[Einfältige Warheit]Fußnoten

By Anna Ovena Hoyers

Written 1617-01-01 - 1617-01-01

Dieweil von vielen Jahren her

Groß streit und spaltung in der Lehr

Unter den Weltgelehrten

Gewesen und noch itzo ist;

So alles auß des Satans list

Herkompt von den verkehrten:

Dadurch viel Leut sind Irr gemacht

Hab' ich mit schmertzen offt betracht

Den unendlichen schaden

Der auß solcher unruh' entsteht

Daruber Gottes Zorn außgeht

Welchen sie auff sich laden.

Darumb werd nun getrieben ich

Kan länger nicht enthalten mich

Allen gutwillig'n Leuten

Die in der Einfalt leben schlecht

Zuzeigen an die Warheit recht

Die in den letsten zeiten

Nach der Propheten zeugnuß klar

Der Welt soll werden offenbar

Wann der Herr wird außgiessen

Ub'r alles fleisch von seinem Geist

(Wie unß der Prophet Joël weist)

Dann wird die weißheit fließen

Die weinig leuten ist bekant

Drum wird sie in der Schrifft genant:

Ein' weißheit die verborgen

Von der Welt her für männiglich

Lesst vor der zeit nicht finden sich

Vor abend kompt nicht morgen.

Denn gleich wie erstlich nach dem fall

Wie solches kund ist über all

Die lügen vor der warheit

Das unrecht vor dem recht her geht

Der Belial vor Christo steht

Die finsternuß vor klarheit.

Buchstab vor dem Geist wie ihr wisst

Alß Johannes vor Jesu ist;

Die Figur vor dem Wesen;

Das fleischlich vorm geistlichen auch;

Vor dem Jacob der Esau rauch

Wie in der Schrift wir lesen.

Also hat auch gleicher gestalt

Der AntiChrist itzt die gewalt

Zeucht hoch hervor die seinen;

Hindert mit macht der weißheit lauff

Lesst die warheit nicht kommen auff

Sein thun soll allein scheinen:

Weißheit muß bey ihm thorheit seyn

Saur süß süß saur unrein das rein

Die warheit nennt er lügen;

Die finsternuß sey liecht er spricht

Kennet den Weg des Lebens nicht

Kan nichts denn nur betriegen;

Wie auch sein' diener allesampt

Durch welch' die warheit wird verdammt

Sie sind Mörder und Diebe;

Gehn nicht zur rechten thür einher

Folgen dem Herrn nicht in der Lehr

Wandlen nicht in der Liebe.

Sie lauffen und sind nicht gesant

Haben noch Christum nie erkant

Sein stimm auch nicht gehöret;

Wie wol sie von ihm plaudern viel

Kommen sie doch nicht recht zum ziel

Ihr witz hat sie bethöret.

Die glärten sind (wie Luther sagt)

Die verkehrten Gott seys geklagt

Nennen sich Evangelisch

Vnd führen einen feinen schein

Die grösten aber in gemein

Sind gut Aristotelisch.

Das Heilig Evangelium

Ist ihnen viel zu schlecht und thum;

Im gleichen die Propheten

Vnd Moses reden gar zu schlecht

Nicht Academisch wie man pflegt

Auff Universiteten.

Da spricht man ist geschicklichkeit

Von dannen kommen kluge Leut

Die der Welt können dienen

Durch die man grosse ding verrichtt

Sie sind die Bäume die man sicht

In allen Garten grünen.

Sie meinen schweren drauff ein Eydt

Bey ihnen sey allein Weißheit

Vnd nirgend sonst zu finden

Kein größer klugheit wird begehrt

So gar ist ihr verstandt verkehrt

Gott erbarm sich der blinden.

Wie lest sich das unwissend volck

Von ihnen durch ein dunkel wolck

So führen ab zur seiten.

O Ihr Elenden steht doch still

Kehrt wieder hört wer hören will

Lasst euch nicht mehr verleiten.

Ein blinder Mann dem blinden kan

Die rechte bahn nicht zeigen an;

Kenn't nicht sein eigen strassen.

Warumb woll't ihr dann lenger heut

Im finstern euch alß blinde leut

Von blinden leiten lassen?

Meint ihr daß das recht weißheit sey

Wann man viel sprachen lernet frey

Grichsch und Latein kan schwatzen?

Nein lieben leut das fehlet weit

In sprachen steckt nicht die weißheit

So müst ihr nicht zuplatzen:

Lasst euch dasselb nicht machen weiß

Mercket nur auff die Schrifft mit fleiß

Darin man klar kan finden;

Daß die reine weißheit des Herrn

Bey der Seelen nicht will einkehrn

Die noch dienet der sünden.

Da man doch wol bey schand und sünd

Viel sprachen und Welt-weißheit findt

Hie und an allen orten.

Die weißheit Gottes aber lest

Sich finden nicht im sünden nest

Steckt nicht in klugen worten

Wenns darin zuerlangen wer'

Könt man durch der Welt-weisen lehr

Mit geldt leicht dazu kommen:

Nein nein die sach ist nicht so klar

Sie ist nicht allen offenbar

Wohnt allein bey den frommen.

Mir sind bekant beid fraw und Mann

Die ich (wenns seyn soll) nennen kan

Bey welchen vielmehr klarheit

In der erkenntnuß Jesu Christ

(Gott sey gelobt) zufinden ist

Ja größer geist und warheit

Alß bey dem der sie lehren soll:

Vnd ob sie wissen besser wol

Müssen sie dennoch schweigen

Vnd hören zu in der Gemein

Da der Pfaff hat das wort allein

Als wen es wer sein eigen.

Wil nicht das jemand einred führ

Viel weiniger ihn Reformier

Es darff ihn keiner fragen;

Er allein redet was er will

All' andern müssen schweigen still

Niemand darff ihm einsagen

Spricht er schon daß das krumm sey schlecht

Das schwartze weiß es muß seyn recht

Er bildets ein den Bauren

Die nur auff ihren Priester sehn

Vom recht und krumm nicht viel verstehn

Ist diß nicht zubetrauren?

Hat es ein solch gelegenheit

Gehabt zu der Apostel zeit?

Hat Paulus so gelehret?

Nein das hab' ich gelesen nicht

Viel anders hat er uns berichtt

Niemands einred' gewehret.

Christus selbst hielte den gebrauch

Daß er in seiner Predigt auch

Gern hört antwort und fragen.

Welcher Pfaff folget ihm hierin?

Sehr weinig haben seinen Sinn

Leider in diesen tagen.

Sanct Paulus will auch daß man soll

Was uns gelehrt wird prüfen wol

Die geister unterscheiden.

Ist einer der diß thut itzundt?

So bald es wird dem Pfaffen kunt

Will Er ihn nicht mehr leiden.

Macht seinen nahmen sehr verhasst

Daß die Gemein ein argwohn fasst

Fang't an auff ihn zuschelten

Er wird von jedermann verachtt

Ja der's mit ihm helt wird verlacht

Muß seiner auch entgelten.

Sol man die leut so machen fromb?

Heist das sagt mirs ich bitt darumb

Die Schäflein Christi weiden?

Merket doch kan's ja sehn ein kindt

Daß sie recht seelen-würger sind

Vnd darumb auch zumeiden.

Es möcht nun einer fragen hir

Vnd alß zur antwort bringen für:

Sind sie nicht knecht des Herren

Die das Alt und New Testament

Fein fertig von anfang zum end

Wissen und darauß lehren?

Ja ich laß sein (doch mercket recht)

Man findet gut' und böse knecht

In einem hauß beysamen

Viel leben weil ihr Herr ist auß

Im sauß und halten übel hauß

Heissen doch knecht mit namen;

Wissen auch sein zusagen her

Wie Gott schuff Himmel Erd und Meer

Mit allem was darinnen;

Vnd wie die Schlang Ewam betrug

Als sie vermeint zu werden klug

Sie uns anzeigen können.

Von der frucht aber die sie aß

Sag't einer diß der ander das

Sind noch darin nicht einig

Ob es birn oder äpffel seyn

Süß oder saur groß oder klein

Meinen daran lieg weinig.

Ferner daß sie nach solcher speiß

Getrieben auß dem Paradeyß

Daß Cain Habel erschlagen;

Wie er gezeichnet ward hernach.

Wer Henoch war was Lamech sprach

Sie fein verstendlich sagen.

Mit der Welt schand und eitelkeit

Vnd der Sündflut zu Noë zeit

Ja mit dem Regenbogen

Auch mit dem Japhet Cham und Sem

Mit dem alten Mathusalem

Kommen sie auffgezogen:

Ja sie verschweigen uns auch nicht

Was Loth und Abraham verrichtt

Vom Isaac darneben

Vnd seinem Bruder Ismaël

Auch was der war fur ein gesell.

Item, was sich begeben

Mit Jacob und Esau die beid

Im Mutter leib geführet streit

Daß Esau rauch geboren

Der Jacob aber glatt und schon

Vnd seiner Mutter liebster Sohn

Von Gott auch außerkoren

Imgleichen seine kinder all

Vnd wie viel ihrer an der zahl

Wissen sie herzunennen

Rubens und Judæ missethat

Auch was Dina begangen hat

Geben sie zuerkennen.

Wie Joseph auch ward hingesant

Verkaufft in der Egypter Landt

Was ihm da wiederfahren;

Wie er des Königs traum gedeutt

Vnd seines Vaters hauß erfreut

Hab in den teuren Jahren;

Das alles sie zu einer lehr

Historscher weiß zu schwatzen her

Vnd wissen auß zu streichen.

Noch eins ich schir vergessen hätt

Vom Amram und von Jochebeth

Vnd ihrem Sohn imgleichen

Daß er ein feines knäblein war

Sein Mutter die heimlich gebahr

Ließ ihn zum wasser führen

Darauß er doch errettet ward

Durch Pharaonis tochter zart

Indem sie ging spatzieren:

Sein leben und die wunderwerck

Die er verrichtt durch Gottes stärck

Wie Israël sich mehret

Wie offt das Volck gesündigt hab

Wie die straff sey gebeten ab

Durch Mosen der sie lehret.

Daß Josua nach ihm regiert

Israël übern Jordan führt

Fünff König auch gefangen

Vnd seine feinde über eilt

Den seinen Stät und Land außtheilt

Vnd wie es Rahab gangen.

Auch von dem Helden Gideon

Wissen sie zuerzehlen schon;

Vnd von der sterck Simsonis

Dadurch er die Philister schlug;

Von Delila die ihn betrug:

Vom Tempel Salomonis

Von Hanna die kein' kinder hatt

Umb einen Sohn den Herren bath

Den sie hernach im Tempel

Zum Priester in die Zuchtschul bracht

Vnd damit allen ältern macht'

Ein trefflich gut Exempel.

Von Davids ehebruch mort hoffart

Von Absoloms natur und arth

Vnd wie er sey umbkommen

Von allen König'n Israël

Vnd Judæ auch daß Jesabel

Ein boses end' genommen.

Solcher Historien viel mehr

Die zulang hie zusetzen her

Sie uns fein kündig machen

Was dem und diesem hat geschadt

Was der und die verrichtet hat

Vnd was sonst mehr fur sachen

Geschehn im Alten Testament.

Damit das stündlein lauff zum end

Kommen sie auch zum Newen

Von Iesu Christo unserm Herrn:

Sagen dem volck man soll ihn ehrn

Sich seiner hertzlich frewen:

Weil Er zum Heyland außerkorn

Darumb empfangen und geborn

Uns bey Gott zuvertreten

Das Er gelitten hat den todt

Vnd uns errett auß aller noth;

Auch Gott fur uns gebeten.

Dadurch ist was Adam verrichtt

Nun gantz vergeben und geschlichtt

Unser sünd sind vergraben

In seinem grab. Nun werden wir

(Sprechen sie) Ewig fried hinfür

Darumb mit Gott auch haben.

Durch sein Erstehn am dritten tag

Hat Er sein leyden pein und plag

Auch den todt überwunden.

Ob wir gleich täglich sundig'n noch

Wirds kein noth mit uns haben doch

Der Teuffel ist gebunden

Christus regiert nun überall

Ist auffgefahrn ins Himmels sahl

Weiß daß wir arme sünder

Sind die durch ihn so teur erkaufft

Auff seinem Namen auch getaufft

Liebt uns alß seine Kinder.

Diß soll'n wir alle glauben fest

Vielmal im Jahr alß liebe Gäst

Zu seinem tisch uns machen

Uns zuerrinnern der wolthat

So haben wir Sein ewig gnad

Vnd stehn wol alle sachen.

In dem vertrawen soll man stehn

Vnd fleißig mit zur Kirchen gehn

Hören von Christi wercken

Der alles fur uns außgerichtt

Mehr haben wir sonst nötig nicht

Damit soll man sich stärcken.

Doch etlich' unterm hauffen sein

Die gute Lehr mit führen ein

Auch zimllich ehrbar leben.

Nach ihrs verstands liecht und gesicht

Vermahnen warnen thun bericht

Straffen die sünd darneben

Nach frommer Prediger gebühr.

Tragen der Schrifft geheimnüß für

Nach der maß ihrer gaben.

Nil ultra vires, wie man spricht

Die leut können weit reichen nicht

Die kurtze armen haben.

Diese sind nicht gemeint hirin

Ob sie wol suchen auch gewinn

Soll mans doch ihnen günnen;

Wenn sie im guten willen stehn

Auch fort in ihrer Einfalt gehn

Vnd gern thun was sie können.

Mit solchen wirds noch gut endlich

Wann's liecht lest heller sehen sich

Weil sie nicht sind boßwillig.

Der die weißheit nur sucht mit fleiß

Vnd sich nicht selbst lest duncken weiß

Wird im erkenntnuß völlig.

Allein von dehnen sagt mein Buch

Die voll hoffart geitz und betrug

Nach eignem willen leben

In fleisches lust und füllerey;

Trachten nach hoheit und darbey

Der warheit wiederstreben;

Derselben (leider) viel ich kenn

Ihrn Namen aber hie nicht nenn

Die zu ihr's lob's erhaltung

Der warheit schein den Rücken kehrn

Ihrn fortgang wehrn dawieder lehrn

Vnd richten an viel spaltung.

Von diesen wie zuvor gedacht

Wird Christi Creutzes krafft veracht

Vnd sein Nahm sehr geschendet.

Sie rühmen ihn wol mit dem mund

Vnd machen seine thaten kunt

Sprechen Er habs vollendet:

In dem wort Consummatum est

Hinder sich eitel freud er lest

Hat uns auch fried versprochen:

Drum singt in dulci lubilo,

Et gaudete in Domino,

Die Helle ist zerbrochen:

Des Satans gewalt gantz zerstört:

Wer ist nun der nicht gerne hört

Die Schrifft also außlegen?

Wenn man betrachtet diß täglich

So kan man Christi frewen sich

Wie sie zureden pflegen.

Daß aber wir recht zum gebrauch

Seins lebens mögen kommen auch

New Creaturen werden;

Vnd nach seiner vollkommenheit

Streben sollen in dieser zeit

Tödten Adam auff Erden

Vnd forschen fleißig nach dem Geist

Auff welchen der Schrifft Buchstab weist

Davon will keiner wissen

Sie haltens fur unnötig ding

Daß man die zeit damit zubring

Vnd darin sey geflissen;

Die wesentliche gegenwart

Christi in uns ist viel zuhart

Mögens nicht hören nennen:

Das kompt daher sie sind ohn liecht

Wissen seins fleisches ursprung nicht

Wollen ihn auch nicht kennen.

Der friedlich im land wohnen will

Muß mit der warheit halten still;

Sie mach't die leut nicht frischer:

Im Himmel ist des Herren sitz

Wozu ist sein einwohnung nütz?

Sprechen die Finsterfischer.

Mit solcher red' sie viel verkehrn

Verfolgen die die warheit lehrn

Vnd warnen dafur trewlich

Sagen: wie kan mit fleisch und bein

Christus leibhafftig in uns seyn?

O wie grewlich abschewlich

Ist ihnen die heilsame Lehr

Dem alten Adam viel zuschwer

Sein todt ist drin verborgen!

Man muß nicht sagen viel vom Kreutz

Vnd von der nachfolg keiner leidts

Es bringt nur eitel sorgen.

Vom innern wort schweigt man gar still:

Den der davon laut reden will

Nennen sie einen Kätzer.

In summa was dem fleisch weh' thut

Das wollen sie nicht heissen gut

Ja sprechen diese schwätzer:

Christi todt wird dadurch verachtt

Vnd sein verdienst zu nicht gemacht

Die Lehr ist sehr Phantastisch;

In unser Kirchen nicht bekant

Kompt her von Brügg auß Niederland

Lautt gar Enthusiastisch.

Sie werden bey uns allesampt

In unser Kirchen auch verdampt

Die solche Lehr einführen:

Wir bleiben schlecht bey unserm Recht

Damit ist alles wiederlegt

Mehr sie davon nicht rühren.

Weil die Propheten dunckel seyn

Führen sie die gar selten ein.

Geschicht' vor vielen Jahren

(Sprechen sie zum gemeinen Mann)

Gehn nur allein den Juden an

Sind alt' verlegen wahren.

Die Offenbarung so zuletzt

Am end' der Bibel ist gesetzt

Lassen sie auch hinstreichen;

Können darin nicht richten sich

Ist ihnen viel zu wunderlich

Den verstandt zu erreichen.

Sie sprechen: Solche sachen mag

Man wissen erst am Jüngsten tag

Biß dahin soll man's spahren;

Gehören nicht in diese zeit

Sie deuten auff die Ewigkeit

Da werden wirs erfahren.

Man weiß doch ohn die ding so viel

Alß nötig ist zu unserm ziel

Soll den kopff nicht mehr brechen

Furwitzig leut die doch ohn das

Gern wollen zuthun haben was

Mögen sich damit schwächen.

Bey solchen worten bleibt es dann

Damit ist friedlich jedermann

Lest ihm die brill auffsetzen.

Meynt die nur fleißig wochentlich

Zur Kirchen lassen finden sich

Sind Seelig leut zuschätzen.

Die Priester man fur Heilign helt

Sie schwatzen immer hin furs gelt

Auch von Johann dem Täuffer

Des alten Zachariæ Sohn

Begehn sein Fest zierlich und schon

Weil er ist der Vorläuffer.

Zeigen uns sein darneben an

Was Peter Fischer fur ein mann

Auch Paulus sey gewesen;

Vnd daß Petrus mit einem Eydt

Christum verleugnet auß schwacheit

Sie auß der Schrifft herlesen.

Daß Paulus da er Saulus war

Verfolget hab der Christen schar

Vnd sie tractiert unbillig

Im Eyfer doch auß unverstand:

Diß aber sagen sie niemand

Daß sie es thun muthwillig

Wissentlich wieder Christi Lehr

Zu erhalten ihr eigen Ehr;

Gott laß sie es erkennen

Geb ihnen drüber rew und leit

Auff daß sie nicht in dieser zeit

Mehr fromme hertzen trennen

Vnd sich dadurch in Ewig Noth

Selbst stürtzen wie Ischarioth:

Der wie sie auch erkleren

Auß Neit und geitz umb schlechte ding

Alß nemlich dreysig Silberling

Schändlich verriet den Herren.

Daß ferner auch die Jünger all

Verließen Ihn in solchem fall

Vnd worden wanckelmütig.

Daß Magdalen erstlich gesehn

Den Herrn bey ihr im Garten stehn

Der zu ihr sprach sehr gütig.

Auch führen sie ein gleicher maß

Daß da Lucas und Cleophas

Nach Emahuß hingingen

Der Herr sich ihnen offenbart

Freundtlich mit seiner gegenwart

Dadurch sie trost empfingen.

Von Johanna und Salome

Maria dem Weib Cleophæ

Vnd andern frawen Ehrlich

Von ihrer Salb köstlich und gut

Von Thomæ zwillings zweiffelmuth

Sagen sie uns auch jährlich.

Ja was fur Leut gewesen seyn

Iacobus groß und Jacob klein

Matthæus und Zachæus.

Philippus und sein Mitgesell

Der schlecht und recht Nathanaël

Vnd der blind Barthimæus.

Mehr die nicht werden hie genannt

Doch auß der Schrifft uns sind bekant

Dergleichen kindsche dingen;

Alles nach dem Buchstaben hin

Weil sie nicht sehn des Geistes sinn

Sie auff der Cantzel bringen;

Sonderlich wenn in ihr gemein

Kein Junckern gegenwertig seyn:

Wo aber die verhanden

Da sind die Pfaffen ander Leut

Bringen herfür von nah und weit

Geschicht auß frembden Landen

Die in den büchern finden wir

Vnd ich nicht all kan setzen hir

Von hohen Potentaten

Wie sie geführt ihr Regiment

Treffliche Krieg wie excellent

Ihr anschläg sind gerathen.

Der Alten Römer tapfferkeit

Die so berühmt ist weit und breit

Sie auch fein appliciren;

Wie es gefellt den großen Herrn

Vnd andern die ohn das doch gern

Kriegs-wesen approbiren.

So schicken sie sich in die zeit

Vnd wissen nach gelegenheit

Zierlich an tag zugeben

Daß sie gelernet recht die kunst

Dadurch man kan erhalten gunst

Erlangen gelt darneben.

Zu dem End streckt sich ihr Sermon

Das heist alß dann gepredigt schon

Die Lehr ist gut gewesen.

Ey spricht man dann wie zierlich kan

Dieser Mann alles bringen an

Wie wol ist er belesen.

Damit gehn sie zur Kirchen auß

Folgen dem Pfaffen ins Trinckhauß

Den Leib auch zuversorgen.

Weil ihre Seel bekommen satt

Genug Vorrath zu zehren hat

Vier tag' nach übermorgen.

Dann Predigt wieder Herr Johann

Da hat das Weib den rechten Mann

Der topff sein'n Deckel funden

Sein rechte Schäflein auch der hirt

Sehr liebe Gäst' sind da der Wirt

Mit ligt oben und unden.

So ist versorget die Gemein

Christo der weg bereitet fein

So stercket man die Müden.

Hat nur der Pfaff den Beutel voll

Von seinen Schafen milch und woll

So ist er wol zufrieden:

Bekümmert weinig sich darumb

Ob die Zuhörer werden fromb

Wenn sie ihm nur vertrawen;

Vnd glauben alles was er spricht

Schlecht hin und förschen weiter nicht

Das heist die Kirche bawen.

So soll man der Gemein vorstehn

Lassen den Bock im garten gehn

Die Reben auffzubinden.

Die Butter ist verwahret fein

Wenn die Katzen ihr hüter seyn.

O Gott erleucht die blinden!

War es so zu Sanct Pauli zeit?

Lehren so Gottes Diener heut?

O ô Ihr blinden Leiter!

Mietling fur gelt gedingte knecht

Der Schlangen arth nennt man euch recht

Ja des Satans vorreiter.

Wenn ihr die Schaf allein mögt schern

So last ihr gern die Schwein dem Herrn

Wie will euch diß bekommen?

Wenn unser Heyland und Ertzhirt

Sich zum gericht einstellen wird

Zu lohnen böß und frommen?

Wollt doch in ewr gewissen gehn

Zusehn ob ihr da könnt bestehn

Wann Christus in den seinen

Ansehnlich voller krafft und stärck

Zu prüfen aller Menschen werck

Gantz schrecklich wird erscheinen.

Viel anders alß ihr der Gemein

Fürpredigt und euch bildet ein

Wird Er sein Reich einnehmen.

Warlich ihr werdt zur selben zeit

Fur seiner Heilign Herrlichkeit

Euch hertzlich müssen schemen.

Diß schreibt man euch ja singt und sagt

Wird doch verlacht Gott seys geklagt

Drumb wird euch Gott verblenden

Von tag zu tagn je mehr und mehr

Zu schanden machen ewer Lehr

Euch kräfftig Irrthum senden.

Ihr Schäflein aber die ihr seyt

Weit abgeleitt von rechter weid

Erkennet ewern schaden.

Mercket auff ewers hirtten stimm

Verlasst den Mietling kehret umb

Heut heut in zeit der gnaden.

Suchet Weißheit ergreifft verstandt

Gott hat sein Diener außgesant

Durch die Er euch will lehren

Vnd ewer Irrweg' machen kunt

Sie führen euch zum rechten grundt

Haltet sie doch in Ehren.

Auß Gottes gunst fleust her ihr kunst

Die sie euch theilen mit umbsonst

Als der Herr hat befohlen.

Suchen darinn nicht ihrn gewinn

Kein Opffer durfft ihr bringen hin

Ihr Jahr-gelt sie nicht holen.

Erkennt des Herren lieb und trew

Thut ware buß habt hertzlich rew;

Dancket Gott allenthalben

Der Euch so gern erleuchten will

Mit seinem Liecht drumb haltet still

Lasst euch die augen salben.

Daß Ihr mögt sehn den Morgenstern

Vnd finden in der Schrifft den kern

Der euch noch ist verborgen

Kompt doch herzu und seht wie schon

Der glantz herfur bricht auß Zion

Wartet nicht biß auff morgen.

Ein finster tag kompt bald hernach

Ein dunckel wolck mit Weh und Ach

Lasst euch in zeit doch sagen:

Liebet Weißheit wandelt im Liecht

Weil ihrs noch habt verseumt euch nicht

Lang warten bringt wehklagen.

Itzt ist das Liecht euch angesteckt

Die Weißheit Gottes klar entdeckt

Steht draußen auff der Gassen

Weh euch in alle Ewigkeit

So ihr nicht heut in dieser zeit

Sie wollt zu euch einlassen.

Gewarnet seyt ihr mannigmal

Von Gottes kindern überall

Vermahnt euch zu bekehren

Die Warheit ist euch kunt gemacht

Ihr aber habt sie außgelacht

Bißher nicht wollen hören.

Es wird euch gehn ihr werdets sehn

Alß in der nachbarschafft geschehn

Lasst ihr euch nicht erweichen.

Exempel habt fur augen ihr

Die Gott zur warnung stellet für

Auch lässt Er sehn viel zeichen.

Wie fest euch ewer Pfaffen auch

Beystehn nach der Mietling gebrauch

Wann sie den Wolff sehn kommen

Wie sie verlauffen Röck und Huet

Lassen im stich den guten Muth

Das hat man wol vernommen.

Seyt nicht mehr blindt taub stumm und thumm

Kehret doch umb und werdet fromb

Verlasst Secten und Rotten;

Die allein suchen ihrn gewinn

Vnd immerhin in ihrem sinn

Der Botten Gottes spotten.