Ein Buch mit welken Blumen Blättern.

By Johann Justus Ebeling

Antophilus war stets gewohnt, der Blu- men Schönheit zu betrachten;

Und sie als Kinder der Natur, als

Er sahe aber auch dabei, daß dieses bunt gemahlte

Ein Sinnbild der Vergänglichkeit, von einer kur-

Er wünschte diese Sinnenlust, sich an den wohl ge-

Auch gerne zu der Winterszeit bey einem strengen

Die Regeln der Natur sind fest, die Zeit bleibt vol-

Und nach der Jahres Zeitenlauf, erfolgt auch die

An Blumen die in Gärten blühn. Der Herbstwind

Verdorrt der Blumen Herrlichkeit, die vor den

Der Schnee verdekt der Blumen Gold, begräbt

Und hüllt die Kinder der Natur in lauter Todten

Anthophilus der dies erfahrn, wie bald die Blumen

Der samlete sich in ein Buch, dennoch ein welkendes

Er laß die schönen Sorten aus, von Tulpen und

Da er von jedem sich ein Blat, das welk und dür-

Ein Firnis, damit sie beschmiert, der hatte diesen

Und eingermassen auch dabei, den sonst gehabten

Das Buch war ihm zur Winterszeit gleich einem

Der ihm der Blumen Herrlichkeit und mannigfalt-

Es sahe Gotthold einst das Buch und wünschte von

Die er uns sonsten noch geschenkt, ein gleiches Denk-

Wie manche Wollthat schenkt er uns, die man aus

Wenn sie nicht mehr nach dem Genus, bei uns noch

Wie viele Proben hätten wir von unsers Schöpfers

Womit er uns hat Lebenslang, als wie mit einer schö-

Vergnügt gemacht das Herz erquikt; allein wo ist

Vor so viel Zeichen seiner Güt, damit er unser Herz

Es wird die rege Herzens Pflicht darum nicht immer

Weil das Gedächtnis unsrer Lust, gleich wie ein

Wie gut wär hier ein Denkbuch nicht, darinnen

Was GOttes Güt an uns gethan was in dem Lebens-