zimmetrinden.

Darzu so hats ein solchen Schatz

Dergleichen nit zufinden.

Der Mon all Monat hat sein gnants

Von seiner lieben Sonnen

Vnd mehrers nit dann all sein Glantz

Quellt her auß disem Bronnen.

Hat er sein maists Liecht auffzöhrt haißts

Sparmundus halt darzwischen;

Biß widerumb die Sonne kumb;

Die muß die Fleck abwischen.

Weit anderst ist das Firmament

Das in Maria leuchtet.

Mon hat sein anfang hat sein end

Nur tröpfles weiß befeuchtet.

Du du Planet von Nazareth

Du hohes Gstirn der deinen

Du bist das Faß das ohne maß

Mit stätem Liecht thut scheinen.

Gantz Thonnen Sonnen seynd in dir

Gantz Million voll Thonnen.

O köstlich außerwöhltes Gschirr

In der all Klarheit wohnen.

Wol jnnerlich vnd äusserlich

Hat dich die Zier vmbfangen:

Bist vber all hoch Berg vnd Thal

Von Libano außgangen.

O Fürsten Tochter O wie schön

Seynd deine Schritt ders zehlet:

Was für ein Festtag wirdt begehn

Dem du einmal vermählet.

Dein Bräutigam wird bey dem Lamb

Ein anders Gsänglein stimmen:

In lauter Freud vnd Süssigkeit

Gleich wie ein Meerfisch schwimmen.

Komb her dem Keuschheit angenemb

Vnd will ein Gspons erfragen:

Die Töchter zu Jerusalem

Einhellig alle sagen;

Vnd heben drauff zween Finger auff

Daß vnder allen Frommen

Maria frey die schönste sey

Durchauß kein außgenommen.

Ein Paradeyß hat disen Ruhm

Ein Garten der beschlossen.

In dem ein wundersame Blum

Iesse, Iesvs entsprossen.

Wanns gliebt muß seyn so lieb was fein

Was löblich zubegehren;

Was seligklich was adelich

Herbracht mit allen ehren.

Mariam lieb Mariæ dich

Solst allerdings verschreiben

Die Morgengab glaub sicherlich

Wirdt keines wegs außbleiben.

Das Hochzeit Klayd ist schon berait

Begehr die Farb auß allen

Das Himmelblaw (gen Himmel schaw)

Solt dir am besten gfallen.

Maria hat den besten thail

Wie gschriben steht erwöhlet.

Mariæ thail ist aller hayl

Ders hat nit wol verfählet.

Weil sie so gut vnd mehr als gut

Wie jeder muß bekennen:

Thue ich mit fleiß im Ehrenpreiß

So offt jhr Namen nennen.

O daß von Siena noch so vil

Der Bernardini wären

Deren diß ainig End vnd Zihl

Dise Gesponß zu ehren.

Er schencket jhr all sein gebür

Lust hoffnung freud vnd schmertzen:

Vnd wie ich sing sein liebsten Ring

Ein Adamant im Hertzen.

Ich greiff zum End laß allgemach

(Ade) die Sayten lauffen.

Der weiter will thü zu der Sach

Laß auch ein Harpffen kauffen.

Schlag selber auff nur wacker drauff

Vnd laß den lieb Gott walten.

Maria schon der beste Thon

Steht vnd verbleibt im alten.

Hilff vns O Thurn auß Helffenbain

In Diemant wol gegründet

Vnd auffgeführt mit Edelgstein

Wie selig der dich findet.

Hilff vns O Thron den Salomon

Mit feinem Gold beklaidet.

Dem du vergwißt kein wunder ist

Daß jhm die Welt verlaydet.

Hindan mit dir O Menschen gstalt

In Milch vnd Blut gewaschen

Die letstlich welck wird vnd veralt

Zu lauter Staub vnd Aschen:

Besonders die in falscher blüe

Jhr Schönheit nur erdichten:

Ohn Kunst vnd Oel nur Wasser gmäl

Vnd drauff bald gar zu nichten.

Verdambt sey alle Yppigkeit

Die niemand wol gelungen.

Verspottet der Welt Eytelkeit

Von der sovil gesungen.

Vnd was für Pfeyl der Lieb in eyl

Doch nit von Himmel gschossen

So viln das Hertz in bitterm schertz

Mit süssem Gifft abgstossen.

Sag hiemit auch den Parcis ab

Die mir bißher gespunnen.

Bey denen ich an meinem Grab

Verlohren mehr als gwunnen.

Falsch vnd Vntrew seynd alle drey

Haimblich mit mir vmbgangen.

Müßt an jhr Gspunst vnd blawen dunst

Mein Leib vnd Leben hangen!

Diß sey Maria dir vertraut

Von Tag zu Tag der Jahren

Der dir vertrawt hat wol gebawt

Sodales diß erfahren.

In letster Noth vnd bittern Todt

Bitt thue mich nit verwerffen.

Erzaig dein Macht vertreib die Nacht

Wirds jeder wol bedörffen.

Wann dann die Kranckheit wird zuschwer

Daß ichs nit mehr kan leyden:

Soll mir den Faden nimmermehr

Derselben ein abschneyden:

Dein schöne Hand dein milte Hand

Weil je die Stundt abgloffen;

Schneid oder halt gleich wies dir gfalt

Sonst ist es auß mit hoffen.

Wann bey dem Beth die Kertzenbrinnt

Die Augen nimmer wachen

Vom Leib der kalte Todtschwaiß rinnt

Die Bainer jetzt schon krachen:

Dein schöne Hand dein milte Hand

O Junckfraw außerkohren;

Schneid oder halt gleich wies dir gfalt

Sonst ist es alls virlohren.

Wann nun geschwächt seynd all fünff sinn

Die vmbstehend Rott wird sagen:

Jetzt hat ers gar jetzt ist er hin

Man merckt kein Pulß mehr schlagen:

Dein schöne Hand dein milte Hand

O Mutter meines Lebens;

Schneid oder halt gleich wies dir gfalt

Sonst ist es alls vergebens.

Wer ist der dises Lied gemacht

Wann einer auch darff fragen.

Villeicht hat er gar offt zu Nacht

Ein Stuck herab geschlagen.

Er sagt nit wo jetzt ist er fro

Daß d'Llauten sey zertrimmert:

Vmb Saytenspil er sich so vil

Hinfüran nicht mehr kümmert.