Ein festlicher Morgen

By Wilhelm Busch

Written 1870-01-01 - 1870-01-01

Einszweidrei, im Sauseschritt

Läuft die Zeit; wir laufen mit. –

Julchen ist schon sehr verständig

Und bewegt sich eigenhändig. –

Heut ist Feiertag; und siehe!

Schon streicht Knopp in aller Frühe

Luftiglosen Seifenschaum

Auf des Bartes Stachelflaum.

Heut will er zur Messe gehn,

Denn da singt man doch so schön.

Frau Dorette trägt getreu

Frack und Biberhut herbei.

Julchen gibt indessen acht,

Was der gute Vater macht.

Bald ist seine Backe glatt,

Weil er darin Übung hat.

In die Kammer geht er nun,

Julchen macht sich was zu tun.

Gerne ergreifet sie die Feder

An des Vaters Schreibkatheder.

Reizend ist die Kunstfigur

Einer Ticktacktaschenuhr.

Ach herrje! Es geht klabum!

Julchen schwebt; der Stuhl fällt um.

Allerdings kriegt Julchen bloß

Einen leichten Hinterstoß,

Doch die Uhr wird sehr versehrt

Und die Tinte ausgeleert. –

Schmiegsam, biegsam, mild und mollig

Ist der Strumpf, denn er ist wollig.

Drum wird man ihn gern benutzen,

Um damit was abzuputzen. –

Wohlbesorgt ist dieses nun.

Julchen kann was andres tun. –

Keine Messer schneiden besser

Wie des Bartes Putzemesser.

Wozu nützen, warum sitzen

An dem Frack die langen Spitzen??

Hier ein Schnitt und da ein Schnitt,

Ritscheratsche, weg damit. –

Wohlbesorgt ist dieses nun.

Julchen kann was andres tun. –

In des Vaters Pfeifenkopf

Setzt sich oft ein fester Pfropf,

Ja, was schlimmer, die bewußte

Alte, harte, schwarze Kruste;

Und der Raucher sieht es gerne,

Daß man sie daraus entferne. –

Wohlbesorgt ist dieses nun.

Julchen kann was andres tun. –

Stattlich ist der Biberhut;

Manchmal paßt er nur nicht gut.

Niemals soll man ihn benützen,

Um bequem darauf zu sitzen.

Seht, da kommt der Vater nun,

Um den Frack sich anzutun.

Schmerzlich sieht er, was geschehn,

Und kann nicht zur Messe gehn.