Eine Elegie

By Johann Gottfried Herder

Written 1765-01-01 - 1765-01-01

Wo bin ich? – In Einsiedeleien

Find' ich mich!

Gespenster schatteten weg, Gedankentiefen

Brausen herab und ruhn! –

Da, wo im Mitternachtshain auf Scheidewegen

Feen wandelten,

Cypressen den Thau herunterrauschten

Auf mein entblößtes Haupt;

Um mich Gräber der Brüder, Geisterstimmen

Aus der Urne Schooß –

Hör's! sie dumpfen herauf! – St! jener Moder

Lispelt Antwort und schweigt –

Und auf sterbenden Gipfeln ew'ger Ulmen

Wandelt – hörst's? – der Sturm,

Der von sinkenden ritterlichen Trümmern

Meinen Tempel heran-

steigt, in dem Gespenster den neuen Todten

Vor dem Altar weihn.

Kaum sieht Hekate selbst durch alte Fenster

Ihren Gelübden zu,

Und vom gothisch gehörnten Thurme seufzen

Eulen halbes Ach! –

Und mein Vater vor mir! Ich schaudre, schaudernd

Wach' ich – und um mich Nacht!