Eine andächtige Bewunderung der Grösse GOttes bei dem Heer seiner Kreaturen.

By Johann Justus Ebeling

Wenn ich auf Flügeln der Gedanken

Mich schwinge durch die ganze Welt,

Erwege ihre breite Schranken,

Was dieser Umkreis in sich hält,

Bedenke was vor grosse Heere

Jm Himmel, Lüften, Erd und Meere

Die

Mein Geist erstaunt und wird entzükket,

Wenn er die Himmels Veste sieht,

Und durch ein Ferne-Glas erblikket,

Was in der blauen Tieffe glüht,

Da schau ich Millionen Sonnen,

Darum ein Wolken-Flor gesponnen

Und denke bei der Lichter Schein,

Kaum merk ich, daß der Luftkreis schwim- met,

Dadurch der Sonnen Feuer-Strahl,

Das Sternen Heer, zur Nachtzeit glimmet;

So frag ich dabei allemahl,

Ob diese regen Himmels-Lasten

Auf starken Pfeilern etwan rasten?

Der Schöpfer träget sie allein,

Ich denke nach, wie unsre Erde,

Der kleine Ball, den

Nebst allen durch ein würkend Werde,

Aus ihren Nichts sich dargestellt,

Und was vor viele Kreaturen,

Auf Bergen, Ebnen, Thälern, Fluren,

Es sagt mir beides gros und klein,

Der Berge schrökliche Gerüste,

Der schroffen Felsen steile Höhn,

Die wie der Erden Säugebrüste,

Jm Reiche der Natur zu sehn,

Und ihre majestätschen Hügel

Sind alle lauter Wunder Spiegel,

Sie stimmen darin überein:

Will ich die Augen zu den Meeren,

Woraus die Flüsse sich herdrehn,

In der Betrachtung weiter kehren

So seh ich Wunderfluthen gehn,

Die in den Uffern brausend wallen,

Auf

Und murmeln an der Klippen Stein,

Was vor ein ruderndes Gewimmel,

Von Fischen hegt See, Flus und Teich,

Und was vor webende Getümmel,

Von Thieren sind im trocknen Reich

Der Erde, in den tieffen Gründen,

In Wiesen, Feldern, Wald zu finden!

Sie schnattern, singen, brüllen, schrein,

Er ist es der viel tausend Früchte,

In Reiche der Natur gemacht,

Und manche niedliche Gerichte,

Für Vieh und Menschen ausgedacht:

Er krönt die Felder mit den Seegen,

Was Wiesen, Gärten in sich hegen,

Muß alles blos durch ihm gedein,

Er schaft zu jeden Jahreszeiten,

Den Menschen Kindern alles an,

Was sie mit frohen Liebligkeiten

Ergötzen und erquikken kan:

Er läßt der Güte Wunderquellen,

Jm größten Ueberflusse schwellen,

Der Menschen Herze zu erfreun,

Er ist es, der das auferbauet,

Was man in Luft, auf Erd, im Meer

In Höhen, in der Tieffe schauet,

Das sind die Spiegel seiner Ehr,

Die Meisterstükke seiner Stärke,

Der weisen Güte Wunderwerke,

Jhr Zeugnis heist auch allgemein:

Und wenn wir uns nur selbst ansehen,

Mit einem aufmerksamen Blik;

So muß ein jeder eingestehen,

Sein Körper sey ein Meisterstük.

Ein jedes Theil, Glied und Gelenke,

Das sagt mir, wenn ich nur bedenke,

Wie künstlich das, was gros und fein,

Erweg ich, wie im Leib, die Seele,

Ein denkend geistig Wesen wohnt;

Betracht ich wie sie in der Höle

Des Körpers, als unsichtbahr thront,

Bemerk ich was vor Eigenschaften,

In den Verstand und Willen haften;

So muß ich

Bedenk ich, wie durch unsre Sinnen,

Die Dinge die von aussen sind,

Als wie durch zarte Röhren rinnen,

Und wie wir sie so bald, geschwind,

Wenn sie derselben Kunstwerk rühren,

Mit ihrem Bild im Geiste spüren:

So fühlen wir, bey Lust und Pein:

Ja! du bist gros in allen Werken,

Die deine weise Hand gemacht,

Wir können deine Grösse merken

An allen was du ausgedacht.

Es strahlt daraus die Macht und Güte

Und Weisheit ins gerührt Gemüte,

Man sieht an allen klar und rein:

Drum auf o! Seele! GOttes Grössen

Mit Ehrfurchts-voller Dankbarkeit

In Kreaturen zu ermessen,

Die er uns hat zum Nuz bereit:

Auf, auf! und singe ihm zum Ruhme,

Wenn du auch wirst im Heiligthume,

Jhm Opfer bringen, Weihrauch streun,