Ein Psalm wider Babel

By Emanuel Geibel

Written 1833-01-01 - 1833-01-01

Nun ist geschürzt vom Bösen

Der Knoten also fein,

Kein Rat mehr kann ihn lösen,

Er muß zerhauen sein.

Ihr habt verworfen den Frieden,

Den treuer Sinn euch bot,

So soll euch sein beschieden

Streit und Jammer und Not.

Den ihr, bekränzt die Schläfen,

Gebraut, den Greueltrank,

Bis auf die letzten Hefen

Sollt ihr ihn leeren zum Dank.

Lobsingt nur eurem Götzen

In frechem Gaukelspiel!

Der Herr wird kommen und setzen

Dem wüsten Rausch ein Ziel!

Sein Odem Sturm des Krieges,

Der die Heerscharen fegt,

Sein Schwert ein Schwert des Sieges,

Das allen Frevel schlägt!

Finster wird sein die Erde

Und der Himmel voll Glut,

Bis an die Zäume der Pferde

Steigen wird das Blut.

Die Ströme werden weichen

Aus ihren Ufern zur Frist,

Weil mit Schutt und Leichen

Ihr Bett verdämmet ist.

Es wird zertreten der Rächer

Die Stätten, da ihr sitzt,

Daß durch die krachenden Dächer

Hochauf die Lohe spritzt.

Und Heulen wird sein auf den Gassen

Und Hunger Haus bei Haus,

Indes die Wölfe prassen

Und die Geier am Schmaus.

Das aber mag nicht enden,

Bis ihr dem Lügengeist

Abschwört und von den Lenden

Das Kleid der Hoffart reißt;

Bis ihr in Reu' vernichtet

Aus eurem Herzeleid

Zum Herrn, der euch gerichtet,

Um Gnad' und Sühnung schreit.

Erst wenn aufs Knie gebogen

Ihr euch bekannt zur Schuld,

Wird Er der Zornflut Wogen

Zerrinnen lassen in Huld.

Sanftleuchtend auf der Wolke

Mag dann der Bogen stehn,

Und am zerschlagnen Volke

Barmherzigkeit geschehn.

Dann mag verwandelt werden

Das Schwert zum Palmenzweig,

Und Friede wird sein auf Erden,

Und kommen wird das Reich.