Eine gefrorne Fensterscheibe.
Die spielende Natur zeigt auch zur Winterszeit,
Vornemlich Morgens früh, was
Vor Formen und Figur, die Augen zu ergözzen,
Kan selbsten im Gemach, kan in die Fenster sezzen.
Sie mahlt bei dunkler Nacht, die Fensterscheiben
Darin die Einbildung fast alles finden kan,
Was man nur sehen will. Man sindet daran Wäl-
Oft ein verwirrt Gebüsch, oft reich besaamte Fel-
Oft Städte, Schlösser, Stern, und oft ein Blu-
Das an dem Scheiben-Glas durch kalten Frost er-
Als wenn es durch die Kunst mit vielen Fleis formi-
Und von geschikter Hand sehr weislich figuri-
Allein es ist doch nichts, als ein gefrorner Dufft
Die Schlösser die dran stehn, sind eine nasse Lufft,
So bald die Sonn aufgeht, daran die Strahlen
So sieh man, wie der Wald, wie Feld und Stadt
Des Feuers rege Krafft vernichtiget es gleich,
Die Wärme schmelzt den Frost, die Bilder werden
Da rinnen sie hinweg, und in gar wenig Stunden,
Ist alle Herrligkeit, als wie ein Traum verschwun-
Das was uns die Natur im Umkreis dieser Welt,
An Himmel, auf der Erd, als Schönheit vorgestelt,
Vergehet endlich auch. So wie aus unsern Sin-
Die Berge, Thäler, Wald im Augenblik zerrin-
So wird die ganze Welt, die jezt so herrlich blizt,
Wenn sie das Feur zulezt in reger Glut erhizt,
Auch plözlich sich verkehrn, der Himmel wird ver-
Zerfliessen wie im Glaß der Fenster, die Gestalten.