Einem Dichter

By Betty Paoli

Written 1854-01-01 - 1854-01-01

Ueber klarem Meeresspiegel,

Durch der Lüfte freies Reich,

Zieh'n mit kräftig kühnem Flügel

Wandervögel liederreich.

Fern weg lenket ihr Gelüste

Ihren Flug von Baum und Flur

Und die Menschen an der Küste

Kennen ihre Stimme nur.

Wo Lavinen niedergleiten,

Wurden von gewalt'ger Hand

Einer Aeolsharfe Saiten

Kühn von Berg zu Berg gespannt.

Klingen nur beim Mondenstrahle

Mystisch wie ein Geistesschwur,

Doch die Menschen tief im Thale

Kennen ihre Töne nur.

Und so dringet meine Stimme

Zu dem trostlos öden Strand,

D'ran ich von des Schicksals Grimme

Wie Andromeda gebannt!

Durch die Nächte meiner Schmerzen

Hallt vermittelnd dein Gesang;

Doch du selbst bist meinem Herzen

Nur ein Lied, ein Ton, ein Klang!