Ein kupferhändler an seine liebste. C. S. L.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Du tadelst eckler schatz nur immer meinen spiegel

Der wie du spöttisch sagst dir gar zu feurig scheint:

In deinen augen gleich ich einem kupfer-tiegel

Mir selber bistu gut nur meiner röthe feind.

Es häufft ja deine brust auf schnee carfunckel-spitzen

Es schliessen deinen halß corallen-bänder ein;

Und doch soll kein rubin auf meinen wangen blitzen

Und ich muß dir zum spott ein jubilirer seyn.

Wie ärgert dich so sehr mein züchtiges gesichte

Das angebohrne scham mit purpur überfärbt!

Liebstu die erbarkeit so hasse nicht die früchte

Denn beydes hab’ ich gleich vom vater angeerbt.

Wie kan mein scharlach doch so übel dir gefallen?

Es sticht zinober ja die andern farben weg;

Dem purpur bleibet doch der vorzug unter allen;

Wer in das rothe trift der fehlet nicht den zweck.

Aurora pfleget sich mit purpur auszukleiden

Wenn ihr beflammter glantz die finstre nacht verzehrt.

Der regenbogen kan das licht der augen weiden

Wenn dessen bunter creyß den trüben himmel klärt.

Wer wolte den Vulcan deßwegen heßlich nennen

Dieweil er feuer-roth in seiner schmide schwitzt?

Wer wolte nicht den Mars vor einen gott erkennen

Wenn sein befärbtes kleid der feinde blut besprützt?

Was war wol lieblicher und schöner anzusehen

Als da der rosen-dorn der Venus fuß verletzt:

Als auf der marmol-haut ein sanfter riß geschehen

Indem ihr schneller fuß dem buhlen nachgesetzt?

Es zeigt gesundes blut der geister kraft und wesen

Und das gesunde blut ist anders nicht als roth.

Wird solches angeschwärtzt so sucht man zu genesen.

Und ist es gar erstarrt so deutet es den tod.

Es mag die gantze welt die schwartzen augen preisen

Es hebe wer da will derselben ruhm empor!

Weit schöner können sich die rothen lippen weisen

Denn diese gehen auch den weissen brüsten vor.

Wer frühlings-rosen bricht der wil die röthsten haben;

Des sommers lesen wir die rothen beeren ab;

Die rothe äpfel sind des reifen herbstes gaben;

Der todte winter ist ein allgemeines grab.

So mag den vorzug denn die rothe farbe nehmen

Weil himmel und natur nebst menschen sie verspricht:

Und ich will nimmermehr mich meiner röthe schämen;

Auch acht’ ich eckler schatz mehr deines spottens nicht.

Mein purpur muß bey dir verächtlich kupfer heißen;

Ob aber wol mein ertzt kein göldner fürnis deckt

So prüfe meine treu ich werde zwar nicht gleissen

Doch zeigen daß auch gold in meinem kupfer steckt.

Der gold- und silber-schein kan leicht den käufer trügen

Wer tauscht vor kupfer gold das silber-ertzt vor bley?

Ich geh’ gerade zu ich will dir gar nicht lügen

Besihe was mein schatz und was mein reichthum sey.

Gesetzt ich habe nichts denn kupfer aufzusetzen

Genug daß kupfer auch kan gelt und gangbar seyn;

Die kupfer-groschen sind die schlimsten nicht zu schätzen

Um solche wechselt man auch oft ducaten ein.

Verachtest du bey mir die funckelnden rubinen

Und sprichst: ach wär das geld an crystallin gewandt!

So lerne was dir dient mein schatz und laß dir dienen

Der köstliche rubin folgt nechst dem diamant.

Seh ich dir feurig aus so kühle meine flammen

Und öfne deinen bach daraus mir labsal rinnt;

Sonst wird uns beyderseits der tadel-spruch verdammen

Daß ich zu hitzig bin und du zu kalt gesinnt.

Ja du hast selbst in mir den Aetna angeleget

Der flammen über sich durch nas’ und augen streut:

Du bist Enceladus der meine brust beweget

Und die verborgne glut in mein gesichte speyt.

Laß deiner gegengunst ein zeichen mich erkennen

Und springe meiner noth mit kühlem labsal bey;

Wo nicht so laß mich nur mit dir zugleich verbrennen

So daß dein schwanen-leib mein scheiter-hausen sey.

Du beist mich zwar gar oft ein kleiner glaß erwehlen

Und wilst ich soll nicht mehr so starck als vormals ziehn;

Ja wol! allein du must der leber auch befehlen

Daß sie nicht weiter kocht und ich so durstig bin.

Es glühet dieser stein und dampft von rauch und hitze

Ich finde dieser qual kein ende keine ruh;

Ich dürste tag und nacht ich ächze lechze schwitze

Ich gieße stets und doch schier nie genung hinzu:

So schilt nun wie du wilt ich will nicht wieder fluchen

Ichtrage mit gedult was ich nicht ändern kan.

Doch eines fällt mir bey es stehet zu versuchen

Vielleichte geht zuletzt noch dieser anschlag an:

Schleuß deinen busen auf nicht übel wird sichs schicken

Wenn mein rubinen schmuck in deinen schnee versteckt:

Ich will mein angesicht auf deine brüste drücken

Zu sehn ob deine milch mein purpur an sich leckt.