Ein Stündlein wohl vor Tag

By Eduard Mörike

Written 1837-01-01 - 1837-01-01

Derweil ich schlafend lag,

Ein Stündlein wohl vor Tag,

Sang vor dem Fenster auf dem Baum

Ein Schwälblein mir, ich hört es kaum,

Ein Stündlein wohl vor Tag:

„Hör an, was ich dir sag,

Dein Schätzlein ich verklag:

Derweil ich dieses singen tu,

Herzt er ein Lieb in guter Ruh,

Ein Stündlein wohl vor Tag.“

O weh! nicht weiter sag!

O still! nichts hören mag!

Flieg ab, flieg ab von meinem Baum!

– Ach, Lieb und Treu ist wie ein Traum

Ein Stündlein wohl vor Tag.