Ein im Winter bereiffter Baum.
Der Winter mit Schneeweissen Haa- ren,
Kam eh mans dachte angefah-
Da wurden, Berge, Feld und Thal,
Die Bäume, Stauden, Büsche kahl;
Es hingen ihre Zweige nieder,
Als wären sie erstarrte Glieder.
Der Thau, den warme Lufft sonst sprenget,
Jm Sommer an den Blättern hänget,
Die Tropfen die beim Sonnenschein,
Wie kleine Sonnenspiegel seyn,
Der hängte an den starren Kränzen,
Der Bäume, die von Reiffen glänzen.
Der Reif der an den Zweigen frieret,
Den Baum verwundernswürdig zieret,
Ist unten breit und oben spiz
Und wenn darauf des Lichtes Bliz
Mit seinen reichen Schimmer strahlet,
So ist der ganze Baum bemahlet.
O! welch ein Heer von Demantsteinen,
Sieht man alsdenn an Bäumen scheinen,
Wenn sie in weissen Schmuk bereifft;
Nicht anders als wenn drauf gehäufft,
Der Reichthum der in allen Gründen,
Der unterirdschen Welt zu finden.
Allmächtger Schöpfer! welch Ergözzen,
Fliest nicht aus eingebildten Schäzzen,
Bei einer süssen Augenlust,
Zugleich in die begierge Brust;
Ich sah gereifte Diamanten,
Die von den Licht der Sonnen brandten.
Ich lief darnach die regen Wunder
Ganz nah zu sehn; der Andachts-Zunder,
Ward durch des Reiffes Bliz entflammt;
Ich dachte davon dieses stammt,
Der kan auch seine Herrlichkeiten,
Jm Winter uns zur Lust ausbreiten.
Ein Tropfe wird durch ihn gebildet,
Durch seinen Wink gleichsam vergüldet,
Verwandelt durch der Sonnen Schein
In Perlen und in Edelstein.
Sie auf den Bäumen auszustreuen.
Wir meinen in den Wintertagen,
Wär, wie wir Sprichwortsweise sagen,
Jm Garten keine Lust zu gehn,
Nichts angenehmes zu besehn:
Wir irren; nichts kan schöner glänzen,
Als Reiffen, die den Baum bekränzen.
Wenn wir die Sinnen nur recht nüzzen,
So sehn wir allenthalben blizzen,
Den Glanz wodurch die Majestät,
Des Allerhöchsten wird erhöht;
Auch in des Winters trüben Dunkeln,
Sieht man sie in dem Reiffen funkeln.