Ein glänzendes Gefilde.

By Barthold Heinrich Brockes

Ein noch nicht lang' gepflügter Acker, woraus jedoch, zu

meiner Freude,

Von dem darinn gesäeten schon aufgelaufenen Getrayde

Die grünen Spitzen sich schon zeigten, war frühe ganz

von Frost bereift.

Der Reif war in der Mittags-Stunde geschmolzen, so daß

an den Spitzen,

Wohin des Wassers Feuchtigkeit, so sich daselbst gemach

gehäuft,

In Kügelgen sich hingesenkt. Hiedurch entstand ein bun-

tes Blitzen

Vom Strahl der ganz entwölkten Sonnen. Weil nun ein

jeder Tröpfgen grösser,

Als wie man sie im Thau sonst sieht; so war derselben

Glanz auch besser,

Und flammte noch vortreflicher, so daß ein Tröpfgen nicht

allein

Für sich in bunten Flammen spielte; ein schnell aus ihm

erzeugter Schein

Umgab in einem Strahlen-Kreise, der oft sechs Zoll im

Durchschnitt groß,

Den kleinen hellen Mittelpunct. Der Blättergen Be-

weglichkeit,

Nebst einem von den regen Lüften oft wiederholten sanften

Stoß,

Erregt ein stets beweglichs Glänzen, ein unaufhörlich

funkelnd Zittern,

Nicht anders, als wenn, voller Gluht, bewegte Zitter-

Nadeln schüttern.

Daher entstand fast überall, durch einen wandelbaren

Schein,

Und stets veränderliche Farben, ein Funkeln, welches

allgemein.

Ein jeder Tropfen schien, belebt, sich gleichsam emsig zu

bemüh'n,

Der fast erstaunten Schauer Augen recht in die Wett’

auf sich zu zieh'n.

Des dunklen Bodens brauner Grund erhub ihr Licht noch

desto mehr,

Und weil er nicht, wie sonst im Thau, bedeckt, nein, hin

und wieder leer;

So schienen recht, anstatt der Bluhmen, die sonst in schö-

nen Farben glüh'n,

Auf hohen Stengeln ganze Heere von Diamanten hier

zu blüh'n.

Das herrlich funkelnde Gefilde, das solch ein bunter

Glanz bemahlte,

Und mir, durch seine Feuer-Farben, voll Anmuht in die

Seele strahlte,

Erregt’ ein Andacht-Feur darinn, so daß sie Dem, Der

Farb' und Licht

Der Sonnen Cörper eingesenkt,

Und das betrachtende Gesicht,

Um alle Herrlichkeit zu sehen, und zu geniessen, mir ge-

schenkt,

Recht inniglich dafür zu danken ein’ angenehme Sucht

verspührte.

Da denn, indem ich sie betrachte,

Und ihr gefärbter Glanz mich rührte,

Der sie mit solchem Schimmer zierte,

Er mich zu dem Erwegen brachte: