Einhundert ein und siebenzigstes Sonett.

By Francesco Petrarca

Written 1339-01-01 - 1339-01-01

Süß ist der Zorn, süß friedliches Bezeigen,

Süß jede Bürde, Kummer süß und Bangen.

Süß jedes Wort mit süßer Lust empfangen,

Wo süße Hauch' und süße Gluthen steigen.

Nicht klag', o Seele; duldend mußt du schweigen,

Mildern das bittre Süß, das uns befangen,

Mit süßer Ehr', aus Lieb' hervorgegangen

Zu ihr, zu der ich sprach: Dein bin ich eigen! –

Vielleicht kommt Mancher einst und rufet stöhnend

In süßem Neid: „Wohl viel hat übernommen

Für schönste Liebe der zu seinen Zeiten!“

Und Andrer: „O Geschick, mein Aug' verhöhnend!

Daß ich sie nicht gesehn! Daß sie gekommen

Nicht später, oder ich nicht mehr bey Zeiten!“