Ein bedeckter, doch heller Himmel.
Hier steh' ich an dem Strand der Elbe,
Und seh mit Lust, wie Lufft und Fluth
In sanft und glatter Stille ruht.
Zumahl ergetz’ ich mich am himmlischen Gewölbe,
Ob gleich es ein Gewolck erfüllt,
So zwar den Sonnen-Strahl verhüllt,
Jedoch mit solcher klaren Pracht
Sich und das Firmament zu einem Schau-Platz macht,
An dem so wenig unsre Augen,
Indem er gar zu Wunder-schön,
Sich satt zu sehn,
Als Hand und Feder sie recht zu beschreiben, taugen.
Ich seh mit tausend zarten Bildern
Von angenehm gebrochnen Wolcken, sich
In süsser Harmonie den gantzen Himmel schildern;
Woran die Schatten selbst ein Schein,
Und nur von einem hellern Licht,
Das hin und wieder durch sie bricht,
Dem Ansehn nach, zu Schatten worden seyn.
Durch diese ward das Licht noch mehr erhoben:
Unglaublich angenehm, und recht verwunderlich
Hat ihrer Theil’ unzehlbar Heer,
Dem Ansehn nach, ein Ungefehr
So in einander eingeschoben,
Daß von verschiednen Creaturen
Fast nicht zu zehlende Figuren
In einem lieblich grau- und gelblich weissen Schein
Darin zu sehen seyn.
Ein sanft gemildert Licht ist allgemein,
Und färbet Hügel, Thäler, Felder,
Auch auf entlegnen Höhn erblickte Wälder:
Ja überall, wo Bäume, Büsch’ und Hecken
Den Augen sich entdecken.
Kein Schatten ist bey diesem Licht zu sehn:
Ich mercke sonderlich, mit vieler Lust, wie schön
Die Harmonie der Himmels-Gluth
Auch auf der Elbe glatten Fluth
In solcher sanften Klarheit ruht.
Des Wassers angenehme Glätte
Ist unvergleichlich schön,
Und anders fast nicht anzusehn,
Als wenn zum Spiegel sie die Lufft gewehlet hätte:
Und kurtz: Mir wird hiedurch entdecket,
Daß auch so gar ein Dunst, ein Dufft
Uns Anmuth, Freud und Lust erwecket;
Und daß, auch in bedeckter Lufft,
Noch eine Lieblichkeit
Und sonderbare Schönheit stecket.
Mein GOTT! da ich hier Deine Wercke
Mit inniger Bewundrung mercke,
Ergetz’ ich mich, zu Deiner Ehr.
Ach! laß mich ferner mehr und mehr
Sie so zu mercken mich bestreben,
Um so, in meiner Lust, zu Deinem Ruhm, zu leben!