Eine schöne Nacht.
In des sapphirnen Himmels Höhen
Hab ich fast nie der Sternen Schaar
So herrlich, heiter, hell und klar,
Und in so reinem Glanz, gesehen,
Als jüngst in einer Herbstes-Nacht.
Ich wußte mich an ihrer Pracht
Nicht satt zu seh’n. Des Mondes Funkeln
Sucht ihren Silber-weissen Schein
Umsonst zu schwächen, zu verdunkeln.
Es war das Firmament so rein,
Ein gelblich Licht hatt’ überall
Des Himmels Tiefen angefüllet,
Der Fluht sonst wallender Krystall,
Nachdem ihr Wallen sich gestillet,
Stellt ihren Schimmer hell und klar,
Als wie in einem Spiegel, dar;
Wodurch ihr Funkeln doppelt schön,
Nicht minder unterwerts zu seh’n,
Als oben an dem Himmel, war.
In einer grünen Dunkelheit
Der Bäume, die am Ufer stunden,
Und sich im Wiederschein verbunden,
Sah ich der Sternen Herrlichkeit,
Und ihrer Lichter reines Glimmen
Jm Wiederschein recht deutlich schwimmen.
Zween Jupiters, ein Monden-Paar,
Ward ich, recht im Quadrat, gewahr,
Wovon zween unter mir, zween oben mir,
In einer Linie zu sehen.
Ich fing, in ihrer Pracht und Strahlen-reichen Zier,
O Schöpfer und Erhalter, mich zu Dir,
In Ehrfurcht an, mich zu erhöhen:
Lauter Herrlichkeit und Güte
Ueberstrahlet mein Gemühte,
Wenn ich Deine Werke spühr.
Alle Wunder, die sie weisen,
Reizen mich, Dich, HErr! zu preisen,
Alles stammet bloß von Dir.
Formen, Schönheit, Licht und Leben,
Aller Cörper Eigenschaft,
Aller Elementen Kraft,
Zeigen, preisen und erheben
Deine Weisheit, Macht und Liebe,
Die Dich, sie zu schaffen, triebe.
Sollte denn der Mensch allein,
Der sie nützt, undankbar seyn?
Ich ging darauf, recht inniglich vergnügt,
Auf den, durch manchen schönen Stamm,
Bepflanzten angenehmen Damm,
Der zwischen zween sehr breiten Graben liegt.
Indem ich nun, zu Ende der Allee,
Mich, linker Hand, zum neuen Wege dreh,
Sah ich, in meinem sanften Wandern,
Aufs flach-bethaute Feld, auf einer Seiten,
Des hellen Mondes Licht sich überall verbreiten,
Das helle Wasser auf der andern,
Mit Mond- und Sternen-Bildern,
Sich recht, als einen Himmel, schildern.
Nie hatte mir des Nachts die Welt,
Samt des sapphirnen Himmels Bühnen,
So schön, so wunderschön geschienen.
Das mit des Mondes Licht recht angefüllte Feld,
Von einer fast nicht abzuseh’nden Weite,
Des Grabens Himmels-Spiegel-Glas,
Von einer ungemeinen Breite,
Verbunden, in der schönen Nacht,
Des Himmels und der Erden Pracht.
Mein, von so vieler Herrlichkeit, ganz angefüllter Geist
und Sinn
Ward reg’, ein holdes Freuden-Feuer schien in mir selbst
sich anzuzünden.
Mein denkend Wesen suchte gleichsam sich von mir selber
zu entbinden,
Es eilt auf Flügeln der Bewundrung zur Urquell aller
Schönheit hin;
Doch war die schnelle Reise kurz. Das Ende war schon
beym Beginn,
Die Gottheit war so um, als bey mir, der Schöpfer überall
zu finden.
Ich spührt’, in Ehrfurcht, Seine Nähe. Durch die Be-
trachtung Seines Lichts,
Und Seiner Unermäßlichkeit, ward fast aus mir ein frohes
Nichts,
Die Seele schien zu ihrem Ursprung sich gleichsam näher hin
zu lenken,
Und sich, in fröhlicher Empfindung, in Seine Tiefe zu
versenken.
Ich wünscht’, in heisser Sehnsucht, Jhm ein Opfer, das
Jhm lieb, zu schenken,
Ich schenkt’ Jhm ein, ob Sein Geschöpf, erfreutes Herz,
ein frohes Denken.